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Eine der häufigsten Infektionen

Besonders Kleinkinder und ältere Menschen sind anfällig für Harnwegsinfektionen

Unter einer Harnwegsinfektion versteht man im Wesentlichen die Entzündungen der Harnblase und der Nieren, aber auch die seltener vorkommenden Entzündungen von Harnleiter und Harnröhre.

Die unkomplizierten Harnwegsinfektionen sind eine der häufigsten Infektionen im ambulanten Bereich. Sie machen circa ein bis drei Prozent aller ambulanten Konsultationen aus und sind neben den Atemwegsinfektionen die häufigste Ursache für eine Antibiotikatherapie. Auch im stationären Bereich haben die Harnwegsinfektionen eine große Bedeutung. Etwa 30 bis 40 Prozent der im Krankenhaus erworbenen Infektionen (sog. nosokomniale Infektionen) sind Harnwegsentzündungen und sie machen circa 18 Prozent der Infektionen auf Intensivstationen aus.

Das Auftreten von Harnwegsinfekten ist unter anderem abhängig vom Alter. Hier liegen die Häufigkeitsgipfel im Säuglings- und Kleinkindalter sowie im höheren Lebensalter. Weiterhin besteht eine Abhängigkeit vom Geschlecht: Frauen sind mehr als doppelt so häufig betroffen wie Männer. Weitere begünstigende Faktoren sind Anomalien (Fehlbildungen) des Harntraktes, neurologische Erkrankungen, die mit Blasenentleerungsstörungen einhergehen können (z.B. Querschnittslähmung, Multiple Sklerose), Störungen der Immunabwehr, Harnsteine, Schwangerschaft aber auch bösartige Tumore in der Harnblase. Patienten mit einem Harnröhrenkatheter, einem Diabetes mellitus oder nach einer Organtransplantation sind ebenso einer erhöhten Gefährdung ausgesetzt wie Frauen in den Wechseljahren, wo es zu einem Mangel an weiblichen Sexualhormonen (Östrogenen) kommt.

Die Symptome einer Blasenentzündung sind ein sehr häufiger Harndrang mit Entleerung oft nur kleiner Urinmengen, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie Schmerzen im Unterbauch. Manchmal kann sich der Urin durch Blutbeimengungen rötlich verfärben oder trüb sein. Treten zusätzlich Schmerzen in der Flankenregion, Übelkeit und Erbrechen sowie Fieber über 38°C auf, handelt es sich um eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis).

Neben der klinischen Untersuchung des Patienten, der Temperaturmessung und einer Ultraschalluntersuchung hat der Urinstreifentest in der Diagnostik der Harnwegsinfektionen eine zentrale Stellung. Hier findet man in der Regel weiße und rote Blutkörperchen sowie Bakterien, die in einem Speziallabor angezüchtet und auf ihr Ansprechen auf verschiedene Antibiotika getestet werden können. Ergänzend kann die Bestimmung von Entzündungsparametern im Blut durchgeführt werden.

Die Behandlung stützt sich neben den alten Hausmitteln, wie Erhöhung der Trinkmenge (z.B. Blasen- und Nierentee) und lokaler Wärmeanwendung auf die Gabe von krampflösenden und schmerzstillenden Medikamenten und die Anwendung von Antibiotika als Einmal- oder Kurzzeitgabe bei der Blasenentzündung. Bei der Nierenbeckenentzündung ist die Antibiotikagabe zu Beginn meistens über eine Kurzinfusion über eine Armvene notwendig und wird über mehrere Tage fortgesetzt.
Allgemeine prophylaktische Maßnahmen sind eine dauerhafte Erhöhung der täglichen Trinkmenge auf 2 bis 2,5 Liter, die regelmäßige Blasenentleerung, Vermeidung der sogenannten Bauchpresse zur Blasenentleerung, eine normale Intimhygiene und die Vermeidung von Unterkühlungen.

Bei häufig auftretenden Entzündungen muss durch einen Urologen eine erweiterte Diagnostik erfolgen, um begünstigende Faktoren, wie z.B. Anomalien oder Tumore auszuschließen. Text: PD DR. Andreas Schlichter


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