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Maßnahmen gegen erneute Plage von Schwammspinnerraupen

Pflanzenschutzmittel per Hubschrauber ausgebracht – Stadtverwaltung Gera stellt Sauger und personelle Hilfe in Aussicht


CHRONOLOGISCHE ÜBERSICHT VON PRESSEMITTEILUNGEN UND BÜRGERINFORMATIONEN

Sie informierten heute gemeinsam zu den Maßnahmen, die ergriffen wurden und zum Einsatz kommen können, falls es eine Plage geben sollte, v.l.: Karsten Schröder, Forstamtsleiter in Weida, Christian Hollandmoritz, Ortsteilbürgermeister Liebschwitz, Oberbürgermeister Julian Vonarb, Wehrleiter Andreas Lippold, Umwelt-amtsleiter Konrad Nickschick und Lutz Kaufmann, Anleiter der OTEAGU. Dabei stell-ten sie auch die neu angeschafften Industriesauger vor, die seit heute im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr bereitstehen zum Einsatz durch die Feuerwehrleute, die OTEGAU-Teams und Beschäftigte der Stadtverwaltung Gera. (Stadt Gera/Catrin Heinrich) OB Vonarb: … „mit vereinten Kräften Bürger und Wald schützen“ – Stadt Gera koordiniert Hilfen – drei neue Industriesauger im Feuerwehrhaus auf Abruf

Veröffentlichung vom 20. Mai 2020:
Noch ist es ungewiss: Wird es eine erneute Raupenplage in Geras Ortsteilen geben oder nicht? Erst in einigen Tagen setzen sich die Raupen in Bewegung. Sie könnten diese Ortsteile und Gebiete Geras zum Ziel haben: Gera-Liebschwitz, Naulitz, Collis und Thränitz, Kaimberg, Zwötzen, Lietzsch und Taubenpreskeln. Das schätzen Fachleute aus dem Umweltamt ein.

Heute informierten Stadtverwaltung, Thüringenforst, Ortsteilrat Liebschwitz und Freiwillige Feuerwehr zum Maßnahmenpaket für den Fall einer Plage. Geras OB Julian Vonarb war mit in Liebschwitz: „Die Verwaltung wird in den nächsten Wochen eine Art ‚Einsatzzentrale‘ sein. Das Umweltamt koordiniert Maßnahmen und Beteiligte, falls wir eine Plage zu bewältigen haben“, so der OB. Und er rief auf: „Lassen Sie uns weiter mit vereinten Kräften Bürger und Wald schützen und in der Bevölkerung vor allem die psychischen und hygienischen Belastungen so gering wie möglich halten.“

Zusammen mit dem Leiter des Umweltamtes vom Baudezernat, Konrad Nickschick, stellte der OB diese Maßnahmen der Verwaltung vor:

Lagekontrolle wöchentlich
Dabei wird ein Mitarbeiter des Umweltamtes in den Ortsteilen und Stadtgebieten unterwegs sein. Je nach Situation wird entschieden, ob und wenn ja wie lange und wo technische und personelle Hilfe zum Einsatz kommen auf öffentlichen Flächen oder auch in Privatgrundstücken, wenn Eigentümer das erbitten.

Beratung und Aufklärung der Bürger vor Ort und am Telefon
Das Umweltamt Gera steht weiterhin am Bürgertelefon für alle Fragen und Anliegen zur Verfügung unter 0365 838-4200 von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr.

Hilfe durch Technik
Drei neue Industriestaubsauger wurden angeschafft. Sie stehen im Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr in Liebschwitz auf Abruf – für alle vom Schwammspinner betroffenen Gebiete Geras. Die Feuerwehrleute, Mitarbeiter der OTEGAU und der Stadtverwaltung werden nach Bedarf und auf Anordnung des Umweltamtes damit im Einsatz sein und auf öffentlichen und befestigten Flächen die Raupen einsammeln. Die Sicherheitssauger ATTIX 965-0H/M SD XC der Firma Nilfisk werden seit Jahren erfolgreich in der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners eingesetzt. Die drei Geräte kosteten rund 10.000 Euro. Das Sauggut wird fachgerecht im Sinne der Schädlingsbekämpfung behandelt und entsprechend entsorgt.

Zusätzliche Straßenreinigungen können nach Bedarf beauftragt werden durch die Stadtverwaltung.
Die Koordination der Beteiligten sowie der Helfer übernimmt das Umweltamt und steht mit der Freiwilligen Feuerwehr Liebschwitz, Ehrenamtlichen über die Ehrenamtszentrale, mit der OTEGAU und den Ortsteilräten in Verbindung.

Hilfe zur Selbsthilfe - die Stadtverwaltung rät der Bevölkerung:
… Rufen Sie an und stellen Ihre Fragen über die Bürgertelefone von Stadtverwaltung, Thüringenforst, Ortsteilrat.
… Stellen Sie fest, um welche Art Raupen es sich handelt. Aktuell kommen auch Großer Fuchs oder Buchsbaumzünsler häufig vor. Hier auf der Homepage der Stadt Gera gibt es demnächst eine Übersicht zur Artenbestimmung.
… Sammeln Sie Raupen mechanisch ab – das ist die schonendste Methode. Sollten Hausmüllcontainer voll sein, auch anrufen beim Bürgertelefon.
… Setzen Sie zugelassene Schädlingsbekämpfungsmittel ein. Empfehlungen der Stadt Gera sind alle Neem- oder Niemöl-Produkte. Die gibt es beispielsweise kaltgepresst und mit Emulgator vorgemischt, womit sie sofort in Wasser löslich sind.
… Fordern Sie Helfer an, wenn Sie das Aufkommen nicht bewältigen können. Rufen Sie bitte an in der Ehrenamtszentrale oder über die Bürgertelefone.
… Schützen Sie empfindliche Pflanzen in Ihrem Grundstück durch Umwickeln mit Gazestoff.
… Bauen Sie an Raupen-„Einwanderstellen“ einen kleinen Zaun. Unter diesem Link finden Sie ein Beispiel: https://www.gunzenhausen.de/schwammspinner.html?file=files/Rathaus_neu/Nachrichten_Bilder/2018/Ma%C3%9Fnahmen%20zur%20Verbesserung%20des%20Schwammspinnerbefalls.pdf

Freiwillige Helfer erfasst die Ehrenamtszentrale
Wer helfen möchte, zum Beispiel beim Absammeln von Raupen an Häusern von Menschen, die allein sind und das körperlich nicht leisten können, der meldet sich bitte in der Ehrenamtszentrale unter Tel.: 0365 838-3024 oder -3027, E-Mail: ehrenamtszentrale@gera.de. Die Ehrenamtszentrale möchte auch die bei ihr über die Nachbarschaftsplattform angemeldeten Freiwilligen fragen, ob sie auch für die Schwammspinner-Einsätze zur Verfügung stehen.


Karsten Schröder, der Leiter des Forstamtes Weida von Thüringenforst, informierte zu Erfolgsmessungen der Pflanzenschutzmittel-Ausbringung.
Demnach sind die im Labor gezüchteten Schwammspinnerraupen, die von den mit Mimic behandelten Liebschwitzer Eichenblättern gefressen haben, zu 90 % abgestorben. Die Vergleichsgruppe, die unbehandelte Blätter als Nahrung bekamen, leben alle noch. Derzeit sieht die Behandlung erfolgreich wie erwünscht aus. In der Natur kann auf Grund der kühlen Witterung der Verlauf verzögert erfolgen. „Das Mittel bleibt aber auch bei Regenfällen an den Blättern haften, so dass wir im behandelten Wald eine ähnliche Sterblichkeitsrate wie im Labor erwarten“, so Karsten Schröder. Auch das Forstamt bleibt weiter aktiv:

Bürgertelefon des Forstamtes für Fragen und Anliegen weiterhin geschaltet
036603 714990 von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr

Forstamt und Waldschutzspezialisten des Forstlichen Forschungs- und Kompetenzzentrums Gotha (FFK) kontrollieren weiterhin Wald
Sie leiten entsprechend der Entwicklungen geeignete Maßnahmen ein, um den Wald und die BürgerInnen zu schützen.


Andreas Lippold, Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Liebschwitz, informierte zu den Möglichkeiten der Feuerwehr zur Bewältigung der Plage.

Industriesauger lagern und einsetzen, Bürgertelefon am Wochenende
Im Gerätehaus werden die Industriesauger gelagert. Feuerwehrmitglieder werden mit den Saugern im Einsatz sein. Die Feuerwehr bietet ein Bürgertelefon an in Zeiten, in denen Umweltamt nicht verfügbar ist:
Immer am Sonnabend und Sonntag von 10 – 12 Uhr, Tel.: 0173 3683338.


Ortsteilbürgermeister Christian Hollandmoritz vertrat den Ortsteilrat in Liebschwitz.

Ansprechpartner über Ortsteiltelefon
Auch der Ortsteilrat wirkt weiter mit zur Selbsthilfe und für externe Hilfe.Es können Vor-Ort-Treffen vereinbart und auf kurzem Weg Anliegen geklärt werden. Das Bürgertelefon des Ortsteilrates bleibt geschaltet von
Montag – Freitag von 17.00-18.00 Uhr.

Die Orteilräte in den Ortschaften Naulitz, Collis/Thränitz, Zwötzen stehen in Verbindung mit dem Umweltamt.
Die Maßnahmen der Stadtverwaltung Gera und der weiteren Beteiligten gelten sowohl für Liebschwitz als auch für alle anderen Ortsteile und betroffene Gebiete Geras.




Den MedienvertreterInnen standen vor dem Befliegen hier für alle Fragen zur Verfügung (v.l.): Dr. Horst Sproßmann, Pressesprecher ThüringenForst, Karsten Schröder, Leiter Forstamt Weida, Antje Hellmann, Pressesprecherin im Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft sowie Christian Hollandmoritz (r. hinten), Charline Köhler (2.v.r.), Referentin des Geraer Oberbürgermeisters und Konrad Nickschick (3.v.r.), Leiter des Umweltamtes Gera. ( Stadt Gera/Catrin Heinrich) Zur Rettung des Waldes in Gera-Liebschwitz heute Mimic „ausgeflogen“

Veröffentlichung vom 6. Mai 2020:
„Seit 1997 bin ich Forstamtsleiter. Noch nie war der Einsatz eines Pflanzenschutzmittels nötig. Aber jetzt. Sonst stirbt der Wald“, so Karsten Schröder heute in Gera-Liebschwitz. Der Leiter des Forstamtes Weida erklärte MedienvertreterInnen, warum Thüringenforst an diesem Tag das Pflanzenschutzmittel Mimic auf rund 38 Hektar Wald nahe Liebschwitz „ausfliegen“ ließ. „Weite Teile des Waldes sind vom Tode bedroht“, so Schröder weiter. Die Trockenheit der letzten Jahre und die Millionen von Schwammspinnerraupen seien für den Wald von höchster Gefahr. Würden jetzt die Schwammspinnerraupen nicht gestoppt, blieben Waldsterben und damit gravierende Folgen für die Menschen nicht aus. Totholz berge Gefahren durch Abbruchholz in der Nähe von Wohnhäusern und es lasse sich extrem schwer beseitigen, erst recht an den steilen Hängen. Außerdem sei die Hangsicherheit nicht mehr gewährleistet, wenn die Bäume nicht die Erosion aufhielten.

Antje Hellmann, Pressesprecherin des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, äußerte ihre Zuversicht, durch diese Mimic-Behandlung den Schutz des Waldes zu gewährleisten.

Charline Köhler, persönliche Referentin und Bereichsleiterin des Geraer Oberbürgermeisters, ergänzte: „Leider hat die Absammelaktion mit der Bevölkerung nicht ausgereicht. Dabei danke ich dem Freistaat und Thüringenforst sowie der Bevölkerung in Liebschwitz mit dem Ortsteilrat für unser gemeinsames Untersuchen, Abwägen und transparentes Vorgehen. Wir möchten die gemeinsame Kommunikation fortsetzen und die Bevölkerung mit ihren Anliegen und Anregungen eng einbinden.“

(Stadt Gera/Catrin Heinrich) Konrad Nickschick, Leiter des Umweltamtes der Stadtverwaltung, griff die Worte von Karsten Schröder auf: „Auch wenn nicht alle Menschen diese Auffassung teilen, halten auch wir nach reiflichem Abwägen und Untersuchen den Mimic-Einsatz für die letzte und sinnvollste Möglichkeit zur Waldrettung“. Er kündigte an, in den nächsten Wochen mit Industriestaubsaugern und personeller Unterstützung in Liebschwitz die Bevölkerung zu unterstützen. Er und zahlreiche Fachleute gehen davon aus, dass es vor allem aus dem 25 m breiten Streifen ab Wohnhäusern in den Wald viele überlebende Raupen gibt, weil dort Mimic nicht ausgebracht werden kann. Die Stadt Gera hatte dafür eine Ausnahmegenehmigung beantragt, die von der zuständigen Bundesbehörde abgelehnt wurde. Dies betrifft aufgrund ihrer Größe und Abstände zwischen Wald und Wohnen auch Gebiete in Naulitz, Collis, Thränitz, Kaimberg, Zwötzen, Lietzsch und Taubenpreskeln.


(Stadt Gera/Catrin Heinrich) Über die nächsten Wochen kontrolliert ThüringenForst den Effekt der Wald-Behandlung. Schon heute wurden im Wald Petrischalen verteilt, die nach einigen Tagen wieder eingesammelt werden. Die darin vorgefundenen Insekten werden erfasst um zu sehen, auf welche Arten das Mittel gewirkt hat und auch, welche Nützlinge geschädigt sind. Im Spätsommer werden über Lockstofffallen Schmetterlingsanzahlen erfasst. All diese Messungen führen zu Rückschlüssen zum Agieren 2020 und zu Prognosen für 2021.

Wie ThüringenForst informiert, ist Mimic ein reines Fraßgift, das auf sich häutende Schmetterlingsraupen wirkt. Seit Jahren kommt es im Obst- und Weinbau zum Einsatz. Bayern behandelt zurzeit rund 3.000 Hektar Eichenbestände gegen Kahlfraß damit.

Bei Fragen und Anliegen stehen weiterhin die Infotelefone zur Verfügung:
- im Umweltamt Gera: 0365 838-4200, Montag bis Freitag, 7:00 – 13:00 Uhr
- im Forstamt Weida, 036603-714990, Montag bis Freitag, 8:00 – 12:00 Uhr
- im Ortsteilrat Liebschwitz, 0365 71285544, Montag bis Freitag 17:00 – 18:00 Uhr.
ThüringenForst beendet heute die Schwammspinnerbekämpfung per Hubschrauber

Veröffentlichung vom 6. Mai - Medienformation von ThüringenForst
ThüringenForst schließt heute die Schwammspinnerbekämpfung per Hubschrauber auf insgesamt 190 Hektar Eichenwaldflächen in Ost-, Nord-, Mittel und Südthüringen ab. Der Baumschädling hatte sich dort in Massen vermehrt. Millionen von Schmetterlingsraupen bedrohten schon im letzten Jahr durch Kahlfraß der grünen Eichenkronen das Leben Tausender Bäume. Diese waren durch die Trockenjahre 2018 und 2019 bereits sehr stark geschwächt. In diesem Jahr entschieden sich die Förster kein Risiko einzugehen und die vom Schädling befallenen Eichenbestände zu retten. Es kam ein selektiv wirkendes Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, dass seit Jahrzehnten erfolgreich im Obst- und Weinbau eingesetzt wird.

Der Entscheidung für diese Schutzmaßnahme gingen monatelange Überwachungsmaßnahmen der Waldschutzexperten zur diesjährigen Entwicklung des Schädlings und ein eingehender forstlicher und naturschutzfachlicher Abwägungsprozess voraus. In den zum Teil betroffenen Naturschutzgebieten stimmten die zuständigen Unteren Naturschutzbehörden einer Bekämpfung zu. Im Rahmen der Maßnahme wurde ein Monitoring geplant, um die Intensität der Ausbringung und die Wirkung auf die Schwammspinner evaluieren zu können. Forstminister Benjamin-Immanuel Hoff: „Der Wald ist ein komplexes Ökosystem. Sein ganzheitlicher Schutz ist uns wichtig. Der lokal begrenzte und gezielte Pflanzenschutzmitteleinsatz zur Rettung der Eichenwälder ist eine Notmaßnahme und bleibt eine Ausnahme. Die massenhafte Vermehrung des Schwammspinners wird durch den Klimawandel begünstigt. Wir müssen unsere durch Trockenheit geschwächten Eichenbestände bewahren. Damit also der Wald mit seinen wichtigen Klimafunktionen erhalten bleibt, muss dafür gesorgt werden, ihn zu schützen“.
Nunmehr dürfen die behandelten Eichenwaldgebiete bis Freitag nicht betreten werden. Das Sammeln von Pilzen, Kräutern und Beeren ist für drei Wochen untersagt. Das Pflanzenschutzmittel ist nicht bienengefährlich, Einschränkungen für die Waldimker ergeben sich nicht.


Befliegung verschoben

Veröffentlichung vom 4. Mai 2020:
Das Ausbringung von Pflanzenschutzmittel per Hubschrauber ist verschoben worden. Die Befliegung findet nicht morgen, am 5. Mai, statt wie ursprünglich vorgesehen und noch in der Postwurfsendung vom 30. April als wahrscheinlich angekündigt. Sie findet mit hoher Wahrscheinlichkeit am Mittwoch, den 6. Mai in den Wäldern um Liebschwitz statt. Grund der Verschiebung ist das Wetter. Die für heute, Montag, den 4. Mai, in anderen thüringischen Städten vorgesehenen Einsätze mussten aufgrund von Regenschauern abgesagt und auf morgen verlegt werden. In der Ablaufkette verschiebt sich deshalb auch der Einsatz in Gera von Dienstag, 5.5., auf Mittwoch, 6.5.

Die Bevölkerung erhält Informationen:
• hier auf diesen Seiten im Internet der Stadtverwaltung Gera mit fortlaufend aktualisierten Nachrichten
• Postwurfsendungen in den Haushalten in Liebschwitz bei aktuellen Entwicklungen
• am Bürger-Telefon
- im Umweltamt Gera: 0365 838-4200, Montag bis Freitag, 6:00 – 13:00 Uhr
- im Forstamt Weida, 036603-714990, Montag bis Freitag, 8:00 – 12:00 Uhr
- im Ortsteilrat Liebschwitz, 0365 71285544, Montag bis Freitag 18:00 – 19:00 Uhr

Mehr Informationen zur Bekämpfung der Schwammspinnerraupen gibt direkt auf der Homepage von:
ThüringenForst

Medieninformation von ThüringenForst - Schutzmaßnahmen für Thüringer Eichenwälder gestartet

Veröffentlichung vom 30. April 2020:
ThüringenForst hat in der kommenden Woche die Ausbringung von Pflanzenschutzmittel per Hubschrauber geplant. Ab Montag sollen in vier Regionen Thüringens Maßnahmen zum Schutz heimischer Eichenwälder vor einem Kahlfraß durch den Schwammspinner erfolgen. Der Forstschädling befindet sich, gefördert durch die Trockenjahre 2018 und 2019, in einer Massenvermehrung. Auf 190 Hektar wird das Pflanzenschutzmittel Mimic ausgebracht, dass seit Jahrzehnten erfolgreich im Obst- und Weinbau eingesetzt wird. Thüringens Förster befürchten, dass ein erneuter Kahlfraß zum Absterben der Wälder führt. Der Entscheidung für eine Schutzmaßnahme ging ein eingehender forstlicher und naturschutzfachlicher Abwägungsprozess voraus.
Die Forstschutzexperten der Landesforstanstalt hatten die Maßnahme im Vorfeld monatelang anhand von Überwachungsmaßnahmen vorbereitet. Neben Eigelegesuchen an Hunderten Bäumen erfolgten vor wenigen Wochen La-boruntersuchungen zur Vitalität der schlüpfenden Raupen – mit beunruhigen-dem Ergebnis für die Zukunft der Eichenwälder. Mimic wirkt als reines Fraßgift nur auf sich häutende Schmetterlingsraupen, die Anfang Mai an Blättern fressen. In der kommenden Woche werden per Hubschrauber GPS-gestützt und flächenscharf knapp ein Dutzend Waldstücke über den Baumkronen besprüht. Während und 72 Stunden nach der Befliegung dürfen die Waldflächen nicht betreten werden. Das Sammeln von Pilzen, Kräutern und Beeren ist für drei Wochen untersagt. Ebenso werden im Nachbarbundesland Bayern derzeit auf rund 3.000 Hektar Eichenbestände durch die Ausbringung des Pflanzenschutzmittels Mimic gegen Kahlfraß durch den Schwammspinner geschützt.

Liebschwitzer erhalten Postwurfsendung der Stadtverwaltung Gera in die Briefkästen

Veröffentlichung vom 30. April 2020:
An rund 800 Haushalte in Liebschwitz gehen heute (30. April) Postwurfsendungen des Umweltamtes der Stadtverwaltung Gera. Darin erhalten Liebschwitzer Einwohner direkt nach Hause die aktuellen Informationen zum geplanten Einsatz des Pflanzenschutzmittels Mimic durch ThüringenForst sowie Antworten auf häufig ans Umweltamt gestellte Fragen.
Hier die Postwurfsendung

Demnächst schlüpfen die Schwammspinnerraupen

Veröffentlichung vom 14. April 2020:
… In welcher Anzahl, das hänge von der Witterung und dem Austrieb der Bäume ab, so der Leiter des Geraer Umweltamtes, Konrad Nickschick. Er erklärt: „Wenn die Bäume noch nicht austreiben, finden die Raupen keine Nahrung und verenden. Treiben die Bäume aber aus, überleben die Raupen und es kommt drauf an, wie viele durch den Winter gekommen sind und wie viele beim Absammeln von Gelegen durch die Bevölkerung entfernt werden konnten.“

Die Thüringer Landesforstanstalt ist die zuständige Untere Forstbehörde. Mit ihrem Forstamt Weida bereitet sie seit dem Vorjahr zusammen mit der Stadtverwaltung Gera Maßnahmen vor, um eine Plage wie 2019 zu vermeiden. Dabei geht es auch um den Schutz der Anwohner – aber vor allem um den Schutz des Waldes. Der sei stark geschädigt nach zwei extrem trockenen Jahren und durch die Schwammspinner im Jahr 2019. Der Vitalitätsverlust sei sehr hoch, so Karsten Schröder, der Forstamtsleiter Weida. Er befürchtet, ein erneuter Kahlfraß durch Raupen könnte zum Absterben großer Waldbereiche führen. Das hätte gravierende Folgen, denn der Hang entlang des Zoitz- und Mühlberges in Liebschwitz habe eine wichtige Erosionsschutzfunktion.

Konrad Nickschick kündigt für die Stadtverwaltung Gera an: „Zur Milderung der Belastungen der Bevölkerung intensivieren wir die Straßenreinigung der betroffenen Straßenzüge. Außerdem bringen wir spezielle Industriesauger zum Einsatz. Damit saugen wir im öffentlichen Bereich die Schwammspinnerraupen ab. Wenn es hohe Belastungen auf Privatgrundstücken gibt – wie letztes Jahr – werden Helfer die Raupen mit absammeln“.

Das Forstamt Weida erwägt, das Pflanzenschutzmittel Mimic per Hubschrauber bis an die Schutzgrenze von 25 m zur Wohnbebauung auszubringen. Wenn, dann soll es den stark geschädigten Wald vor einer neuerlichen Massenvermehrung der Raupen bewahren. Durch eine bereits am 9. März erlassene Allgemeinverfügung sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Mimic-Einsatz in den betroffenen Gebieten in Thüringen und somit im Wald rund um Liebschwitz geschaffen. Eine von der Stadt Gera beantragte Ausnahmegenehmigung zum Einsatz innerhalb des 25 m breiten Schutzabstandes zur Wohnbebauung wies im Übrigen die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit (BAuA) zurück. Die BAuA informierte am 9. April, dass die Gesundheitsgefahren durch den Schwammspinner nicht in ausreichendem Maße nachgewiesen werden konnten, um den Einsatz des Pflanzenschutzmittels innerhalb des 25 m Schutzabstandes zu rechtfertigen, wie Konrad Nickschick informierte.

Der Mimic-Einsatz als chemische Raupenbekämpfungsmaßnahme finde nicht vor Ende April/Anfang Mai statt, so Karsten Schröder. Die Entscheidung und der Zeitpunkt würden noch abhängen vom tatsächlichen Schlupf der Schwammspinnerraupen und den klimatischen sowie ökologischen Faktoren. Die Bevölkerung werde ab nächster Woche und danach fortlaufend informiert. Forstamt, Stadtverwaltung Gera und Ortsteilrat bleiben in engem Austausch, so Nickschick.

Die Bevölkerung erhält Informationen:
• im Internet der Stadtverwaltung Gera mit fortlaufend aktualisierten Nachrichten
• Postwurfsendungen in den Haushalten in Liebschwitz bei aktuellen Entwicklungen
• am Bürger-Telefon
- im Umweltamt Gera: 0365 838-4200, Montag bis Freitag, 6:00 – 13:00 Uhr
- im Forstamt Weida, 036603-714990, Montag bis Freitag, 8:00 – 12:00 Uhr
- im Ortsteilrat Liebschwitz, 0365 71285544, Montag bis Freitag 18:00 – 19:00 Uhr


Mehr Informationen zur Bekämpfung der Schwammspinnerraupen gibt direkt auf der Homepage von:
ThüringenForst


Hinweise an die Bevölkerung zum Thema Schwammspinner: Raupenplage in Geras Eichenwäldchen

Veröffentlichung vom Sommer 2020:
Im Sommer 2019 mehrten sich Berichte von lokal begrenzten Massenansammlungen behaarter Raupen im Südwesten Geras. So sind beispielsweise nicht nur die Eichen am Zoitzberg oder in Thränitz, sondern auch Obstbäume und Ziergehölze in den direkt benachbarten Gärten in Liebschwitz akut befallen und regelrecht kahl gefressen. Schnell erinnert man sich an die Hysterie, die vor einigen Jahren vom Eichen-Prozessionsspinner ausgelöst wurde. Die Raupen dieses Nachtfalters besitzen Brennhaare, die Hautreizungen bis hin zu ernsten Verbrennungen verursachen können, und das nicht nur bei Berührung, sondern auch durch flüchtige Haare. Für die Raupenplage in Gera ist allerdings der Schwammspinner verantwortlich. Dessen bis 5 cm lange Raupen können bei Berührung auf empfindlichen Hautstellen zwar ebenfalls Rötungen verursachen, besitzen allerdings bei weitem nicht das Allergiepotenzial ihrer Verwandten. Dennoch sollte vor allem bei Kindern darauf geachtet werden, dass diese nicht mit den bunten haarigen Räupchen in Kontakt kommen. Die Tiere können sich an Seidenfäden aus Bäumen abseilen und hängen so „in der Luft“. Auch ein Eindringen in Wohnräume von mit Raupen dicht besetzten Fassaden aus ist möglich, weshalb Fenster geschlossen bleiben oder mit Fliegengitter ausgerüstet werden sollten. Bei extremem Befall am Haus kann der Einsatz von Kontaktgiften, welche die nächste Häutung der Raupen verhindern, in Frage kommen. Allerdings wird auch der professionelle Schädlingsbekämpfer das Nachwandern neuer Raupen aus den benachbarten Waldgrundstücken nicht verhindern können. Dann hilft nur das Abspülen und zusammenfegen der Raupen von Fassaden mittels Gartenschlauch oder Hochdruckreiniger.

Massenvermehrungen des wärmeliebenden Schwammspinners, der vor allem im Mittelmeerraum verbreitet ist, treten hierzulande nach milden Wintern und unter trockenem, warmem Wetter zwischen Mitte Mai bis Juni auf und häuften sich in den letzten drei Jahren. Tagsüber halten sich die Raupen vor ihren Fressfeinden verborgen an schattigen Stellen (Hauswände, unter Dachrinnen) oder im Blätterdach von Eichen auf. Im Schutz der Dämmerung verteilen sie sich dann, um zu fressen. Sind die Eichen bereits entlaubt, machen die kleinen Fressmaschinen allerdings auch vor Gartenpflanzen keinen Halt. Gesunde Eichen überstehen den Kahlfraß durch einen erneuten Laubaustrieb Ende Juni, wenn sich die meisten Raupen verpuppt haben. Der Zenit des Befalls ist bereits erreicht; die meisten Raupen werden sich in den nächsten Wochen verpuppen. Größere und kleinere Raupen resultieren aus verschiedenen Gelegen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgelegt wurden. Der Falter produziert nur diese eine Generation im Jahr. Von Juli bis August schlüpfen die erwachsenen Schwammspinner und legen ihre Eier an der Borke der Wirtsbäume, seltener auch an Hauswänden ab. Sie benötigen einerseits einen leichten Kältereiz, um im April des Folgejahres zu schlüpfen, überstehen andererseits schlecht tiefere Frostperioden im Winter. Ob sich der Massenbefall in den nächsten Jahren wiederholt, wird also nicht zuletzt vom menschengemachten Klimawandel abhängen.


Veröffentlichung: 30.04.2020