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Vom Handy- Prototyp bis zur Baggersteuerung

Geras Oberbürgermeister besucht Leiterplattenhersteller LFG im Industrie- und Gewerbepark Keplerstraße

Leiterplatten sind aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Rund 70 Hersteller gibt es derzeit hierzulande. Einer davon ist in der Otto-Dix-Stadt Gera zu Hause, die Eckhard Oertel – LFG, was für Leiterplatten, Feinmechanik, Geräte steht.


LFG-Inhaber Eckhard Oertel (l.) erläutert Geras Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm bei einem Besuch im Unternehmen den Aufbau einer Leiterplatte. (Stadtverwaltung) Über die Entwicklung des vor 19 Jahren gegründeten Unternehmens, die aktuelle wirtschaftliche Situation und Pläne für die Zukunft informierte sich Geras Oberbürgermeister Dr. Norbert Vornehm bei einem Besuch des Betriebes.

„Ich bin das erste Mal in einer Leiterplatten-Fertigung und empfinde das als hochspannend“ sagte er während eines Rundgangs durch die im Industrie- und Gewerbepark Keplerstraße ansässige Firma. „Solche Unternehmen wie LFG sind eine große Chance für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Geras“, bekräftigt er. Gerade die Kleinteiligkeit garantiere „langfristig sicher die bessere Perspektive“. Wichtig aber sei, sich innerhalb der Stadt und mit dem Umland zu vernetzen und wo es möglich ist, sich auch gemeinsam zu vermarkten. Das sieht auch Unternehmensgründer und Inhaber Eckhard Oertel so. Er wünscht sich noch weitere Industrieansiedlungen in Gera, damit noch mehr der derzeit jährlich rund 140 Kunden am LFG-Stammsitz zu Hause sind. Auf die Frage des Oberbürgermeisters nach dem Marketing, erklärt der Unternehmenschef, dass man zwar internationale Messen nutze und auch – wie in diesem Jahr wieder geplant - Hausmessen veranstalte, „aber eigentlich empfehlen uns unsere Kunden weiter“.


(Stadtverwaltung) Angefangen hat LFG 1992 mit Lohnarbeiten, unter anderem fertigte man Leiterplatten für Fahrscheindrucker der Nahverkehrsbetriebe. Peu a peu wuchs das inzwischen nach DIN ISO 9001-2008 zertifizierte und auch für Lieferungen in die USA gelistete Unternehmen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von damals vier auf aktuell 37, darunter ein Lehrling. Der Umsatz hat sich trotz eines enormen Einbruchs während der Krise mehr als verzehnfacht - in diesem Jahr sind rund 2,4 Millionen Euro geplant. Etwa ein Zehntel davon realisiert LFG durch ein selbst entwickeltes medizintechnisches Behandlungsgerät zur Leitungswasser-Iontophorese, zum Beispiel gegen Handschweiß. Wer wachse, müsse investieren, macht der LFG-Chef deutlich und beziffert die Investitionen in moderne Technik und Technologien allein in den zurückliegenden zehn Jahren auf cirka 1,4 Millionen Euro.

In den 19 Jahren des Bestehens hat sich das Profil von LFG gewandelt. Der Anteil der Feinmechanik sei stark zurückgegangen, dafür wuchsen die Produktion von Leiterplatten und der Bestückung elektronischer Baugruppen. „Als wir anfingen gab es in Deutschland cirka 500 Hersteller von Leiterplatten, heute sind es gerade mal noch rund 70, und wir gehören dazu“, freut sich Eckhard Oertel. Er führt das unter anderem auf die hohe Flexibilität, die Schnelligkeit und den Service zurück. LFG hat sich auf die Fertigung von Prototypen und Kleinserien von Leiterplatten sowie elektronischen Baugruppen und Geräten spezialisiert. Dabei reicht das Einsatzspektrum vom Handy-Prototyp bis zur Baggersteuerung, von der Medizintechnik bis zur Straßenbeleuchtung. Neuentwicklungen für Kunden, die in ganz Deutschland, der Schweiz und Tschechien zu finden sind, gehören dazu ebenso wie Nachforderungen von ausgelaufenen Produkten. „Unser Vorteil gegenüber größeren Anbietern ist, dass wir zu jeder Zeit den Produktionsprozess unterbrechen können, um dringende Aufträge unserer Kunden zu realisieren“, betont Vertriebsleiter Peter Dube und nennt als Beispiel drei Tage für den kürzesten Durchlauf bei Leiterplatten.


Um hochqualifizierte Fachkräfte für Gera zu gewinnen, plädiert Eckhard Oertel für eine Außenstelle der Jenaer Universität in der Otto-Dix-Stadt. „Immer wieder erreichen uns Anfragen von Studenten nach Praktika.“ Der erste, der davon profitierte, war ein chinesischer Student aus Jena, der jetzt seine Bachelor-Arbeit bei LFG schreibt. „Nachwuchs, der die Firma innovativ weiterbringt, ist sehr wichtig.“ Deshalb bildet das Unternehmen selbst aus. Zu dem derzeitigen Lehrling sollen sich mindestens zwei weitere – Elektroniker für Geräte und Systeme sowie Industrieelektriker - gesellen. Zwölf Bewerbungen konnte LFG beim 1. Tag der Ausbildung im Industrie- und Gewerbepark Keplerstraße in diesem Jahr generieren.

„Oertel was machste?“, hatte sich der LFG-Chef vor 19 Jahren gefragt. Nach Lehre bei Zeiss und Studium sowie vielen Jahren beim VEB Elektronik Gera, zuletzt in der Musterfertigung, sah der Diplom-Ingenieur als einzige Alternative zur drohenden Arbeitslosigkeit den Schritt in die Selbstständigkeit. Der hat sich als erfolgreich erwiesen. 2012 feiert LFG 20-jähriges Firmenjubiläum. Dazu lud Eckhard Oertel den Oberbürgermeister zum Abschluss seiner Visite im Unternehmen schon jetzt ein.


Veröffentlichung: 14.04.2011