deutsche Version dieser Seite deutsch | english version of this page english | Schriftgröße: - A A + | Stadtplan | GeoPortal Stadtplan anzeigen | Umfrage Icon: Umfrage
Suche


Kunstsammlung Gera mit spektakulärem Neuzugang

Dix-Zeichnung „Mutter und Eva“ aus hessischem Privatbesitz jetzt im Otto-Dix-Geburtshaus in Untermhaus


Die Kunstsammlung Gera hat aus hessischem Privatbesitz eine hervorragende Zeichnung von Otto Dix als Dauerleihgabe erhalten. Es handelt sich um den 1935 entstandenen Karton zum bekannten Gemälde „Mutter und Eva“, das sich in der Sammlung des Folkwang-Museums in Essen befindet.

Otto Dix
Mutter und Eva
1935
Kohle auf Papier, Weiß gehöht
79,5 x 65 cm
signiert/datiert. u. r.: 19 Monogramm 35
Werkverzeichnis Lorenz IE 3.1.14


Geras Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn und Holger Peter Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera, präsentieren die Zeichnung „Mutter und Eva“ von Otto Dix (Stadtverwaltung/Steffen Weiß) Der Leiter der Kunstsammlung, Holger Peter Saupe, bezeichnet die Dauerleihgabe als „Sternstunde“. Nun sei es möglich, diese Zeichnung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Oberbürgermeisterin Dr. Viola Hahn dankte Holger Peter Saupe und seinem Team für ihr Engagement. „Der Leihgeber hat großes Vertrauen in unsere Kunstsammlung. Nach dem Ankauf des Gemäldes ‚Die Schwester Toni am Fenster‘ zu Weihnachten 2017 ist innerhalb kurzer Zeit ein weiterer hervorragender Neuzugang gelungen, der die Geraer Dix-Sammlung erweitert“, betont Frau Dr. Hahn.

Die Zeichnung ist als metaphorisches Doppelbildnis angelegt und entstand in der altmeisterlichen Phase von Dix. Mit der Zeichnung hat Dix die Bildidee und Komposition des späteren Gemäldes vorbereitet. Sie thematisiert den Kreislauf des Lebens von Werden und Vergehen an einem persönlichen Familienbild des Malers. Das Blatt zeigt die 72-jährige Mutter des Künstlers Louise Dix, geb. Amann mit ihrer Enkelin Eva. Louise Amann wurde 1863 in Untermhaus geboren und verstarb 1953 in Gera. Sie heiratete 1889 den Eisenformer Franz Dix und brachte insgesamt sechs Kinder zur Welt, von denen das erste und letzte Kind bereits im Säuglingsalter verstarben. Otto Dix verband zeitlebens ein herzliches Verhältnis mit seinen Eltern. In der Geraer Dix-Sammlung befindet sich ein kleines Skizzenblatt aus dem Jahr 1903, auf dem er das früheste Doppelbildnis seiner Eltern gezeichnet hat. Auch später hat der Künstler Vater und Mutter mehrfach porträtiert und vor allem seine Mutter, die er bis zum Tod in Gemälden und grafischen Arbeiten festgehalten halt.

Die dargestellte Enkelin Eva wurde 1932 in Gera geboren und war die Tochter von Toni Imblon, der zwei Jahre jüngeren Schwester von Otto Dix. Zwischen Eva und ihrer Großmutter bestand lebenslang eine enge Beziehung. Auf der Zeichnung sitzt die Großmutter Louise vor einem knorrigen Baum, der im später ausgeführten Gemälde deutlich als Lärche zu erkennen ist. Zwei Äste sind abgebrochen und bereits abgestorben. Die aufgerissene Oberfläche der Baumrinde korrespondiert mit dem zerfurchten Gesicht der Mutter des Künstlers, in dem sich die Spuren lebenslanger Mühen abgelagert haben. Am Baumstamm klettert Efeu empor, der durch seine immergrüne Erscheinung auf Unsterblichkeit verweist. Die erst dreijährige Eva steht neben dem Schoß der Großmutter und reicht ihr den Zweig eines blühenden Geißblattes, den sie mit beiden Händen vom Stielanfang bis zur Blüte umfasst. Das unverwüstliche Geißblatt steht in der Pflanzensymbolik für eine unzerstörbare Verbindung, für familiäre Liebe und innige Verbundenheit.

Durch die klare Gegenüberstellung von Jugend und Alter symbolisiert Dix in dem sehr empfindsamen Doppelporträt die Generationsabfolge der Menschen sowie den Kreislauf von Anfang und Ende in der Natur.

Die großformatige Zeichnung stellt für die Geraer Otto-Dix-Sammlung eine wesentliche Bereicherung dar und wird nach kurzer konservatorischer Aufbereitung demnächst in der Schausammlung des Otto-Dix-Hauses präsentiert.

Veröffentlichung: 13.04.2018