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Geraer Feuerwehr übersteht Belastungsprobe


Erleichtert über das Ausklingen des heißen Sommers zeigte sich Thilo Schütz, Oberbrandrat der Stadtverwaltung Gera. Zwar sei es auch jetzt noch recht trocken, aber die Frequenz der Einsätze sei auf ein Normalmaß gesunken. Zur Erinnerung: In diesem Jahr mussten die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren in Gera rund drei Mal so oft zu Einsätzen ausrücken wie in den Vorjahren. Dabei leidet die Feuerwehr laut Schütz auch ohne Super-Sommer unter Personalmangel. Rund 30.000 Mehrstunden werden sich bis Ende des Jahres bei den Kollegen der Feuerwehr angesammelt haben. Ersatzbedarf sieht Schütz auch bei dem Fuhrpark, wo Reparaturen nur bedingt durchgeführt werden können. Doch die finanzielle Situation der Stadt hinterlässt auch hier ihre Spuren. "Alles kann man nicht mit Ehrenamt und Motivation ausgleichen", so Schütz.

Der heiße Sommer hatte die sonst sehr einsatzfreudigen Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr auf die Probe gestellt. "Teilweise musste die Freiwillige Feuerwehr Mitte drei bis achtmal am Tag ausdrücken.", erklärt Schütz. Selbst der verständnisvollste Arbeitgeber werde bei solchen Ausmaßen unruhig, weil Arbeit liegenbleibt. Zwar bekommen Arbeitgeber einen Lohnkostenersatz von der Stadt - also letztlich von der Allgemeinheit - dennoch müssten sie auf ihre wertvollen Fachkräfte bei einem Einsatz verzichten. Auch deshalb werden sicher viele Feuerwehrleute froh sein, dass sich die Frequenz der Einsätze normalisiert hat.

Laut Gesetz müssen Einsatzkräfte in einer Stadt wie Gera innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein. Dabei müssen die so genannten Funktionsstellen pro Löschfahrzeug - mit mindestens sechs Einsatzkräften - besetzt sein. Dies sei das absolute Mindestmaß laut Dienstvorschrift, normalerweise seien es acht bis neun Personen, so Schütz. Das Gleiche gelte in der Leitstelle, wo auch ein Mindestbesatz an Personal gewährleistet sein muss. Die nun praktizierte gesetzeskonforme Handhabe sei ein Grund für die vielen Mehrstunden, die sich bei der Feuerwehr angehäuft haben. "Niemand ist mehr bereit, gesetzliche Vorschriften zu unterlaufen, damit die Stadt Geld sparen kann. Das ist auch gut so", sagt der Oberbrandrat. Früher sei das anders gewesen, da habe man auch mal ein Auge zugedrückt, weil Personal fehlte. Letztlich gebe es aber gute Gründe für die gesetzlichen Vorschriften. "Natürlich merken auch wir den Fachkräftemangel, der sich durch ganz Deutschland zieht. Trotzdem ist der Einsatz der Feuerwehr für die Sicherheit der Menschen so wichtig, da können keine Abstriche gemacht werden."

Auf die Frage, was die Feuerwehr neben dem Supersommer in diesem Jahr noch Denkwürdiges erlebt hat, antwortet Schütz: "Der Orkan Frederike hat in diesem Jahr das Dach der Feuerwehr in der Berliner Straße abgedeckt. Wir können von Glück reden, dass die für den Funkverkehr notwendigen Antennen nicht mit abgerissen wurden." Derzeit sei bei der Feuerwehr nach dem Hochfrequenzsommer Wunden lecken angesagt. "Wir sind froh, dass uns ein Brand von den Ausmaßen in Potsdam erspart geblieben ist.", meint Schütz.

Gespannt blickt der Oberbrandrat auf das Jahresende: Dann steht der Brand- und Entwicklungsplan auf der Tagesordnung im Stadtrat. Eigentlich habe man an allen Stellen Nachholbedarf: bei Gebäuden, Material und Personal. Schütz hofft darauf, dass die Feuerwehr finanziell angemessen ausgestattet wird, nachdem ihm in diesem Jahr eine Millionen Euro für die Sanierung einer Schule aus dem Haushalt gekürzt wurde. Zum Schluss will Schütz einen Dank loswerden: "Ohne die große Motivation der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Einsatzkräfte, hätten wir das Jahr nicht so gut überstehen können. Ein großes Danke an alle Feuerwehrleute und deren Arbeitgeber, deren Verständnis oft auf die Probe gestellt wurde."



Veröffentlichung: 28.09.2018