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Über 5.000 Anliegen wurden im Stadtarchiv Gera 2017 zur Bearbeitung eingereicht

3.000 Meter Archivgut werden insgesamt aufbewahrt - 6.233 Archivalien zur Beantwortung der Anfragen herangezogen - 47.758 Archivalieneinheiten konnten 2017 durch die fünf Mitarbeiterinnen des Stadt- und Verwaltungsarchivs erschlossen werden - Aufarbeitung der rund 9.000 Bilddokumente des Fotobestandes von Bernhard Mann (1912-2001) 2017 abgeschlossen


Exakt 5.331 Anliegen zu genealogischen, rechtlichen, verwaltungstechnischen und heimatgeschichtlichen Fragestellungen wurden im Jahr 2017 an das Stadtarchiv Gera adressiert und beantwortet. Davon wurden 3.722 Anfragen auf telefonischem Weg und 1.609 per Post oder per E-Mail an die städtische Einrichtung gerichtet. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Anzahl der an das Stadtarchiv gestellten Gesuche demnach um 147. Die Gesamtzahl der zur Benutzung im Lesesaal bereitgestellten sowie im Zuge der Beantwortung der Anfragen herangezogenen Archivalien belief sich 2017 auf 6.233 Stück. Zur Direktbenutzung suchten im vergangenen Jahr 687 Bürgerinnen und Bürger das Stadtarchiv Gera auf.

Stadtarchivleiterin Christel Gäbler mit dem Gesellenwanderbuch des Fleischergesellen Ernst Wilhelm Harnisch von 1842, der aus Gera stammt. Dieses Büchlein plus fünf Fotos schenkte Detlev Günther aus Eschborn erst vor wenigen Tagen dem Stadtarchiv. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Wie aus den allein aus der Stadtverwaltung an das Archiv herangetragenen 1.882 Anfragen deutlich wird, ist das Aufgabenspektrum des Stadtarchivs zweigeteilt. Einerseits nimmt es verwaltungsinterne Aufgaben wahr, indem die Unterlagen der Stadtverwaltung vom Archiv auf ihre Archivwürdigkeit hin bewertet, die aufbewahrungswürdigen Unterlagen erschlossen sowie sicher für die dauerhafte Benutzung durch die potenzielle Interessentengruppen verwahrt und erhalten werden. Andererseits bildet die Bearbeitung von Fragestellungen der Bürgerinnen und Bürger, die Unterstützung von Ausstellungs- und Publikationsvorhaben städtischer und nichtstädtischer Einrichtungen ebenso wie die Zusammenarbeit mit Ortschronisten und Heimatforschern die Schnittstelle des Stadtarchivs Gera zur Öffentlichkeit. Um Unterlagen, die besonders langen gesetzlichen Aufbewahrungsfristen unterliegen, ökonomisch aufbewahren zu können und so die räumlichen Kapazitäten der Stadtverwaltung zu entlasten, unterhält die Stadt Gera ein zum Komplex Stadtarchiv gehörendes Verwaltungsarchiv. Dort werden sämtliche Dokumente konzentriert, die nicht mehr permanent für die Bearbeitung aktueller Verwaltungsvorgänge benötigt werden, aber durchaus noch Rechtsrelevanz besitzen. Von den im Verwaltungsarchiv befindlichen Unterlagen konnten 2017 insgesamt 90 Archivmeter Schriftgut nach Ablauf der geltenden Aufbewahrungsfristen zur Vernichtung freigegeben werden. Im Gegenzug wurde Verwaltungsschriftgut verschiedenster städtischer Ämter in einem Umfang von 51,3 laufenden Metern an das Zwischenarchiv abgegeben. Vom Verwaltungsarchiv ins Stadtarchiv konnten im vergangenen Jahr insgesamt 254 archivwürdige und damit für die Ewigkeit aufzubewahrende Akten übergeben werden.
Das Team des Stadtarchivs Gera: Maik Puhl (von links), Ingrid Faber, Heidrun Friedemann, Carla Römer und Christel Gäbler. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Insgesamt wird im Stadtarchiv Gera Archivgut in einem Umfang von rund 3.000 Archivmetern verwahrt. Um selbiges sicher für die Nachwelt archivieren zu können, erweist sich neben der Gebäudesicherheit auch eine archivgerechte, säurefreie Verpackung des Schriftgutes sowie die tägliche Klimakontrolle in den Magazinräumen des Stadtarchivs als wichtig. Eine weitere Maßnahme zur Erhaltung des Bestandes stellt auch die Verfilmung bedeutender und häufig benutzter Archivalien dar, um zum einen die teilweise in einem schlechten Erhaltungszustand befindlichen Originale zu schonen und um zum anderen den Benutzern dennoch den Zugang zu den Quellen zu ermöglichen. In diesem Kontext konnten 2017 weitere Jahrgänge (1966-1986) der Sterberegister der Stadt Gera mikroverfilmt werden. Insgesamt verwahrt das Stadtarchiv die Personenstandsbücher der Stadt Gera sowie der eingemeindeten Orte ab dem Jahr 1876. Diese Archivgutgattung bietet Informationen über Geburten, Heirats- und Todesfälle im Stadtgebiet und könnte für vitalstatistische Untersuchungen zur Stadtgeschichte von Interesse sein. Derzeit werden Personenstandsdaten in erster Linie zur Klärung von Nachlassangelegenheiten oder zur Familienforschung herangezogen. Auf Mikrofilm verfügbar sind bisher die Geraer Geburtsregister der Jahre 1876 bis 1903, die Heiratsregister von 1876 bis 1931 sowie die Sterberegister von 1876 bis 1986. Für die im Vergleich zur Digitalisierung eventuell etwas konservativ erscheinende Variante der Schutzverfilmung als einer Maßnahme der Bestandserhaltung spricht die nach bisherigen Erkenntnissen veranschlagte lange Haltbarkeit der Filme. Bei konstanten Lagerungsbedingungen von 21°C und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50 Prozent wird von einer beständigen Nutzbarkeit der Mikrofilme für 400 bis 500 Jahre ausgegangen. Derart belastbare Zahlen können aufgrund der Flexibilität digitaler Daten und Formate sowie dem Mangel an Erfahrungswerten auf diesem Gebiet für Digitalisate bisher nicht vorgelegt werden. Die zweite neben den Personenstandsunterlagen am häufigsten genutzte Quellengattung bildet die Tageszeitung. Da dem aktuellen Zeitungspapier aufgrund der starken Säurehaltigkeit des verwendeten Rohstoffes lediglich eine durchschnittliche Lebensdauer von zehn bis 50 Jahren beigemessen wird, stellt das Festhalten des Abbildes dieser Druckerzeugnisse auf einem anderen Speichermedium die einzige Möglichkeit der Überlieferung des Informationsgehaltes für spätere Zeiten dar.

Christel Gäbler hält den Mikrofilm in den Händen, der das gesamte vor ihr liegende Sterberegister 1897 enthält. Die Mikroverfilmung erlaubt einerseits eine viel einfachere Handhabung beim Betrachten und Vervielfältigen und schont andererseits das Original. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Neben Maßnahmen zur Erhaltung des Bestandes stellen die Erschließung des Archivgutes, die Bestandsergänzung durch nichtstädtisches Sammlungs- und Dokumentationsgut sowie die Bereitstellung zur Benutzung weitere zentrale Aufgaben des Stadtarchivs dar. 47.758 Archivalieneinheiten konnten 2017 durch die fünf Mitarbeiterinnen des Stadt- und Verwaltungsarchivs erschlossen werden. Ein Großteil dieser Erschließungstätigkeit entfiel auf die Retrokonversion, das heißt die Übertragung der wichtigsten Personenstandsinformationen (Name, Registernummer, Jahr) in eine maschinenlesbare Form, um die Recherche in diesen Unterlagen zu effektiveren.

Neben städtischem Schriftgut konnten 2017 allerdings auch einige nichtstädtische Quellensammlungen und Einzelstücke in den Gesamtbestand des Stadtarchivs Gera aufgenommen und erschlossen werden. Dazu zählten beispielsweise die Nachlässe von Gertrud Kühn, Peter Zerbst oder auch die Briefüberlieferung der Familie Sosat, die allesamt wertvolle familiengeschichtliche und stadthistorisch interessante Episoden, teilweise vom 18. bis 20. Jahrhundert, zeigen. „Der 2017 erschlossene Bestand des ehemaligen „Arbeitertheaters der SDAG Wismut“ (späteres „Amateurtheater der Stadt Gera e.V.“) ermöglicht spannende Einblicke in die städtische Laienspielkunst von 1960 bis 2005“, betont Archivleiterin Christel Gäbler den Quellenwert des Bestandes. In dem online unter http://www.archive-in-thueringen.de/sonstiges/mitteilungsblatt verfügbaren Mitteilungsblatt des thüringischen Archivwesens „Archive in Thüringen“ des Jahres 2017 informiert ein Beitrag über die Geschichte des inzwischen erschlossenen Bestandes.

Insgesamt werden im Stadtarchiv Gera 3000 Meter Archivgut aufbewahrt. (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Auch die Erschließungsarbeiten an dem 2014 ins Stadtarchiv gelangten und rund 9.000 Bilddokumente umfassenden Fotobestandes Bernhard Manns (1912-2001) konnten im vergangenen Jahr abgeschlossen werden. Mehrere tausend dieser Fotos wurden in diesem Zusammenhang digitalisiert und in die Archivdatenbank eingebunden. Damit konnten diese Fotoaufnahmen, vorrangig aus dem Zeitraum der 1930er bis in die 1960er Jahre, für die Nachwelt aufbereitet und gesichert werden. Das regionale Spektrum der Fotografien erstreckt sich schwerpunktmäßig auf Thüringen, insbesondere Gera und seine Ortsteile, umfasst Landschafts- und Detailaufnahmen von Straßenzügen und Einzelgebäuden, aber auch Pflanzen, Personen und vielfältige Gegenstände wurden fotografisch dokumentiert. Die Faszination und der Quellenwert von Fotografien für die Illustration und Dokumentation der Stadtgeschichte dürfte kaum hoch genug zu bewerten sein, lassen sich doch über architektonische Veränderungen, Stadtentwicklung, Kleidungs- und Lebensstilstil der Menschen in manchmal nur einem Bild zahlreiche Aussagen erkennen. Aus diesem Grund gehören auch Bild- und Fotodokumente zu den häufig nachgefragten Archivalien im Stadtarchiv Gera. Um weitere Facetten der städtischen Entwicklungsgeschichte dokumentieren zu können, ist das Stadtarchiv Gera auch weiterhin an der Übernahme privater Unterlagen, Vereins- und Wirtschaftsüberlieferungen interessiert. Angebote können an stadtarchiv@gera.de bzw. 0365 /8 38 21 40 gerichtet werden.

Wer über aktuelle Entwicklungen, neue Bestände und wenig bekannte Quellen im Stadtarchiv Gera informiert werden will, kann das über das kostenlose Abonnement des Informationsbriefes „Nachrichten aus dem Stadtarchiv Gera“. Um den Informationsbrief regelmäßig quartalsweise zu erhalten, genügt es, eine formlose E-Mail mit dem Betreff „Informationsbrief“ an stadtarchiv@gera.de zu senden.


Veröffentlichung: 01.02.2018