A-S-T-Projekt – Hilfe für Suchtkranke

Partner ziehen bei Vor-Ort-Besichtigung positives Fazit
Ein durchweg positives Fazit konnten die Partner des Projekt A-S-T (Arbeit-Selbsterkenntnis-Therapie) nach einer heutigen Besichtigung vor Ort auf dem Gelände des S.C.H.A.T.Z.-Werks der Caritas, Liebschwitzer Straße 119, ziehen.

Das Projekt, welches seit 01.09.2007 in Zusammenarbeit von Caritasverband Ostthüringen e.V., der Arbeitsgemeinschaft SGB II Stadt Gera, der Diakonie Ostthüringen gGmbH und der Stadtverwaltung Gera, Fachdienst Soziale-/ Unterhaltsleistungen besteht und zuletzt 2009 verlängert wurde, steht für Arbeit und Alltagsbewältigung, Selbsterkenntnis und Selbstmotivation, Teilhabe und Therapie und zielt auf die Verbesserung der Wiedereingliederungschancen von erwerbslosen Hilfebedürftigen mit besonderem Vermittlungshemmnis einer Abhängigkeitserkrankung.

Vordergründiges Ziel von A-S-T ist es, nachhaltig die Vermittlungschancen der Maßnahmeteilnehmer zu verbessern. Entscheidend dabei ist die Teilnahme an der Arbeitserprobung in Verbindung mit der Bearbeitung der Suchtproblematik mit dem Ziel der Befähigung und Annahme und Nutzung suchtspezifischer Hilfsangebote.

In Synergie von Maßnahmen nach § 16d des Zweiten Sozialgesetzbuches – SGB II (Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung) und Suchtberatung soll die Motivation eines abhängigkeitskranken Kunden zur Selbsterkenntnis und gegebenenfalls einer Therapie gefördert, ausgebaut und stabilisiert werden.

Der grundsätzlich nachhaltige und ganzheitliche Ansatz der Maßnahmen fördert und stabilisiert darüber hinaus die Selbstmotivation und die Eigenkompetenzen beispielsweise für den erfolgreichen Abschluss einer Therapie und des Wiedereinstiegs in das Erwerbsleben. Durch die Leistung von Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung sowie flankierende bildungsorientierte und sozialarbeiterische Angebote werden Alltags-, Selbst-und Sozialkompetenzen der Teilnehmer gestärkt und Schlüsselqualifikationen des Arbeitslebens erneuert. Gleichzeitig bildet die strukturierte Teilnahme an den Arbeitsangeboten eine Hilfe bei der Alltagsgestaltung und –bewältigung des Lebens mit einer Suchterkrankung, auch im Hinblick auf eine angestrebte Entwöhnungsbehandlung.

Einzelgespräche mit der Suchtberatung dienen der Bewältigung kritischer Situationen im Lebens- und Arbeitsalltag und der damit verbundenen Auseinandersetzung mit dem Suchtmittelkonsum. In Gruppenveranstaltungen werden dem Teilnehmer fachrelevante Informationen und die Auseinandersetzung mit der Abhängigkeitserkrankung zugänglich gemacht.

Die Teilnahme am Angebot A-S-T ist nach wie vor freiwillig. Sie setzt die Diagnose bzw. den Verdacht auf eine Abhängigkeitserkrankung sowie den Leistungsbezug im SGB II voraus und beinhaltet die Bereitschaft zu kontinuierlicher Mitarbeit bei allen mit der Maßnahme verbundenen Förderinstrumenten.

A-S-T ist ausgerichtet auf erwerbslose Hilfeempfänger im Leistungsbezug des SGB II, deren Suchtmittelkonsum als Vermittlungshemmnis anerkannt ist. Hierzu gehören insbesondere Kunden, welche durch die Eingliederung in einen Arbeitsprozess und die damit verbundenen Tagesstrukturierung an ein Problembewusstsein des eigenen Suchtverhaltens herangeführt werden sollen. Weiter bezieht sich das Angebot auf Kunden, bei denen durch die Eingliederung und enge psychosoziale Betreuung im Beschäftigungsprojekt eine Reduzierung des problematischen Konsumverhaltens und somit ein Abbau der Vermittlungshemmnisse zu erwarten ist. Hierzu zählen insbesondere Kunden, welche zu einer Entwöhnungsbehandlung entschlossen sind, um deren Stabilität und Motivation bis Behandlungsbeginn durch Tagesstrukturierung und Betreuung zu erhalten.

Die Teilnehmer sollen auch weiterhin unter Berücksichtigung der individuellen Förder- und Erkrankungssituation 6 Monate in das Angebot vermittelt werden. Eine Verlängerung der Teilnahme an dieser Maßnahme bis zu 12 Monaten wird nach 3 Monaten in einer Helferkonferenz geprüft. Bei Aufnahme einer stationären Entwöhnungsbehandlung endet die Maßnahme mit dem Tag des Beginns der Entwöhnung.

Die Beschäftigungsinhalte und deren Umfang sind dabei auf das individuelle Leistungsvermögen des Teilnehmers zugeschnitten. Ein Beschäftigungsumfang von mindestens 3 Stunden täglich ist dabei zwingend, kann aber auch durch Schulungs- und Begleitinhalte individuell angepasst werden. Beschäftigungsangebote gibt es dafür im Garten- und Landschaftsbau, der Holzbearbeitung, und einer Fahrrad- und Elektrowerkstatt.
Mit der Projektverlängerung im Jahr 2009 wurde die Bedarfserhebung auf 16 Teilnehmer konzipiert, die auch derzeit zur Verfügung stehen.

Dabei ist das gemeinsame Ziel aller beteiligten Partner auch weiterhin die Hilfestellung bei der Selbsterkenntnis der Folgen der persönlichen Grenzen jedes Teilnehmers in einer realen Arbeitsstruktur.

Inzwischen können sich die Erfolge der Maßnahme sehen lassen. 2009 machten ca. 37% aller Teilnehmer eine stationäre Entgiftung, 15% aller Teilnehmer absolvierten eine Entwöhnungsbehandlung. Zu 65 Prozent der Zeit waren die Teilnehmer anwesend, nur 2% fehlten unentschuldigt. Aktuell haben 62 Teilnehmer die Maßnahme beendet. Auf Grund der Erkrankung mussten 17 Teilnehmer/-innen aus gesundheitlichen Gründen die Maßnahme beenden. Weiterhin erfolgte in 20 Fällen eine Kündigung an die Teilnehmer. In 25 Fällen erfolgte eine erfolgreiche reguläre Beendigung der Maßnahmen. Als Erfolg ist zu werten, das bereits in 14 Fällen eine Therapie begonnen bzw. schon abgeschlossen ist. 14 ehemalige Teilnehmer haben eine Beschäftigung bzw. eine Bildungsmaßnahme angetreten.

Mit Nachsorgebehandlung und weiterer ambulanter Beratung nehmen etwas über die Hälfte der Teilnehmer auch nach Beendigung der Maßnahme Angebote der Suchtberatung wahr. Das heißt, dass Prinzip der Nachhaltigkeit wird erreicht. Mit Beendigung der Maßnahme sind Betroffene im Hilfesystem, die wir vorher nur schwer erreichen konnten. Diese Zahl ist sehr hoch, viel höher als zu Beginn des Projektes erhofft.

Das Angebot A-S-T ist offen für die Zusammenarbeit mit allen etablierten Trägern der Suchtkrankenhilfe. Es arbeitet im Netzwerk mit Trägern, Einrichtungen und Diensten in der Region, die insbesondere begleitende oder ergänzende Hilfen wie Schuldnerberatung, therapeutische Familien- und Einzelberatungen, Gesundheitsvorsorge u.a. leisten.

A-S-T ist in den Betriebsstätten des S.C.H.A.T.Z in Trägerschaft des Caritasverbandes für Ostthüringen e.V. angesiedelt. Hier befinden sich auch die Beratungs- und Sozialräumlichkeiten, die mit allen materiellen Hilfsmitteln und technischen Kommunikationsmöglichkeiten moderner Servicestellen ausgestattet sind. Nach dem Vor-Ort-Termin sind sich die Partner einig, dass auch 2011 das Projekt weiterlaufen sollte. Die Verhandlungsgespräche dazu laufen bereits.

Veröffentlichung: 13.07.2010

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