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    Stadtmuseum Gera

    Museumsplatz 1
    07545 Gera
    Tel.: 0365 8381470
    Fax: 0365 8381473


    Öffnungszeiten
    Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr

Ausstellung im Stadtmuseum Gera: Comic in der DDR

Schau zeigt vom 6. August 2016 bis 19. März 2017 beeindruckende Vielfalt von rund 90 Comic-Serien mit 300 Objekten - Mosaikheft Nr. 1 von Hannes Hegen sowie seine großformatigen Originalzeichnungen vom Anfang der 1950er Jahre dabei


In einer neuen Sonderausstellung präsentiert das Stadtmuseum Gera vom 6. August 2016 bis zum 19. März 2017 unter dem Titel „Comic in der DDR“ rund 90 Comic-Serien mit 300 Objekten. Comic in der Deutschen Demokratischen Republik? Spontan fällt dazu sicher jedem Ostdeutschen die Zeitschrift „Mosaik“ ein. Und dann gab es doch noch dieses „Atze“. Aber sonst? Schon das englische Wort „Comic“ sorgte in den 1950er Jahren unter SED-Funktionären für enormes Unbehagen. Von offizieller Seite als „oberflächlich“, „Schmöker“ und „westdeutsche Schund- und Schmutzliteratur“ verurteilt, blieben Superman, Micky Maus und Asterix für die Jugendlichen in der DDR unerreichbar oder wurden bestenfalls im Verborgenen gelesen. Um dem Verlangen nach den bunten Bildergeschichten zu entsprechen und zugleich ein Gegenstück zu den verpönten westlichen Superhelden zu schaffen, entstand in Ostdeutschland eine ganz eigene, staatlich gelenkte Comic-Kultur.
Die seit 1955 erscheinende Zeitschrift „Mosaik“ mit den Abenteuern ihrer Helden – den Digedags und ab 1976 den Abrafaxe – wurde tatsächlich zu einer Legende, nicht zuletzt weil, trotz aller versuchten politischen Einflussnahme in den ersten Jahren, die Inhalte des „Mosaik“ weitgehend unpolitisch blieben.


Viele interessierte Besucher verspricht sich Matthias Wagner vom Stadtmuseum Gera von der neuen Sonderausstellung „Comic in der DDR“. Unter den etwa 70 Mosaikheften ist natürlich die Nr. 1 von Hannes Hegen dabei. Als Leihgaben der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz sind mehrere großformatige Originalzeichnungen Hannes Hegens vom Anfang der 1950er Jahre ausgestellt. Foto: Stadtverwaltung/Helga Walther Das Zugpferd der Kinderzeitschrift „Atze“ war mehr als 30 Jahre das Mäusepaar Fix und Fax. Die ungezählten und vordergründigen Propaganda-Geschichten in der „Atze“ wirken dagegen aus heutiger Sicht eher befremdlich. Seit Mitte der 1960er Jahre finden sich Comic-Serien auch in den Zeitschriften „Frösi“ und „Trommel“. Zu Klassikern in der „Frösi“ entwickelten sich die Kurzgeschichten der ungleichen tierischen Freunde Otto und Alwin und die italienische Serie „Atomino“ über einen kleinen, atombetriebenen Roboter. Ausgerechnet in der Pionierzeitung „Trommel“ erschien eine große Anzahl Comics ungarischer Herkunft, die sich deutlich an westeuropäischen und amerikanischen Zeichenstilen orientiert. Auch Wochenzeitschriften wie die „Neue Berliner Illustrierte“ (NBI), die „Für Dich“ oder die „Freie Welt“ boten schließlich ab den 1970er Jahren regelmäßig auf ihren Kinderseiten Comic-Serien an.

In der Ausstellung ragen aus der beeindruckenden Vielfalt von rund 90 Comic-Serien mit 300 Objekten immer wieder Highlights der DDR-Comic-Literatur heraus. Unter den etwa 70 Mosaikheften ist natürlich die Nr. 1 von Hannes Hegen dabei. Als Leihgaben der Staatlichen Bücher- und Kupferstichsammlung Greiz sind mehrere großformatige Originalzeichnungen Hannes Hegens vom Anfang der 1950er Jahre ausgestellt, als er u.a. als Karikaturist für die Satirezeitung „Frischer Wind“ arbeitete.








Foto: Stadtverwaltung/Bastian Müller Zu sehen sind aber auch weitere seltene Comic-Ausgaben, wie die erste Folge von „Fix und Fax“ im „Atze“ von 1958, die erste Ausgabe (gleich mit einem Comic) des begehrten Unterhaltungsblattes „Das Magazin“ von 1954, die Erstveröffentlichung von Erich Schmitts „Reise zu den Proximanen“ in der „Wochenpost“ 1956 oder die erste Folge von „Atomino“ aus der „Frösi“ von 1964. Und natürlich wird auch die Frage beantwortet, warum Otto, der Orang-Utan aus der „Frösi“, eigentlich grün ist. Die Ausstellung im Stadtmuseum bietet eine kurzweilige Reise durch die erstaunlich vielfältige und bunte Comic-Geschichte der DDR und nicht zuletzt – für die nicht mehr ganz so jungen Besucher – einen vergnüglichen Rückblick in die eigene Kindheit.

Das Stadtmuseum am Museumsplatz 1 ist Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr geöffnet.

Veröffentlichung: 08.08.2016