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Notfall-Antibiotikum gegen tückische Sepsis

Präsentieren die neuen Sepsis-Kits während einer Informationsveranstaltung für den Rettungsdienst: Oberarzt Ronald Kämpf vom SRH Wald-Klinikum Gera, Katja Schneider von der Uni-Klinik Jena und Dr. Ron Sturm, Leiter des Ostthüringer Rettungsdienstzweckverbandes (v.l.n.r.). (SRH Wald-Klinikum) Gesundheitsserie Teil 3: SRH Wald-Klinikum Gera stattet Notärzte mit Sepsis-Kits aus

Hohes Fieber oder Schüttelfrost, Atemnot, Blutdruckabfall und Verwirrtheit - nicht selten treffen Notärzte auf Patienten mit solchen Symptomen. Sie können ein Anzeichen für ein oft unterschätztes Krankheitsbild sein: die Sepsis. Bei einer schweren Blutvergiftung kämpfen die Ärzte gegen die Uhr. Die Überlebens-Chance sinkt mit jeder Stunde ohne Behandlung um acht Prozent. „Das ist ein wichtiges Thema im Rettungsdienst, auf das wir jetzt gezielt aufmerksam machen“, sagt der Leiter der Notaufnahme am SRH Wald-Klinikum Gera, Oberarzt Ronald Kämpf, und hat gemeinsam mit dem Rettungsdienstzweckverband Ostthüringen eine Initiative zur frühestmöglichen Behandlung von Sepsis-Patienten angestoßen: Es geht darum, die Blutvergiftung zu erkennen und schnell zu behandeln. Die Rettungsdienstler wurden geschult, jetzt hat das Klinikum die Notarzt-Einsatzfahrzeuge der Stadt Gera mit so genannten Sepsis-Kits ausgestattet. Wichtigster Inhalt: ein Notfall-Antibiotikum. Noch in der Wohnung des Patienten kann so der Arzt bei Verdacht auf Sepsis ein breit wirksames Antibiotikum verabreichen. Zudem wird eine Blutkultur abgenommen, die beim Eintreffen in der Rettungsstelle umgehend zur mikrobiologischen Untersuchung übergeben wird.
„Sepsis ist das häufigste Krankheitsbild, das in Krankenhäusern zu spät erkannt wird“, erklärt Katja Schneider, Doktorandin am Uni-Klinikum Jena, das über ein eigenes Sepsis-Zentrum verfügt. Erfahrungen mit den Sepsis-Kits hat man dort seit März 2012 gesammelt. 100 Patienten haben seither das Antibiotikum von den Notärzten bekommen. Deren Verdacht bestätigte sich zumeist: „88 Prozent der Patienten hatten tatsächlich eine Blutvergiftung“, berichtet Katja Schneider bei einer Informationsveranstaltung vor Geraer Rettungsteams. Infektionen der Atemwege, der Harnwege sowie Hirnhautentzündungen waren die häufigsten Auslöser.

Was passiert bei einer Erkrankung, die das Bundesforschungsministerium als „weitgehend unbekannten Killer“ bezeichnet? Normalerweise bekämpft das körpereigene Abwehrsystem eine Infektion. Doch bei einer Sepsis verlassen die Bakterien den Entzündungsherd und gelangen über die Blutbahn in den gesamten Organismus. „Das löst eine heftige Gegenreaktion des Immunsystems aus, es gerät außer Kontrolle. Die Sepsis kann zu Organversagen und damit zum Tod führen“, erklärt Dr. Ron Sturm, Leiter des Ostthüringer Rettungsdienstzweckverbandes. Das Notfall-Antibiotikum in den Notarztwagen der Stadt Gera soll laut Dr. Sturm erst der Anfang sein. Ziel sei, so breit wie möglich gegen Sepsis vorzugehen. Weitere Kliniken könnten in das Projekt einsteigen.

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