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Mai     2013 
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Romantisches Gera - Bürgerliches Leben im 19. Jahrhundert

Themenausstellung in den Werken der Malerfamilie Fischer

Das bürgerliche Leben im Gera des 19. Jahrhunderts widerspiegelt die neue Themenausstellung im dortigen Stadtmuseum. „Romantisches Gera“ überschrieben, vereint die am Freitag (10. Dezember) im Erdgeschoss des Hauses eröffnete Schau 110 Arbeiten der beiden Maler Heinrich und Theodor Fischer. Die Werke der Geraer Malerfamilie werden erstmals in diesem Umfang präsentiert. Darüber hinaus vermitteln zahlreiche Objekte, etwa die Geraer Ratsherrensänfte, sowie aufwändige Inszenierungen ein eindrucksvolles Bild vom Alltagsleben in jener Zeit. Mit derart thematischen Expositionen, die durchschnittlich vier Jahre zu sehen sind, ergänzt das Geraer Museum seine Dauerausstellung und vertieft auf diese Weise einzelne Schwerpunkte.

Heinrich Fischer (1786–1850) und sein Sohn Theodor Fischer (1824–1908) gehören zweifellos zu den bekanntesten Geraer Malern des ereignisreichen 19. Jahrhunderts. Mehr als einhundert Jahre liegen zwischen dem ältesten Werk Heinrich Fischers von 1803 und dem jüngsten seines Sohnes von 1905. Ihrer Heimatstadt bleiben beide lebenslang verbunden; sie wohnten, arbeiteten und starben dort. Zwangsläufig hat dadurch ein Großteil ihrer Arbeiten einen direkten Bezug zu Gera, und die Werke werden so zum einmaligen und unersetzlichen Zeugnis für die Stadtgeschichte.

Die beruflichen Laufbahnen von Vater und Sohn zeigen mehrere Parallelen. Beide studieren an der Kunstakademie in Dresden. Heinrich Fischer unterrichtet am Geraer Gymnasium das Fach Zeichnen, Theodor Fischer übernimmt nach dem Tod des Vaters diese Stelle. Beide fertigen vorrangig Auftragswerke. Von Heinrich Fischer sind 1.655 Porträts namentlich bekannt, von Theodor sind es 849. Beiden ist auch – bedingt durch die klassisch-handwerkliche Kunstausbildung – eine große Genauigkeit eigen. Ob beim zarten Stoffschleier in einem Damenporträt, beim Schattenwurf eines Hauses im Sonnenlicht oder beim Blick Heinrich Fischers vom Turm der Salvatorkirche auf die Stadt – immer ist der Ehrgeiz spürbar, die Dinge genau so abzubilden wie sie wirklich sind.

Heinrich und Theodor Fischer sind genaue Beobachter ihrer Umgebung. Die Arbeiten des Vaters strahlen biedermeierliche Gemütlichkeit aus, sie erlauben einen oftmals sehr intimen und detaillierten Blick in Geraer Wohnstuben und Hinterhöfe. Seine kleinformatigen Pastelle zeigen Handwerker, die sich – der Mode der Zeit und wohl auch einer gewissen Eitelkeit folgend – gern porträtieren lassen. Dagegen kommen in Theodor Fischers Werken der Unternehmungsgeist und die Rastlosigkeit der Reichsgründung sowie der nun folgenden Gründerjahre zum Ausdruck. Die Personen seiner zum Teil lebensgroßen Porträts strahlen Selbstbewusstsein und Geschäftigkeit aus, in seinen Straßenszenen findet sich die vornehme Gesellschaft Geras.

Natürlich widerspiegeln die Ansichten die subjektive Sicht der Künstler. Eingebettet in die romantischen Vorstellungen ihrer Zeit zeigen beide fast ausschließlich die idyllischen Seiten ihres Universums. Eine Ausnahme bilden mehrere Skizzen Heinrich Fischers, die die französische Besetzung Deutschlands um 1810 thematisieren. Vor allem in den Werken des Sohnes ist die Abneigung gegen die mit aller Gewalt hereinbrechenden wirtschaftlichen und damit auch sozialen Veränderungen zu spüren. In seinen Straßenszenen ist kaum einmal ein Schornstein – das Symbol der Industrialisierung ab 1850 – zu erkennen. Dessen ungeachtet nutzt Theodor Fischer ausgiebig eine geradezu revolutionäre Neuheit für seine Arbeit - die 1839 erfundene Fotografie. Viele seiner Gemälde entstehen nach selbst angefertigten großformatigen Fotografien, darüber hinaus betreibt er ab 1854 ein fotografisches Atelier.

Fakten
Datum Beginn: 11.12.2010
Datum Ende: 01.01.2013
Veranstaltungsort: Stadtmuseum
Museumsplatz 1
07545 Gera
E-Mail: stadtmuseum@gera.de
Öffnungszeiten: Montag: geschlossen
Die. - So./Feiertag: 11.00 - 18.00 Uhr

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