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Gera kämpft um Kreisfreiheit

OB Dr. Hahn verweist auf positive Entwicklung in Wirtschaft und Bildung sowie Einwohnerzuwachs – Beschlussvorlage für den Stadtrat

Die Stadt Gera kämpft um die Kreisfreiheit. Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn bringt für die Sitzung des Hauptausschusses am Montag, 25. Januar, eine entsprechende Beschlussvorlage ein, die der Stadtrat in seiner Februar-Sitzung behandeln soll. Die Oberbürgermeisterin verweist in der Vorlage auf die positive Entwicklung in Wirtschaft und Bildung sowie auf die erfreuliche Bevölkerungsentwicklung. Für den Fall, dass Gera die Kreisfreiheit verliert, könnten viele Entscheidungen nicht mehr vom Stadtrat getroffen werden. Außerdem müsste die Stadt rund die Hälfte ihrer Einnahmen als Kreis- und Schulumlage an einen künftigen Großkreis abgeben.

Hintergrund des Vorstoßes ist, dass die Landesregierung in der aktuellen Wahlperiode die Veränderung der Gebietsstrukturen in den Thüringer Kommunen und Landkreisen plant. Der aktuelle Entwurf des Leitbildes sieht lediglich für die Städte Erfurt und Jena die Kreisfreiheit vor.

„Gera ist Oberzentrum in Ostthüringen. Gerade in den zurückliegenden Jahren sind gemeinsam mit dem Freistaat Thüringen erfolgreich große Anstrengungen unternommen worden, um die strukturellen Nachteile der Stadt, die nach der Wende zu einem Verlust an Arbeitsplätzen und Einwohnern führten, zu überwinden“, betont OB Dr. Hahn. So seien neue Arbeitsplätze auch im verarbeitenden Gewerbe geschaffen worden, investierte die Wirtschaft in Forschung und Entwicklung. In der jüngsten IHK-Standortanalyse verbesserte sich die Stadt Gera in 18 kommunal beeinflussbaren Positionen gegenüber der vorhergehenden Erhebung aus dem Jahre 2009. Die Kaufkraft pro Einwohner ist in Gera höher als in Jena und auch im Vergleich beider Städte, wer mehr Kaufkraft aus dem Umland abschöpft, liegt die Stadt Gera vorn.

Ein historisches Strukturdefizit hatte die Stadt Gera auch im Bereich der höheren Bildung. Mit der Berufsakademie Gera, die in diesem Jahr zur Dualen Hochschule aufgewertet wird, und der Fachhochschule für Gesundheit im neuen Campus in der ehemaligen Bundesbankfiliale am Hofwiesenpark haben sich mittlerweile zwei Einrichtungen in der Thüringer Hochschullandschaft etabliert. Es gibt berechtigte Gründe, die für eine Verfestigung des positiven Trends der Stadtentwicklung sprechen: Dazu gehören die Entwicklung des Industriegebietes Cretzschwitz gemeinsam mit der LEG Thüringen und dass die Stadt durch die Wirtschaft zunehmend als investorenfreundlich wahrgenommen wird, wie aktuelle Pressemeldungen belegen.

Der Leitbildentwurf der Landesregierung zur Verwaltungs-, Funktional- und Gebietsreform des Freistaates Thüringen sieht als wesentlichen Aspekt für die Kreisfreiheit eine Einwohnerzahl in Höhe von 100.000 vor. Die Stadt Gera verzeichnete 2015 erstmals seit 1988 wieder einen Einwohnerzuwachs. Zum 31. Dezember 2015 hatten lt. Einwohnermelderegister der Stadt Gera 96.954 Menschen ihren Hauptwohnsitz in der Stadt Gera, das sind 1838 mehr als im Vorjahr, wobei das Durchschnittsalter von 48,29 auf 47,79 Jahre sank. Die Zahl der Wohnberechtigten (Haupt- und Nebenwohnung) stieg um 1694 auf 101.908. Das dritte Jahr in Folge verzeichnete Gera mehr als 700 Geburten. Hinzu kommen Zuzüge von jungen Familien; so waren im vorigen Jahr 754 Einwohner im Alter bis zu einem Jahr gemeldet – bei 706 Geburten. Darüber hinaus kehren Menschen nach Gera zurück, die in den 1990-er Jahren arbeitsplatzbedingt die Stadt verlassen haben. Der Bevölkerungszuwachs basiert also nicht allein auf gestiegenen Flüchtlingszahlen.

Bereits jetzt arbeitet Gera partnerschaftlich mit benachbarten Städten, Gemeinden und Landkreisen und Kommunen zusammen, wie sich das u.a. in der Sparkasse Gera-Greiz, bei Theater & Philharmonie Thüringen, im Rettungsdienstzweckverband Ostthüringen, im Abfallwirtschaftszweckverband Ostthüringen und im Zweckverband Wasser/Abwasser „Mittleres Elstertal“ manifestiert.


Veröffentlichung: 19.01.2016