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Schwammspinner: Raupenplage in Geras Eichenwäldchen


Innerhalb den letzten zwei Wochen mehrten sich Berichte von lokal begrenzten Massenansammlungen behaarter Raupen im Südwesten Geras. So sind beispielsweise nicht nur die Eichen am Zoitzberg oder in Thränitz, sondern auch Obstbäume und Ziergehölze in den direkt benachbarten Gärten in Liebschwitz akut befallen und regelrecht kahl gefressen. Schnell erinnert man sich an die Hysterie, die vor einigen Jahren vom Eichen-Prozessionsspinner ausgelöst wurde. Die Raupen dieses Nachtfalters besitzen Brennhaare, die Hautreizungen bis hin zu ernsten Verbrennungen verursachen können, und das nicht nur bei Berührung, sondern auch durch flüchtige Haare. Für die aktuelle Raupenplage in Gera ist allerdings der Schwammspinner verantwortlich. Dessen bis 5 cm lange Raupen können bei Berührung auf empfindlichen Hautstellen zwar ebenfalls Rötungen verursachen, besitzen allerdings bei weitem nicht das Allergiepotenzial ihrer Verwandten. Dennoch sollte vor allem bei Kindern darauf geachtet werden, dass diese nicht mit den bunten haarigen Räupchen in Kontakt kommen. Die Tiere können sich an Seidenfäden aus Bäumen abseilen und hängen so „in der Luft“. Auch ein Eindringen in Wohnräume von mit Raupen dicht besetzten Fassaden aus ist möglich, weshalb Fenster geschlossen bleiben oder mit Fliegengitter ausgerüstet werden sollten. Bei extremem Befall am Haus kann der Einsatz von Kontaktgiften, welche die nächste Häutung der Raupen verhindern, in Frage kommen. Allerdings wird auch der professionelle Schädlingsbekämpfer das Nachwandern neuer Raupen aus den benachbarten Waldgrundstücken nicht verhindern können. Dann hilft nur das Abspülen und zusammenfegen der Raupen von Fassaden mittels Gartenschlauch oder Hochdruckreiniger.
Massenvermehrungen des wärmeliebenden Schwammspinners, der vor allem im Mittelmeerraum verbreitet ist, treten hierzulande nach milden Wintern und unter trockenem, warmem Wetter zwischen Mitte Mai bis Juni auf und häuften sich in den letzten drei Jahren. Tagsüber halten sich die Raupen vor ihren Fressfeinden verborgen an schattigen Stellen (Hauswände, unter Dachrinnen) oder im Blätterdach von Eichen auf. Im Schutz der Dämmerung verteilen sie sich dann, um zu fressen. Sind die Eichen bereits entlaubt, machen die kleinen Fressmaschinen allerdings auch vor Gartenpflanzen keinen Halt. Gesunde Eichen überstehen den Kahlfraß durch einen erneuten Laubaustrieb Ende Juni, wenn sich die meisten Raupen verpuppt haben. Der Zenit des Befalls ist bereits erreicht; die meisten Raupen werden sich in den nächsten Wochen verpuppen. Größere und kleinere Raupen resultieren aus verschiedenen Gelegen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten abgelegt wurden. Der Falter produziert nur diese eine Generation im Jahr. Von Juli bis August schlüpfen die erwachsenen Schwammspinner und legen ihre Eier an der Borke der Wirtsbäume, seltener auch an Hauswänden ab. Sie benötigen einerseits einen leichten Kältereiz, um im April des Folgejahres zu schlüpfen, überstehen andererseits schlecht tiefere Frostperioden im Winter. Ob sich der Massenbefall in den nächsten Jahren wiederholt, wird also nicht zuletzt vom menschengemachten Klimawandel abhängen.

Veröffentlichung: 11.06.2019