Geraer Volkshochschule mit vielen neuen Ideen: Kreatives Schnitzen, sportliches Pilates mit dem eigenen Baby oder der Umgang mit moderner Technik für Junggebliebene
Der CD-Player spielt beruhigende Musik. Die Kursteilnehmerinnen liegen auf Matten und führen Übungen durch. Und doch ist ein überraschendes Getümmel im Raum, denn hier, in der Geraer Volkshochschule „Aenne Biermann“, findet gerade ein Pilateskurs für Mütter nach der Entbindung statt.
Die Babys sind dabei Bestandteil des Kurses. Sie liegen in der Mitte des Sportraumes auf Turnmatten und können ihren Müttern quasi beim Sporttreiben zusehen. Manchmal sind sie jedoch eher an den anderen Sprösslingen interessiert. Alle Babys befinden sich in ihrem ersten Lebensjahr, manche fangen schon an zu krabbeln. Damit sich die Muttis aber trotz ihrer aufgeweckten Kinder entspannen und auf die Übungen konzentrieren können, hat die Dozentin Nadja Kretzschmar immer ein Auge auf die Kleinen, beziehungsweise ihren Bewegungsdrang. Sie erklärt dabei die Übungen ganz ruhig und führt diese auch vor. Manchmal probieren die Frauen die Übungen sogar mit ihrem Kind auf dem Schoß oder unter sich liegend. Der Kurs bietet zum einen die Möglichkeit, sich sportlich zu betätigen, obwohl man sich um seinen Säugling kümmern muss, und zum anderen natürlich auch den Kontakt mit anderen Müttern.
Viele mögen eine Volkshochschule wahrscheinlich mit angestaubten Lehrveranstaltungen und vor allem Sprachkursen verbinden, doch die Angebote zeugen heutzutage von einer unerwarteten Vielseitigkeit. In diesem Frühjahrssemester plante die Volkshochschule Gera zirka 270 Lehrveranstaltungen, darunter nicht nur Kurse, sondern auch Wochenendseminare. Über die Kursauslastung zeigte sich der Schulleiter Egbert Heidel zufrieden. Die Nachfrage im Gesundheitsbereich sei ansteigend. Deswegen werden im Bereich Gesundheit und natürlich im Dauerbrenner Sprachen mit je 80 Veranstaltungen die meisten Kurse angeboten. Danach folgen die kulturorientierten Kurse mit 40 bis 50 Angeboten. Am beliebtesten seien dabei Fitness- und Yogakurse, Babyschwimmen, Englischsprachkurse sowie Mal-, Zeichen-, Musik und PC-Kurse. Egbert Heidel betonte zudem die Dynamik in der Gestaltung des Lehrprogramms, denn es werde versucht die Angebote immer der aktuellen Nachfrage anzupassen. Die Organisation der Tätigkeitsbereiche der Schule wird von vier Mitarbeitern übernommen. Der Dozentenpool, auf den die Volkshochschule zugreifen kann, beträgt dabei rund 120 bis 150 Lehrende pro Semester. Im Moment gibt es mehr weibliche als männliche Nutzer, die die Volkshochschule und deren Lehrveranstaltungen wahrnehmen. Dabei ist der Altersdurchschnitt jedoch breit gefächert, denn er reicht von Grundschülern bis zu 80-jährigen Junggebliebenen. Damit ist die Volkshochschule Gera eine Institution, die ein lebenslanges und Generationen übergreifendes Lernen ermöglicht.
Entsprechend nutzen auch viele ältere Geraer die Bildungseinrichtung - nicht nur zum Erlangen von neuem Wissen, sondern auch zum Knüpfen sozialer Kontakte und um ihr Wissen der technisch hoch entwickelten Gegenwart anzupassen. So gibt es mittlerweile mehrere PC-Einsteigerkurse für Junggebliebene, in denen Basiskenntnisse vermittelt werden. Oft nehmen die Teilnehmer solche Angebote wahr, um mit Enkeln und anderen Familienmitgliedern mithalten zu können. Das Leben funktioniere eben ohne Computer nicht mehr, man sei überall damit konfrontiert, so eine Teilnehmerin des Kurses. Sie bekam einen Laptop von ihren Kindern geschenkt mit der Aufgabe, die Benutzung zu erlernen und die Kenntnisse dann an andere Familienmitglieder weitergeben zu können. Die „Junggebliebenen“ sind mit dem Dozenten Bernd Schirrmeister jedoch sehr zufrieden und wollen wahrscheinlich gleich einen Anschlusskurs belegen. Die Materialien seien methodisch sehr gut strukturiert und der Kurs bereite viel Spaß. Auch ein Ehepaar belegt zusammen diese Lehrveranstaltung, beide mit dem großen Ziel die Internetnutzung zu beherrschen. Der älteste „Junggebliebene“ hier ist über 80 Jahre alt. Er hat sich im Verlauf des Kurses einen PC zugelegt und so ging es auch den meisten anderen Teilnehmern.
Die Angebote der Geraer Volkshochschule zeichnen sich aber auch im Kreativbereich durch ihre Vielseitigkeit aus. Schon seit 1990 findet hier ein Schnitzkurs statt. Der Kursleiter Günter Bronisch ist mittlerweile 82 Jahre alt und begeistert immer noch wöchentlich neue Teilnehmer mit dem Erlernen der Schnitzkunst. Früher hat er gemalt und sich dann das Schnitzen selbst beigebracht. In vielen Ausstellungen präsentierte er seine Werke. In dem Kurs, lehrt er die Schnitzabläufe Schritt für Schritt – vom Holzblock zum Schäfer samt seinen Schäfchen. Zum Anschauen und Orientieren bringt er immer eigene Schnitzfiguren mit, für das Arbeiten werden Holzrohlinge ausgeteilt, die dann gemeinsam bearbeitet werden können. Am Anfang der Stunde erklärt Günter Bronisch erst in der Runde, was für heute geplant ist und wie man das Ziel schrittweise erreichen kann. Und mit einem „Na los geht’s!“ schickt er dann seine Schützlinge, übrigens genau so viele Frauen wie Männer, an die kreative Arbeit. Informationen über alle Kursangebote unter www.gera.de, Menüpunkt: Bildung und Wirtschaft. Praktikantin Julia Löffler
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Sportliches Pilates mit dem eigenen Baby gehört zu den vielen neuen Kursen, die die Geraer Volkshochschule „Aenne Biermann“ mit Erfolg anbietet. Foto: Praktikantin Julia Löffler
Veröffentlichung: 20.04.2012
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