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Raupen-Plage: Liebschwitzer drängen auf Maßnahmen für 2020


(Stadtverwaltung, Catrin Heinrich) In der Turnhalle Liebschwitz informierte gestern (27.6.) die Stadtverwaltung Gera die Anwohner zum Stand der Dinge zur Raupenplage. Konrad Nickschick, Fachdienstleiter Umwelt, hatte zusammen mit dem Zoologen des Naturkundemuseums, René Köhler, zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. Anwesend war auch der Liebschwitzer Ortsteilbürgermeister Christian Hollandmoritz. Etwa 60 Betroffene der Raupenplage des Geraer Ortsteils Liebschwitz sowie interessierte Gäste vermittelten der Verwaltung ihre Meinungen.

Im Zentrum stand die Forderung, eine zweite Raupenplage in 2020 müsse vermeiden werden. Sie beschrieben ihre Beeinträchtigungen der letzten Wochen und den schmerzlichen Verlust vieler Gewächse in ihren Gärten. Dies wiege nicht nur ideell schwer, sondern sei auch ein finanzieller Verlust teilweise in Größenordnungen. Häufig wurde der Wunsch für den Einsatz von Insektiziden geäußert, um in kurzer Zeit schnelle Wirkungen zu erzielen.

Konrad Nickschick äußerte Verständnis für die durchaus nachvollziehbaren Wünsche und auch für die Frage, ob die Verwaltung Versäumnisse einräume. Er schilderte die Aktivitäten der Verwaltung und die Ergebnisse des Runden Tisches. Diesen hatte Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb einberufen, um sich mit allen Beteiligten und Verantwortlichen zu einem koordinierten Vorgehen zu verständigen. Am Runden Tisch hatten auch Vertreter vom Forstamt Weida als benachbarte Waldbesitzer und vom Thüringer Landesamt für Landwirtschaft und ländlichen Raum am 17. Juni teilgenommen. Die Fachleute zeigten sich einig, jetzt keine Isektizide einzusetzen. Selbst eine mechanische Lösung zur Entfernung der Raupen und Puppen halten Fachleute als alleinige Lösung für wenig erfolgversprechend.

Beide Methoden seien in der jetzigen Phase der Schwammspinner-Entwickung wenig erfolgreich, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Zur Informationsveranstaltung berichtete der Zoologe René Köhler von anderen Regionen in Deutschland und weltweit, bei denen das einmal begonnene Insektizid-Einsetzen dazu führte, immer wieder Isektizide einsetzen zu müssen, um ein erneutes Ausbreiten der Plage zu verhindern. Köhler verwies auf Belege, dass sich zugelassene Insektizide nach mehrfachem Einsatz als krebserregend erwiesen, woraufhin die Zulassung entzogen wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten aber bereits viele Menschen Schaden genommen.

Fachdienstleiter Nickschick vermittelte das geplante weitere Vorgehen:

  • Als kurzfristige Maßnahmen werde der Fachdienst eine Handlungsempfehlung erstellen zum manuellen, mechanischen Entfernen der Puppen und zum Umgang mit den im Herbst wahrnehmbaren Ei-Gelegen der Schmetterlinge. Aus diesen schlüpfen die Raupen der nächsten Generation.


  • Außerdem berate der Fachdienst nochmal gemeinsam mit dem Ortsteilrat, ob es weitere zusätzliche Müllentsorgungen geben solle und ob jetzt nochmal Bedarf an Fliegengitter bestehe zum Sichern der Fenster vor den bald auftretenden Schmetterlingen.


  • Kurzfristig werde aufgrund dieser Ausnahmesituation auch an einer vereinfachten, zugleich rechtskonformen Lösung zum Umgang mit den abgestorbenen Bäumen gearbeitet. Jedoch empfiehlt sich hier Geduld, denn die meisten Gewächse werden sich erholen. Abschließend wird sich erst im nächsten Jahr sicher sagen lassen, welche Bäume abgestorben sind.


  • Er recherchiere außerdem Möglichkeiten für die Hilfe zum Entfernen der Puppennester an schwierig zugänglichen Bereichen der Häuser besonders betroffener Anlieger. Die Verwaltung stehe hier offen für alle Anliegen, die sich aus aktuellen Entwicklungen ergeben.



  • Der Fachdienst Umwelt ist erreichbar unter umwelt@gera.de und 0365 838-4200. Mit dem Ortsteilbürgermeister ist abgesprochen, dass über den Ortsteilrat die Anliegen gebündelt werden. Diese werden dann an die Behörden weitergeleitet.

    „Wir möchten mit den kurzfristigen Maßnahmen aktuelle akute Probleme lindern – aber das Entscheidende für die Zukunft sind die langfristigen Maßnahmen.“, so Nickschick. Zudem bleibe die Verwaltung weiter eng im Gespräch mit dem Ortsteilrat und den Bürgerinnen und Bürgern sowie dem Netz der Fachleute und den Verantwortlichen. Im Herbst werde das weitere Vorgehen entschieden.

    Anhand der abgelegten Eier sei erst dann ein zu erwartendes Ausmaß der Folgegeneration der Schwammspinner anzunehmen und daraus Handlungsbedarf abzuleiten. Nickschick versicherte: „Die verantwortlichen Stellen haben sehr wohl verstanden, dass betroffenen Einwohner eine immense Last zu tragen haben und eine neuerliche Massenvermehrung des Schwammspinners verhindert werden muss.“

    Veröffentlichung: 28.06.2019