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Abschluss der Übernahme des Nachlasses „Heinz Gerisch“ in das Stadtarchiv Gera

Leicht ist es Gerald Gerisch nicht gefallen, den gesamten Nachlass seines Vaters Heinz Gerisch


Der Nachlass Heinz Gerisch wurde in vier Etappen komplett dem Stadtarchiv übergeben. Nur diese beiden Porträts seiner Mutter und seines Vaters – gemalt von Paul Neidhardt beziehungsweise Alfred Uebel - möchte Gerald Gerisch noch bis nächstes Jahr in seinem Wohnzimmer hängenlassen. Die Gemälde wird dann Christel Gäbler als künftige Leiterin des Stadtarchivs entgegennehmen. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) dem Stadtarchiv zu überlassen: „Es hängen so viele Erinnerungen daran. Oftmals war ich auch zusammen mit meinem Vater unterwegs, er hat geschrieben und ich fotografiert. Wegen dem Dix-Bild bin ich sogar beschimpft worden. Schließlich hätte ich es auch verkaufen können. Aber mit der Übergabe an das Stadtarchiv bleibt der Nachlass zusammen“, freut er sich dennoch. Und Klaus Brodale, Leiter des Stadtarchivs, ergänzt: „So kann die Öffentlichkeit den Nachlass für die Forschung nutzen und der Name Heinz Gersch wird geehrt“. Er spricht bezüglich des Nachlasses von einer noblen Geste, die hoch zu würdigen sei.

Der Schriftsteller und Journalist Heinz Gerisch (geb. 13.06.1913 in Gera; gest. 03.04.1981 in Gera) wirkte neben seiner Tätigkeit als Mitarbeiter der "Thüringer Neuesten Nachrichten" auch als Verfasser von Beiträgen in der "Wochenpost", der "National - Zeitung", der "BZ am Abend" und vielen anderen Zeitungen. Daneben war er ein ausgesprochener Kenner der Geschichte, der Volkskunde, der Geologie und der Natur Ostthüringens beziehungsweise des Thüringer Waldes und verfasste zahlreiche Bücher und Broschüren zu diesen Themen.

Insgesamt übergab Gerald Gerisch, der Sohn des Schriftstellers und Journalisten Heinz Gerisch, dem Stadtarchiv im Zuge von vier Übergaben 205 Ordner, Mappen und Einzelstücke mit Manuskripten, Belegen, Korrespondenz beziehungsweise gesammelten Originaldokumenten und Abbildungen zum umfangreichen Schaffen seines Vaters. Insgesamt umfasst der eigenständige Bestand einen Umfang von vier laufenden Metern.

Die 1667 in Gera gedruckte und von Magister Johann Sebastian Mitternacht bei seinem Wechsel nach Neustadt an der Orla verfasste „Valet-Predigt oder Abschieds-Rede“. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Bereits in der Vergangenheit wurde über einzelne, für die Öffentlichkeit bisher kaum bekannte, aber besonders interessante, wichtige und wertvolle Bestandteile berichtet. Zuletzt war dies im Zusammenhang mit dem bisher selbst für das Archiv unbekannten Schriftwechsel Heinz Gerischs mit dem Maler Otto Dix und der von Dix gefertigten Bleistiftzeichnung des Geologen Rudolf Hundt der Fall.

Auch bei der abschließenden und mit 60 Einzelpositionen bisher umfangreichsten Übernahme konnten wiederum einige zum Teil einmalige beziehungsweise besonders wertvolle Unterlagen in das Archiv übernommen werden.

Obwohl hier eine Wertung nicht leicht fällt, dürfte doch die Überlieferung zum Rittergut Löbichau eine herausragende Bedeutung besitzen. Die Originalunterlagen aus dem 16. bis zum 19. Jahrhundert beinhalten zum Beispiel auch drei Lehnbriefe aus den Jahren 1661, 1714 und 1730. Aber auch Einzelstücke, wie die 1667 in Gera gedruckte und von Magister Johann Sebastian Mitternacht bei seinem Wechsel nach Neustadt an der Orla verfasste „Valet-Predigt oder Abschieds-Rede“, waren bisher in den Beständen des Stadtarchivs nicht überliefert.


Stadtarchiv Nachlass Gerisch 001: Klaus Brodale (links) und Gerald Gerisch präsentieren einen sehr gut erhaltenen auf Pergament geschriebenen Lehnbrief aus dem 16. Jahrhundert – dabei geht es um das Rittergut Löbichau. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Nach der der sicheren Lagerung des Nachlasses, der Verzeichnung mit dem Programm Augias-Archiv, und einer abschließenden redaktionellen Überarbeitung wird der Bestand „Nachlass Heinz Gerisch“ über die Internetpräsentation des Stadtarchivs Gera ab sofort für die Forschung allgemein zugänglich sein.

Mit der Übernahme des Nachlasses wird dem Willen von Heinz Gerisch nach einer dauerhaften Sicherung seines Lebenswerkes entsprochen. Auf Grund seines Inhaltes zählt er mit zu den wichtigsten Nachlässen im Geraer Stadtarchiv.

Veröffentlichung: 02.12.2016