deutsche Version dieser Seite deutsch | english version of this page english | Schriftgröße: - A A + | GeoPortal Stadtplan anzeigen
Logo Bender Interaktiver Stadtplan
Suche


Das Schloss und seine Anwohner



3. Oktober 2018 - Geraer Wochenmagazin /// Gastkommentar des Oberbürgermeisters

Vorweg möchte ich sagen: ich kann alle Seiten verstehen. Was ist passiert? Mit großem Interesse wurde die Wiederbelebung des Schlosses durch die Bevölkerung gut angenommen. Am Anfang waren natürlich alle Seiten voll der Begeisterung und des Lobes. Nach einigen Wochenenden zeigten sich dann bereits die ersten Schwachstellen, angefangen bei dem gesteigerten Autoaufkommen und der Parkplatzsuche. Über den erhöhten Geräuschpegel, den Anwohner durch Musik und angeheiterte Fußgänger erleben, bis hin zu den normalen Auswüchsen, die Veranstaltungen mit sich bringen. Notdurften, die verrichtet werden, Halbstarke, die im Alkohol zu viel Kraft fanden und die Fraktion „wir feiern auch unter der Woche ohne Genehmigung“. Dass das Anwohner nicht jedes Wochenende ertragen wollen, ist nachvollziehbar.

Dem Veranstalter war Vieles im Vorhinein klar. Es wurde auf Beschwerden reagiert, die Musik zwischenzeitlich um 22 Uhr ausgestellt, der Schlossberg gereinigt. Zudem waren alle Veranstaltungen angemeldet und genehmigt. Das Konzept einer Stadt des Miteinanders wurde gelebt und Vieles für uns Geraer geboten, was nicht nur mit lauter Musik und ausschweifenden Partys zu tun hatte. In Gera gilt aber leider noch allzu oft das Gesetz der Konfrontation, wie man auch schon bei der Schließung des Hofguts als Spielstätte für das Kabarett Fettnäppchen erleben konnte. Am Anfang versucht man noch zu reden, dann wird mit Argusaugen die Erfüllung der gestellten Forderungen überwacht und es formiert sich der Bürgerwille. In Aga z.B. gegen Windräder und Gefängnisse, in der Stadt gegen die Straßenbahnlinie oder die Kommunalabgaben, in den Westvororten für die eine alte Kaufhalle und, und, und. Das ist auch ihr gutes Recht. Es passiert dann aber leider Folgendes: man bewegt sich nur noch in seinem Interessenkreis, die Köpfe werden heiß geredet und für Argumente oder Lösungen ist man nur schwer empfänglich, dann heißt es nur noch: „unsere Forderung MUSS erfüllt werden“. Liebe Geraer, es würde mich ungemein freuen, wenn wir alle wieder etwas mehr Empathie und Selbstreflektion an den Tag legen und in der Sache diskutieren. Miteinander ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu suchen, was aber manchmal auch mit Kompromissen, zum Wohle der Allgemeinheit zu tun hat. Ich moderiere gerne den Prozess – miteinander, statt übereinander.

Herzlichst ihr Julian Vonarb


Veröffentlichung: 03.10.2018