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Bauten der Moderne in Gera. Thilo Schoder und Kollegen

Sonderausstellung vom 3. Juli bis 22. September Museum für Angewandte Kunst Gera


In kaum einer anderen Stadt in Thüringen prägen so viele Bauten der Moderne das Stadtbild wie in Gera. Neben Thilo Schoder schufen Hans Brandt, Hans Hertlein, Paul Schraps, Heinrich Drechsel und andere öffentliche Gebäude, Fabriken und Wohnhäuser.

In der Ausstellung „Bauten der Moderne in Gera. Thilo Schoder und Kollegen“ werden exemplarische Gebäude und ihre Architekten mit genauen Beschreibungen der Außen- und Innengestaltung, Leben und Werk anhand von Texten, historischen Aufnahmen und Fotos der heutigen Situation vorgestellt.

Dazu vermitteln Möbel, darunter eine noch nie präsentierte Schoder-Küche, Glas, Porzellan, Keramik und textile Ausstattungsstoffe ein umfassendes Bild von den Reformideen der 1920er Jahre.

Im Zentrum der Exposition steht der Künstler-Architekt Thilo Schoder. Er erschloss sich nach dem Ersten Weltkrieg schnell einen eigenen Wirkungsraum in der aufstrebenden Industriestadt Gera. Ganz im Sinne seines Meisters Henry van de Velde betrachtete er seine Bauten als Gesamtkunstwerk, bei dem die Innenarchitektur genauso wichtig ist wie die Außenform. Entsprechend arbeiteten in seinem Büro Architekten, Designer, Bauleiter und Zeichner zusammen.

Wie nahe sich diese Architekturauffassungen und das Bauhaus waren, zeigt der Eintritt seines leitenden Architekten Otto Meyer-Ottens, ebenfalls Schüler von van de Velde, in das Baubüro von Walter Gropius 1926.

Erstmals wird die Lebensgeschichte des Berliner Architekten Hans Brandt erzählt, der mit dem Handelshof ein zentrales Symbol für den Aufbruch der Stadt Gera in die Moderne geschaffen hat. Der in den 1920er-Jahren deutschlandweit gefragte Spezialist für Bankhäuser beschäftigte jüdische Angestellte und spendete einen Teil seines Vermögens einem christlichen Orden, um die Gemeinschaft vor der Enteignung durch die Nationalsozialisten zu bewahren. Wie bei Thilo Schoder, der wegen nachlassender Aufträge zu Beginn der 1930er-Jahre ins Ausland ging, bewirkte die Vernichtung der wirtschaftlichen Grundlage die Auslöschung seiner Existenz auf lange Zeit.

Hintergrund

Der Gartenstadt-Gedanke, der von England kommend, zuerst in Dresden-Hellerau (1908) umgesetzt worden war, stieß auch in Gera auf fruchtbaren Boden. Als Fachmann für gesunde Lebensweise forderte der Arzt und Sanitätsrat Clemens Weisker (1863 – 1919) über Jahre den Bau von Siedlungen mit Gärten zur Selbstversorgung, bis er schließlich Mitstreiter für die Unternehmung fand. 1911 wurde der „Gemeinnützige Bauverein für Reuss j.L.“ als Aktiengesellschaft mit dem Zweck, für Arbeiter, Angestellte und Kleingewerbetreibende Einfamilienhäuser zu bauen und damit eine ganze Siedlung zu errichten, gegründet. Bereits 1912 entstanden die ersten Häuser der Gartenstadt „Heinrichsgrün“ an der westlichen Peripherie von Gera. 1930, nach Abschluss der Baumaßnahmen, schrieb Stadtarchitekt Max Hubricht: „In der Gartensiedlung Heinrichsgrün bietet der Gemeinnützige Bauverein in etwa 186 Eigenheimen seinen Mitgliedern billige und gesunde Wohnungen, deren jede einen etwa 100 bis 400 qm großen Garten besitzt. Die Häuser sind als Einzel-, Gruppen- und Reihenhäuser an schmalen Wohnstraßen, abseits vom Hauptverkehr, gelegen. Die Baupläne stammen von den Architekten Lotz, Schmidt und Drechsel.“

Mit der Berufung von Wilhelm Luthardt zum Stadtbaurat von Gera übernahm 1912 ein Visionär die bauliche Entwicklung der Stadt. Luthardt kam mit großen Ambitionen aus Chemnitz. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit stand die Beseitigung der Wohnungsnot im Zentrum seiner Bemühungen. Gelände für Siedlungsbau wurde an den Rändern oder in eingemeindeten Vororten ausgewiesen. Galgenberg, Zaufensgraben, am Fuchsberg, den Schafwiesen, Tinz, Lusan und Zwötzen. Ein großen Problem in Gera waren das nahe Beieinander von Fabriken und Wohnvierteln, die sich über das gesamte Stadtgebiet verteilten. Künftig sollte die Industrie sich vor allem auf zwei Standorte im Norden und im Süden von Gera konzentrieren. Einen wesentlichen Aspekt bildete die Verkehrsplanung, die Luthardt weit über das Stadtgebiet hinaus dachte. „Für Gera ist die Eisenbahnerweiterung, die Anlage eines Hafens, die Schaffung eines Flugplatzes mit genügender Erweiterungsmöglichkeit, auch ein Hauptverkehrsnetz für Auto- und Autobusverkehr festzulegen. Deshalb muss, wie die Straßenbahn, so der Schnell- und Durchgangsverkehr der Kraftfahrzeuge aus der allgemeinen Fahrbahn heraus in eine besondere Fahrbahn für Durchgangsverkehr festgelegt werden.


Veröffentlichung: 08.07.2019