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    Orangerieplatz 1
    07548 Gera
    Tel.: 0365 8384250
    Fax: 0365 8384255



    Öffnungszeiten
    Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr

Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut

Die Sonderausstellung zeigt vom 8. Februar bis 11. Mai in der Orangerie zirka 150 Werke aus dem Fundus der Wismut

Am 7. Februar eröffnete Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn die Ausstellung „Sonnensucher! – Die Kunstsammlung der Wismut – Eine Bestandsaufnahme“ in der Kunstsammlung Gera, Orangerie. Christoph Matschie, Thüringer Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur, Hardi Messing, Geschäftsführer der Wismut GmbH, Dr. Paul Kaiser vom Dresdner Institut für Kulturstudien e.V. (1. Reihe, vorn, sitzend, v.l.n.r.) und Dr. Viola Hahn (r.) betonten in ihren Reden, wie wichtig die Sammlung des ehemaligen Bergbauunternehmens ist. Alle sind sich einig, dass die Sammlung erhalten werden sollte. Mit 12.400 Euro wird die Ausstellung vom Thüringer Kulturministerium gefördert. Den Bescheid dazu übergab der Minister an diesem Abend an Ulrich Schütt, den Vorsitzenden des Fördervereins der Geraer Kunstsammlung. Das Haus war u.a. mit vielen ehemaligen Wismut Mitarbeitern bis auf den letzten Platz gefüllt.


(Lars Werner) Die Ausstellung „Sonnensucher! Die Kunstsammlung der Wismut – Eine Bestandsaufnahme“ mit Werken aus dem Fundus der Wismut präsentiert die Kunstsammlung Gera in der Orangerie vom 8. Februar bis zum 11. Mai. Die gemeinsam von der Kunstsammlung Gera und dem Dresdener Institut für Kulturstudien e.V. organisierte Schau stellt zirka 150 Arbeiten aus der Sammlung vor. Dazu gehören u.a. Werke von Carl Kuhn, Lutz R. Ketscher, Gottfried Bräunling, Elke Hopfe, Reinhard Minkewitz, Peter Kraft, Alexandra Müller-Jontschewa, Ernst Hecker, Carl-Heinz Westenburger, Hans Ticha, Bernhard Heisig, Hans Hattop, Werner Petzold, Fritz Eisel, Hans Wolfgang Siegenbruk, Werner Tübke und Volker Stelzmann. In dem Bestand überwiegen Arbeits- und Arbeitsweltdarstellungen sowie Landschaften und Porträts. Ziel ist neben der Präsentation bislang weitgehend unbekannter Werke auch die öffentliche Debatte um Geschichte, Stellenwert und Zukunft der Wismut-Kunstsammlung. Von entscheidender Bedeutung sind Fragen nach dem sozialdokumentarischen und künstlerischen Wert der in der Wismut-Sammlung vertretenen Werke. Zudem sollen die kulturpolitischen und unternehmensspezifischen Mechanismen bei der Anlage der Sammlung wie auch bei der konkreten Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern in den unterschiedlichen Phasen der DDR-Geschichte beleuchtet werden.


(Lars Werner) „Ich bin mir sicher, dass die Wismut-Kunstausstellung in unserer Orangerie lebhaftes Besucherinteresse finden wird. Die Wismut, das ist für Zehntausende Menschen ihr Leben. Sie begegnen in der Orangerie mit dem Abstand von rund einem Vierteljahrhundert ihrem Arbeitsalltag. Die Ausstellung lädt ein zur Auseinandersetzung – vielleicht sieht man mit der zeitlichen Distanz und eventueller Verklärung diese Kunstwerke heute mit anderen Augen. Das ist der besondere Reiz, den diese Ausstellung ausstrahlt“, so Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn. „Gera war und ist Heimatstadt für Tausende Wismut-Kumpel. Ich wünsche mir sehr, dass die Kunst, die sie über ihr Leben begleitete, in unserer Stadt eine Heimstatt bekommt.“


Hattop, Hans, Uran. (Werkreproduktion, Foto: Andreas Kämper, Berlin ) Die Stadt Gera hat eine besondere historische Beziehung zur Wismut. Seit der Nachkriegszeit und dem Aufbau der SDAG Wismut entwickelte sich Gera zum „Wohnort der Kumpel“ mit einem verzweigten System sozialer Einrichtungen und firmeneigenen Institutionen der SDAG Wismut, in denen über 20.000 Menschen beschäftigt waren. Weniger bekannt ist die Tatsache, dass die SDAG Wismut eine in der DDR einzigartige Kunstsammlung anlegte und die bildenden Künste einen herausragenden Stellenwert in der Kulturarbeit des Unternehmens einnahmen. Diese Kunstsammlung ist nun Gegenstand und Thema eines Ausstellungsprojektes, das den Kunstbestand der heutigen Wismut GmbH erstmals umfassend öffentlich präsentiert. Nach dem großen Erfolg der Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie in Chemnitz zeigt die Kunstsammlung Gera diese Sammlung nun mit einer veränderten Bildauswahl und neuen inhaltlichen Aspekten, die in direkter Weise auf die Geschichte der Wismut in Gera und die Lebenswirklichkeit in der Region Bezug nehmen.


Lutz R. Ketscher, Schichtbus Lutz R. Ketscher, Schichtbus (Werkreproduktion, Foto: Andreas Kämper, Berlin ) Die Kunstsammlung der Wismut GmbH (vormals SDAG) ist die umfangreichste Kunstsammlung eines DDR-Unternehmens. Mit 4.209 Werken von 450 Künstlern, darunter mehr als 280 Gemälden, kann der Fundus dieser Sammlung sinnvoll mit dem Umfang eines bezirklichen Kunstmuseums in der DDR verglichen werden. Die Künstlerliste setzt Schwerpunkte auf die sächsischen Malschulen (und Kunstakademien) in Leipzig und Dresden und bindet die großen Namen der DDR-Kunst ebenso wie die Akteure der Nachfolgegenerationen ein.

Die zwischen 1959 und 1989 in der SDAG Wismut angelegte Kunstsammlung korrespondierte anfangs mit der kulturpolitischen Kampagne des „Bitterfelder Weges“ (1958 - 1964). Später entstanden enge Kontakte zur Hochschule für Graphik und Buchkunst in Leipzig und der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Durch diese gelangten zahlreiche Werke in die Sammlung. Durch die ökonomischen Sonderbedingungen in der Wismut und die hier relational zu anderen „gesellschaftlichen Auftraggebern“ erweiterten Ankaufs- und Auftragsbudgets wurde die Wismut zu einem attraktiven Vertragspartner für viele der im Verband Bildender Künstler vertretenen Künstler. Dabei kam es in den 1950er und 1960er Jahren vielmals zu einer propagandistisch-emblematischen Auftragskunst. In den letzten zwei Dekaden der DDR entstand eine Ausdifferenzierung ästhetischer Handschriften und einer sukzessiven Zulassung auch kritischer Bildstrategien.


Werner Petzold, Kumpel aus Paitzdorf Werner Petzold, Kumpel aus Paitzdorf (Werkreproduktion, Foto: Andreas Kämper, Berlin ) Die Ausstellung folgt keiner strengen Chronologie, sondern strukturiert sich nach thematischen Feldern. Dabei wird auch die Kunstförderpraxis der Wismut im Zusammenhang kulturpolitischer Zielstellungen dokumentiert. Die Schau rekonstruiert exemplarische Kunstaufträge, die Ausrichtung von Kunstausstellungen und Pleinairs wie auch die Vergabe eines eigenen Kultur- und Kunstpreises. Das Begleitprogramm und der Katalog thematisieren ebenso die nach 1989 einsetzende (und 2011 eskalierende) Debatte um den künstlerischen Wert und die noch ungeklärte Zukunft der Wismut-Kunstsammlung. Hierbei spielt die Suche nach einem tragfähigen Modell für die spätere Anbindung der Sammlung nach dem „Ende“ der auf Altlastenabwicklung ausgerichteten Wismut GmbH eine wichtige Rolle. Sachdienliche Lösungswege zu erörtern und auszuhandeln kann nur vor dem Hintergrund einer breiteren Kenntnis dieser Sammlung und im Rahmen eines sachlichen Diskurses erfolgen. Dazu will die Ausstellung „Sonnensucher!“ beitragen.


Eröffnung (Reinhard Schulz) Kurator der Ausstellung ist Dr. Paul Kaiser, Dresdener Institut für Kulturstudien e.V.

Die Ausstellung ist vom 8. Februar bis zum 11. Mai, Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen, in der Zeit von 12 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Zur Ausstellung kann ein 224 Seiten umfassender Katalog mit 241 Abbildungen zum Sonderpreis von 19,90 Euro erworben werden.

Die Schau wird von einem umfangreichen vom Dresdner Institut für Kulturstudien e.V. organisierten Veranstaltungsprogramm begleitet. Hierüber informiert ein separater Flyer. Öffentliche Führungen finden jeden Sonntag, 14 Uhr, in der Orangerie statt.


Kontakt:
Kunstsammlung Gera – Orangerie
Orangerieplatz 1, 07548 Gera
Telefon: 03 65 / 838 42 50, Fax: 03 65 / 838 42 55
Email: kunstsammlung@gera.de






Veröffentlichung: 20.02.2014