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Reinste Wirkstoffe für Medikamente aus Geraer Unternehmen HAPILA GmbH / Betriebsbesuch von Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm

Chemie ist, wenn es stinkt und kracht.... Mitnichten. In den Labors der HAPILA GmbH in der Otto-Schott-Straße 9 in Gera muss zwangsläufig peinlichste Sauberkeit herrschen: Separate Schleusen vor den Labors, weiße Schutzmäntel, skurrile Schutzbrillen und hochwertige Sicherheitswerkbänke…

Staub hat hier keine Chance. Mit modernsten Technologien und einem eigens dafür entwickelten Verfahren werden kristallisierfähige chemische Substanzen als Zwischenprodukte für die Pharmaindustrie mit hoher Ausbeute in den Labors gereinigt. Ergebnis sind reinste Wirkstoffe und Feinchemikalien, die u.a. von der pharmazeutischen Industrie in Tabletten, in Wirkstoffpflastern oder anderen Medikamenten weiterverarbeitet werden können. Bei seinem Betriebsbesuch konnte sich Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm von dem großen Engagement von HAPILA-Geschäftsführer Dr. Uwe Müller und seinem siebenköpfigen Team überzeugen, das hier am Standort seit Mai 2007 ein hochmodernes Technologieunternehmen zur chemischen und verfahrenstechnischen Entwicklung von Synthesen, zur Aufreinigung und zur Formgebung von pharmazeutischen Wirkstoffen und Feinchemikalien für Unternehmen aus Pharma und Chemie aufbaut. Da geht es auch um die optimale physikalische Form der Wirkstoffe für Medikamente. „Wir haben hier in Gera einen idealen Standort für unsere Geschäftsidee gefunden. Gleichzeitig befinden sich viele Partnerfirmen und Institute, mit denen wir zusammenarbeiten, in unmittelbarer Nähe“, begründet Dr. Müller die Wahl des Firmensitzes.
Einfach war der Weg bis heute nicht. Er und weitere Spezialisten auf dem Gebiet der Wirkstoffentwicklung wie Dr. Steffen Wittmann, der als Entwicklungsleiter 20-jährige Berufserfahrung als Diplomchemiker einbringt, der Technische Leiter Robert Eilers, Diplomingenieur für Automatisierungs- und Verfahrenstechnik, gründeten gemeinsam mit Dr. Merle Fuchs, Technologiecontor Gera, das Unternehmen. Mit im Gründungsteam war auch der Meister Lutz Schneider, der auf jahrzehntelange Berufserfahrung aufbauen kann. Sie alle brachten ihre Erfahrungen und Spezialwissen in die Firma ein. Doch damit war es nicht getan. „Von Beginn an haben wir nicht nur Zeit und Kraft investiert, sondern auch Entwicklungsleistung und viel privates Geld. Gut strukturierte Laborräume fanden wir hier in Bieblach-Ost vor, aber die Ausrüstung musste gekauft werden. Parallel wurde intensiv an der Weiterentwicklung unseres Kristallisationsverfahrens gearbeitet, so dass wir im Jahr 2008 unser Patent anmelden konnten. Wir haben in kleinen Schritten begonnen“, berichtet der Geschäftsführer. „Seit 2008 flossen ca. 400.000 Euro in die technische Ausstattung. Unser Investitionsprogramm wird in diesem Jahr und in den Folgejahren in mindestens dieser Größenordnung fortgesetzt.“ Ermöglicht wird das erst durch das finanzielle Engagement des High Tech-Gründerfonds, Bonn, der neben der Beteiligung am Unternehmen noch ein Nachrangdarlehen mit in die Partnerschaft einbringt. Auch die Erfurter bm-t Beteiligungsmanagement Thüringen GmbH trägt durch ihre unbürokratische Unterstützung in Form einer sogenannten Stillen Beteiligung wesentlich zur Stabilisierung der HAPILA bei. Und die Sparkasse Jena, die Thüringer Aufbaubank sowie die BBT Bürgschaftsbank Thüringen haben in einem sehr komplexen Prozess die Investitionsmaßnahmen mit den entsprechenden Zuschüssen ermöglicht haben.
Im ersten vollen Geschäftsjahr 2008 betrug der Umsatz des Unternehmens 120.000 Euro. Im gleichen Jahr wurde das Team mit zwei neuen Mitarbeitern verstärkt. Bis zum Jahresende 2009 soll das Unternehmen auf neun Mitarbeiter anwachsen, bis 2013 auf rund 30. Besonders baut die Firma auf ein gut funktionierendes Geflecht von Kooperation und Partnerschaft. Dazu gehören auch weitreichende internationale Kontakte. In diesem Jahr konnte bereits ein wissenschaftlicher Beirat gegründet werden. Enge fachliche Beziehungen gibt es z.B. zur Friedrich-Schiller-Universität und zur Fachhochschule Jena, zu den Universitäten Leipzig und Halle, zur TU Ilmenau und zum Hermsdorfer Institut für Technische Keramik e.V. Großes Interesse besteht, mit diesen wissenschaftlichen Einrichtungen langfristig zu kooperieren. Zu vielen kleinen, insbesondere jungen Biotechnologie-Firmen der mitteldeutschen Gründerzentren pflegt HAPILA gute Kontakte. Auch eine Diplomarbeit eines Studenten der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden wurde bereits im Unternehmen betreut. Eine der vielen Zukunftsideen des Unternehmens ist es, gemeinsam mit interessierten Unternehmen aus Jena später die praktische Laboranten-Ausbildung durchzuführen, um den eigenen fachlichen Nachwuchs heranzuziehen.
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HAPILA ist aktives Mitglied des Netzwerkes 4chiral, einer mitteldeutschen Vereinigung von klein- und mittelständischen Unternehmen der Pharma-, Biotechnologie- und Chemieindustrie sowie von Universitäten. Im Netzwerk wird Forschungs- und Entwicklungsarbeit mit dem Schwerpunkt geleistet, neue Produkte zu entwickeln und die Herstellung zu optimieren. „Durch die Bündelung der Kompetenzen im Netzwerk erhöhen alle beteiligten Firmen ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das Angebotsspektrum kann erweitert werden und wir werden in der Lage sein, Großaufträge gemeinsam abzuarbeiten. Das bietet viele Vorteile und stärkt alle beteiligten Firmen. Wir legen viel Wert auf gute und solide Partnerschaften“, so Dr. Müller. Im Jahr 2007 erhielt das Geschäftskonzept der Firma den zweiten Platz beim Thüringer Businessplanwettbewerb. 2008 holte das Team sogar für ein Herstellungsverfahren den zweiten Platz im Cluster Biotechnologie des Wettbewerbs um den IQ Innovationspreis nach Gera. „Selten sind in einem Unternehmen Know-how, Vermarktung und Kontakte sowie die gesamte kaufmännisch-strategische Aufstellung so stimmig und werden so bewusst von Anfang an ausgebaut wie bei HAPILA. Man merkt sofort, dass das Team von seinem Tun überzeugt ist und sich mit großem Engagement einbringt. Deshalb funktionieren die drei Geschäftsideen“, lobt Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm.
Mit Stolz führt Dr. Müller den Oberbürgermeister durch den Labortrakt. Überall modernste Technik. Eine Schleuse zwischen Hauptgang und Reinraum-Labor schützt davor, dass Staubpartikel von außen in den Laborbereich gelangen und dort die Substanzen verunreinigen. Das Fenster des Labors ist versiegelt. Eine eigenentwickelte und selbstgebaute Kristallisationsanlage, die von einem Rechner gesteuert wird und vollautomatisch betrieben wird, steht neben Kühlaggregaten. Die Steuer-Software wurde dafür übrigens in der Firma entwickelt. Solch ein komplizierter Kristallisationsprozess zur vollautomatischen Aufreinigung eines Stoffes kann von mehreren Stunden bis Tage dauern. Im Moment werden Kleinstmengen bearbeitet. Die Firma konzentriert sich auf hochwertige Wirkstoffe, deren Preis pro Kilogramm einige Tausend Euro kosten kann. Da wird um jedes Gramm gekämpft. Bis zu 80 Prozent beträgt die Ausbeute an reinem Stoff. Das Verfahren, das das Team entwickelt hat, ist kostengünstig und kann bis hin zu kommerziellen Produktionsmengen erweitert werden. „Dazu wollen wir als nächstes ein Technikum einrichten, in dem wir größere Mengen bis hin zu mehreren Kilogramm kristallisieren können“, verrät Dr. Müller die künftigen Pläne. Potentielle Kunden aus der Pharmazeutischen Industrie, der Biotechnologie und Chemie kommen aus Deutschland, Großbritannien, Italien, USA und Australien. Mit einigen namhaften Kunden laufen derzeit Vertragsverhandlungen zu langfristigen Entwicklungsprojekten im fortgeschrittenen Stadium, deren erfolgreicher Abschluss für die weitere positive Entwicklung der HAPILA von großer Bedeutung ist.

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Mit modernsten Technologien werden in den Labors der HAPILA GmbH kristallisierfähige chemische Substanzen gereinigt: Mitarbeiterin Tina Dickhoff bei der Probenahme. Foto: HAPILA GmbH


Veröffentlichung: 13.03.2009