deutsche Version dieser Seite deutsch | english version of this page english | Schriftgröße: - A A + | GeoPortal Stadtplan anzeigen
Logo Bender Interaktiver Stadtplan
Suche

Historie Westvororte

Seit dem 1.10. 2010 haben Frankenthal und Scheubengrobsdorf den Status eines Ortsteiles der Stadt Gera, in deren Stadtgebiet sie 1923 eingemeindet wurden. Westlich der Stadt Gera und des Stadtwaldes im Saarbachtal gelegen, sind beide Dörfer seit langer Zeit mit der Stadt verbunden. Geraer Bürger waren zeitweise Pächter der Rittergüter, die es in jedem Ort gegeben hat. Erweiterungen des Stadtwaldes und die Erschließung von neuen Quellen für die städtische Wasserversorgung spielten eine Rolle bei der Eingemeindung 1923.
Die Ersterwähnung der Dörfer erfolgt relativ spät, 1499 werden Frankenthal und Scheubengrobsdorf in einer Verkaufsurkunde sicher genannt. Das eigentliche Alter ist vermutlich höher, da Frankenthal auch immer der Pfarrort für eine Anzahl von Orten der Umgebung war. Bis heute sind Ernsee, Töppeln, Windischenbernsdorf und Scheuben-grobsdorf nach Frankenthal eingepfarrt. 1517 wird der Neubau der Allerheiligenkapelle genannt, eine Steinplatte auf dem Altar zeigt diese Jahreszahl mit dem Namen Hans Andres Franck. Scheubengrobsdorf besaß im Bereich des späteren Rittergutes eine Wallanlage, die wegen des nahen Baches dort angelegt worden ist. In unmittelbarer Nähe traf die „Alte Straße“ von Westen her auf den Saarbach. In ihrer Form gehören beide Orte Straßendörfer, ein Hinweis auf eine deutsche Ortsgründung. Ein wesentlicher Punkt waren die zwei Rittergüter, deren Besitzer häufig wechselten. 1896 erwirbt die Stadt Gera das Rittergut Scheubengrobsdorf, 1899 erfogt der Kauf des Frankenthaler Rittergutes. Ein großer Teil des Grundbesitzes in den Orten war im Eigentum der Rittergutsbesitzer, die Bauerngüter sind weniger gut ausgestattet, ein Grund für die Armut der Bevölkerung. Die Hungerjahre im Zusammenhang mit dem Siebenjährigen Krieg traf 1772 besonders die Familien in Frankenthal, so dass der Friedhof wegen der Seuchenopfer erweitert werden musste. In der Zeit der napoleonischen Kriege gelangt die Frankenthaler Diebsbande zu einer großen Bekanntheit im Fürstentum Reuß jüngere Linie. Deren Anführer Joseph Klaunig wurde 1819 gefasst und saß bis zu seinem Lebensende im Geraer Zucht- und Waisenhaus, dem heutigen Stadtmuseum. Einer der Treffpunkte der Bande war die in den 1930er Jahren gefällte Diebseiche in Ernsee, unweit der Kalten Eiche. Im 19. Jahrhundert bot die schnell wachsende Industrie der nahen Residenzstadt gute Erwerbsmöglichkeiten, um 1900 vergrößerte sich in beiden Orten die Bevölkerung erheblich. Die baulichen Veränderungen in den Orten sind noch heute sichtbar, ländliche Bauformen verschwanden zum Teil. An anderen Stellen erhielt sich aber traditionelle Architektur bis in die Gegenwart, so zeigt sich am Ortseingang Scheubengrobsdorf noch das stattliche Gebäude der Mühle, in Frankenthal finden sich an der Dorfstraße einige interessante Fachwerkbauten und das Ensemble von Schule, Pfarrhaus und Kirche. 1732 entstand die Allerheiligenkirche in ihrer heutigen Form mit Hilfe einer Landeskollekte im Fürstentum Reuß jüngere Linie. Der Innenraum zeigt sich in einer schlichten geschlossenen spätbarocken Form. Mit dem Kanzelaltar gab sich der Ort seinerzeit ein besonderes sakrales Schmuckstück, das die evangelischen Glaubensvorstellungen des späten 18. Jahrhunderts dokumentiert. In dieser Zeit existierte in Frankenthal noch ein Hammerwerk, der Flurname Hammerwiese verweist auf dessen Existenz.
Im 19. Jahrhundert entstehen zahlreiche Gebäude neu, Pfarrhaus und Schule, sowie erste Mehrfamilienhäuser. Diese bauliche Entwicklung setzt sich weiter fort und die Fläche der Orte vergößert sich in den vergangenen hundert Jahren kontinuierlich. Die steigende Einwohnerzahl bringt ein reges Vereinsleben mit sich. Die Pflege der Geselligkeit, der Musik und das beginnende Interesse am Sport wird in verschiedenen Lokalen betrieben. Vor 1880 entsteht der erste Turnverein, 1912 gilt als Beginn des Fußballspiels im Saarbachtal. 1929 wird der Sportplatz eingeweiht. Heute wird diese Tradition vom TSV Westvororte Gera hochgehalten. Von den Dorffesten hat sich vor allem das Frankenthaler Maibaumsetzen erhalten, hinzukamen aber das Sommerfest des TSV Westvororte, Kneippfest der Saarbach-talschule und der Pfarrhofadvent Frankenthal. Seit 1963 befindet sich die Schule für die Westvororte in Scheubengrobsdorf. Heute eine Grundschule, ist diese Einrichtung ein wichtiger Anlaufpunkt und Veranstaltungsort für den Ortsteil und zahlreiche Vereine und Initiativen. Mit dem naturnahen Kneippkonzept bietet die Schule ein einzigartiges Bildungskonzept inmitten von Wiesen und unweit der Wälder von Lerchenberg und Hardt. Das Jahr 1981 gilt in der jüngeren Geschichte als besonderer Einschnitt. Im August kam es zu einer Hochwasserkatastrophe mit großen Schäden an Häusern und Grundstücken. Ein junger Feuerwehrmann kam in den Fluten ums Leben. Viele Monate dauerten die Aufräumarbeiten, in deren Verlauf das Bachbett des Saarbachs teilweise neu angelegt wurde, Brücken neu entstanden und der Hochwasserschutz, unter Einbeziehung aktueller Erkenntnisse, neu angelegt.