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Umfrage: Bist du eine "Fettgusche"?


Liebe Gersche,

seit dem Vorabend des Höhlerfestes 2018 (4. Oktober 2018) hängen die ersten Plakate im Stadtzentrum von Gera mit genau dieser Frage. Die meisten werden sich denken: "Was soll das?" "Haben wir keine anderen Probleme?" "Ist das wieder so ein Kunstkram oder kann das weg?"


Auch Sie frage ich: Sind wir - als Geraer - nicht alle eine "Fettgusche"? Gerade zum Beginn des Höhlerfestes stellt sich wieder die Frage nach der Geraer Identität. Das Höhlerfest hat Tradition. Tradition, verbunden mit Thüringer Spezialitäten und einem Bier. Dazu ein bisschen Mittelalter und Volksfestcharakter. Hier mal anstehen, dort mal grüßen und quatschen - ist ja schon ein Stück her, dass man sich zuletzt gesehen hat. Es fühlt sich so heimisch an, so vertraut, ebenso wie zu Hause.

Die Ergebnisse eines Studentenwettbewerbs aus dem vergangenen Jahr sowie einer darauf folgenden Umfrage sind mein Ansatz für die Frage nach dem Image unserer Stadt. Ich habe nicht das Gefühl, in der "Otto-Dix-Stadt" zu sein, wo Intellektuelle zum Rotwein aus dem Ahrtal über die Auswirkungen der neuen Sachlichkeit in der heutigen digitalisierten Welt diskutieren. Oder das wir die Hochburg der Fitnessbewegung und des gesunden, veganen Lebenswandels sind. Unser Reussisches Schloss ist leider nur noch ein Kleinod, das im Krieg größtenteils vernichtet wurde.

Bevor jetzt wieder einige "Fettguschen" zum "Brummochsen" werden und gleich innerlich zerplatzen, weil Sie es besser wissen, was wir alles haben, lesen Sie bitte erst zu Ende…

Natürlich haben wir internationale Sportler, tolle imposante Häuser, exzellente Weinhändler mit liebevollen Läden, kleine Manufakturen und eine Künstlerszene die sich stark macht für die Bewerbung als europäische Kulturhauptstadt 2025. Doch der Punkt ist, dass wir von allem etwas, aber von "nüscht" genug haben, um es als das Vermarktungshighlight schlechthin zu nutzen. Und genau an der Stelle bin ich wieder auf unserem traditionellen Höhlerfest und der Kreis schließt sich. Hier findet man genau das, was Gera ausmacht: Menschen mit Ecken und Kanten, die sagen, was sie auf dem Herzen haben. Manchmal mürrisch, aber in der Regel offen, ehrlich, und beschaulich. Vertraut ist es eben hier - wie zu Hause. Gefühlt kennt hier jeder Jeden - man ist nicht einfach nur einer von Vielen.

"Echt, frech und zu Hause" steht auf den Postern. Ja, ich finde das könnte Gera am ehesten gerecht werden. Gemeinsam beständig, aber auch anders sein. Unsere Heimat, ist unser zu Hause für die ganze Familie, von Kind bis Uroma. Eben familiär wie zu Weihnachten. Das macht Gera aus. Wenn man sich mit Touristen oder Pendlern unterhält, dann sind die meisten - nach der tollen Landschaft und Architektur - schnell von unserer Herzlichkeit sowie Hilfsbereitschaft angetan. Das spiegelt sich in der überdurchschnittlich hohen Beteiligung am Ehrenamt und im Vereinsleben wider. Immer wieder spürt man Zusammenhalt, auch und insbesondere in schwierigen Situationen.

Der Begriff der "Fettgusche" kommt übrigens aus dem Mittelalter. Er wurde uns von den umliegenden Bauern gegeben. In Gera ging es den Menschen damals so gut, dass wir uns oft teure und fettige Speisen gönnten, die direkt mit der Hand verspeist wurden. Zurück blieb dann - die fettige Gusche. Und wenn Sie sich die Tage in Gera umschauen, werden sie wieder die "Fettguschen" sehen und ich hoffe, dass es mehr werden und dass der Wohlstand in die Stadt zurückkommt. "Fettgusche" als (Kern-)Identität - auffallen werden wir damit, genau wie die "Fischköppe", die "Maultaschen" oder auch "Frühaufsteher".

Auch ich bin eine "Fettgusche", weil ich mich hier mit meiner Familie zu Hause fühle. Es ist keine Beleidigung, es ist eher ein Prädikat. Wir haben mehr zu bieten, als wir selber denken!

Ich freue mich auf Ihre Meinung bei der Abstimmung unter fettgusche.gera.de

Herzlichst Ihre Fettgusche

Julian Vonarb

Veröffentlichung: 05.10.2018