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Sonderausstellung zeigt Silberstiftzeichnungen des Künstlers Otto Dix

Nach Beendigung der Arbeiten zur Beseitigung der Hochwasserschäden steht das Museumsgebäude nun wieder der Öffentlichkeit zur Verfügung.


Otto Dix, der zu den bedeutendsten Künstlerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehört, wurde 1891 in Untermhaus, einem heutigen Stadtteil von Gera, geboren. Im Bemühen um sein künstlerisches Erbe unterhält die Stadt Gera seit 1991 das historische Geburtshaus des Malers als monografisches Museum, in dem die Geraer Otto-Dix-Sammlung bewahrt und in einer ständigen Ausstellung präsentiert wird.

Bewahrung und Pflege des künstlerischen Erbes von Otto Dix, dem 1966 die Ehrenbürgerwürde der Stadt Gera verliehen wurde, bedeutet vor allem auch, sich immer wieder der Vielfalt und Komplexität seines Werkes zu widmen und dabei verschiedene Facetten zu beleuchten. In der Jubiläumsausstellung zu seinem 125. Geburtstag steht ein Werkkapitel des Künstlers im Mittelpunkt, das bislang kaum in einer Einzelausstellung dargestellt wurde - die altmeisterliche Zeichenkunst der Silberstiftzeichnungen von Otto Dix in einer Auswahl an Porträt-, Akt- und Landschaftsdarstellungen, die zwischen 1932 und 1943 entstanden sind.
Im Jahre 1927 erhielt Dix eine Professur für Malerei an der Dresdner Kunstakademie und tauschte das Leben der freien Künstlerexistenz mit dem akademischen Lehrbetrieb. Bereits vor Mitte der 1920er-Jahre hatte sich Dix in seiner Kunst von der expressiven Malerei mit pastosen Farbauftrag gelöst und der Technik der Lasurmalerei zugewendet, die er an altmeisterlichen Gemälden studierte. Die Bildentstehung erfolgt durch einen langwierigen Prozess des schrittweise Übereinandermalens dünner und tranparenter Farbschichten. Diese Technik hat Dix bereits für seine bedeutendsten Gemälde (Porträt-, Akt- und Gesellschaftsdarstellungen) des kritischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit genutzt.
Die formale Hinwendung zur Altmeisterlichkeit lässt sich im künstlerischen Schaffen von Dix aber nicht nur in seinen malerischen Werken bemerken, sondern sie wird ebenso im zeichnerischen Oeuvre deutlich. Zu Beginn der 1930er Jahre erfährt sie eine besondere Steigerung durch die intensive Beschäftigung von Dix mit der seltenen und anspruchsvollen Technik der Silberstiftzeichnung, die in kunstgeschichtlicher Betrachtung als Rückgriff auf die Zeichentechnik der altdeutschen Meister der Renaissance (Dürer, Cranach d. Ä., Altdorfer) angesehen und Perfektionierung werden kann.

Der Silberstift gehört nach Auffassung von Otto Dix zum „schönsten graphischen Material“ und der Künstler legte besonderen Wert darauf, dass seine Silberstiftzeichnungen in Ausstellungen angemessen präsentiert werden.

Bei Silberstiftzeichnungen muss der Bildträger wie Pergament, Papier, Karton oder Holz vorher sorgsam mit einer Grundierung aus Knochenmehl und Leimwasser versehen werden, ein Vorgang, der der Vorbehandlung eines Gemäldes ähnlich ist. Danach kann mit einem Silberstift, der eine spezielle Feinsilberlegierung aufweist, gezeichnet werden. Ohne Grundierung hinterlässt der Silberstift kaum sichtbare Linien auf dem Blatt, die durch Oxidation mit dem Zeichengrund allmählich nachdunkeln und ihren unverwechselbaren Farbton erhalten. Diese Zeichentechnik erfordert eine klare Vorstellung der Bildidee, eine sichere Hand und eine hohe Konzentration im Schaffensakt, da es keine Möglichkeit gibt Fehlstriche zu entfernen. Die Spitze des Silberstiftes erzeugt eine gleichmäßig starke Lineatur, die nur mit wenig Druck aufgetragen werden darf, damit die Grundierung nicht beschädigt wird. Eine Verstärkung des Striches kann nur durch Verdoppelung erfolgen und Plastizität wird in der Zeichnung durch Schraffuren und Kreuzlagen erreicht. Schon im 15. Jahrhundert waren Blätter in dieser virtuosen Zeichentechnik für Kenner begehrte Sammlungsobjekte.


Die ersten Silberstiftzeichnungen von Dix datieren in die Jahre 1931/32 und seine Sujets waren Porträt- und Aktdarstellungen.

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten veränderte sich die Lebenssituation für Dix grundlegend. Anfang April 1933 wurde er seiner Professur an der Dresdner Kunstakademie enthoben. Nur wenige Monate später erfolgte auch die erste öffentliche Diffamierung von Dix als „entarteter“ Künstler durch die Ausstellung „Spiegelbilder des Verfalls“, die im Herbst 1933 im Lichthof des Dresdner Rathauses veranstaltet wurde. Ab 1934 erhielt er Ausstellungsverbot in öffentlichen Einrichtungen. Im Zuge der nationalsozialistischen Säuberungsaktionen wurden rund 260 Werke von Dix aus deutschen Museen entfernt und beschlagnahmt. Acht seiner Hauptwerke wurden neben zahlreichen Werken der Expressionisten in der diffamierenden Wanderausstellung „Entartete Kunst“ 1937/38 gezeigt.

Otto Dix zog sich nach den Anfeindungen der nationalsozialistischen Kulturpolitik aus Dresden in die „Innere Emigration“ an den Bodensee zurück. Lebte 1933 zunächst auf Schloss Randegg bei Singen und ab 1936 in Hemmenhofen. In der neuen ländlichen Umgebung fand er auch wieder zur Landschaftsdarstellung, die seit den 1920er-Jahren zugunsten des Porträt- und Menschenbildes weitestgehend zurückgetreten war. Die Landschaft, so äußerte sich Dix 1957, war „…damals eine Art Emigration. Ich hatte keine Gelegenheit zu Deutungen von Menschen. Man kann aber aus jedem Gegenstand etwas machen, außerdem war es etwas ganz Neues."

Dix nahm die zeichnerische Herausforderung auch in der Technik des Silberstiftes an und viele Blätter lassen sich als Vergewisserung seines handwerklichen Könnens und altmeisterlichen Perfektionierungsdranges verstehen. Unverkennbar in seinen Zeichnungen ist aber auch, dass der Künstler über die rein stilistische Adaption der altmeisterlichen Zeichentechnik hinausgeht und die Silberstiftzeichnung teils durch Kombination verschiedener grafischer Mittel wie Bleistift und Rötel sowie durch die Verwendung abstrahierter Bildchiffren weiterentwickelt.

Die Ausstellung vereint 50 hochkarätige Silberstiftzeichnungen des Künstlers, die vorwiegend aus privaten Sammlungen, der Otto-Dix-Stiftung Vaduz und dem Kunstmuseum der Stadt Albstadt stammen. Für die Öffentlichkeit und Dix-Forschung ist das besondere Interesse der Ausstellung in dem Umstand zu sehen, dass ein Großteil dieser meist in Privatbesitz befindlichen Zeichnungen über vier Jahrzehnte nicht mehr öffentlich zu sehen waren und den Besuchern in der Geraer Jubiläumsschau zum 125. Geburtstag des Künstlers den Besuchern erstmals wieder präsentiert werden können.

Silberstiftzeichnungen erlebten im 15. Jahrhundert eine Blütezeit und gerieten später weitestgehend außer Gebrauch. Mit der Sonderausstellung im Otto-Dix-Haus, am Ort der biografischen Wurzeln des Künstlers, können wir Otto Dix als herausragenden Meister des 20. Jahrhunderts in dieser erlesenen Zeichentechnik vorstellen.

Ausstellung: Otto Dix: Zeichenkunst mit Silberstift.
Zum 125. Geburtstag des Künstlers
Porträt-, Akt- und Landschaftszeichnungen
Ort: Otto-Dix-Haus Gera, Morenplatz4, 07548 Gera
Dauer: 3. Dezember 2016 bis 19. März 2017
Eröffnung: 2. Dezember 2016, 18 Uhr, Theater Gera - Bühne am Park
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und Feiertag 12-17 Uhr
Kontakt: Kunstsammlung Gera
Telefon: 0365/ 8324927 oder 03 65/838 42 50, Fax: 03 65/838 4255
kunstsammlung@gera.de
www.gera.de

Veröffentlichung: 02.12.2016