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Der Klima-Pavillon kommt nach Gera!

Der Klima-Pavillon, ein Projekt des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie und Naturschutz, öffnet im Jahr 2020 seine Pforten in Gera, für alle die sich zum Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz informieren, einbringen oder austauschen wollen. Am 2. Oktober 2019 laden wir um 13:30 Uhr zu einem gemeinsamen Gespräch ins Kultur- und Kongresszentrum Gera (Konferenzraum II) ein. Wir wollen Ihnen als mögliche städtische Partner, Initiativen, Akteuren und Vereine das Projekt vorstellen, uns mit Ihnen austauschen und über mögliche Kooperations-möglichkeiten sprechen. Wir sind sehr daran interessiert regionale Akteure einzubinden und gemeinsam ein tolles Programm auf die Beine zu stellen. Wir freuen uns darauf Sie kennen zu lernen.

Ihr Team des KIima-Pavillons


(Hansjörg Schumann) Klima-Pavillon an Gera übergeben

Am 19. September wurde in der Stadt Jena der Klima-Pavillon an die Stadt Gera übergeben. Die Begrüßung erfolgte durch Prof. Dr. Sell, Geschäftsführer der Thüringer Green Tech Agentur. Frau Ministerin Siegesmund blickte zurück auf die Zeit des Klimapavillons in Jena und erläuterte, warum das Thema der Landesregierung so wichtig ist.

Geras Oberbürgermeister Julian Vonarb begründete noch einmal, weshalb sich Gera um den Klimapavillon beworben hat.

„Der Klimapavillon in Gera ist ein großartiger Leuchtturm, um die Bevölkerung unserer Stadt und weit darüber hinaus auf ein der größten Herausforderungen unserer Zeit aufmerksam zu machen: Den Klimawandel. Der Schutz der Umwelt und des Klimas sowie die Anpassung an bereits stattgefundene und zukünftige Veränderungen sind drängender denn je. Der Klima-Pavillon ist eine sehr markante und einprägsame Plattform, um Informationen zu transportieren, auf Probleme hinzuweisen, Unterstützer zu finden, Netzwerke zu schaffen, Menschen zu begeistern und zum Handeln zu bewegen.“ Klimaphänomene in Gera gab es in den letzten Jahren zur Genüge: von einer Raupenplage, Baumsterben, Starkregen, Stürmen bis zum Hochwasser 2013, dass die Region stark getroffen hatte. Im Anschluss erfolgte die Schlüsselübergabe und eine Verlosung von Preisen zur diesjährigen Klima-Ralley.
Nach seinen Stationen 2017 in Apolda, 2018 in Weimar und 2019 in Jena wird der Klimapavillon 2020 nach Gera weiterziehen. Die Stadt Gera hatte sich dafür erfolgreich an einem Wettbewerb beteiligt. Vielseitige Veranstaltungsformate sind denk- und umsetzbar. Klimamanager Thomas Krauße hofft, damit viele Projekte in der Stadt Gera anschieben und bewegen zu können. Gera ist als Oberzentrum mit knapp 100.000 Einwohnern nach Erfurt und Jena die drittgrößte Stadt Thüringens und damit essentieller Baustein, um die vom Freistaat Thüringen gesetzten Klimaziele erreichen zu können. Dafür braucht es ein Umdenken in der Bevölkerung.

Erste Gespräche mit dem Klimaschutzmanager der Stadt Gera für 2020 haben bereits stattgefunden. Am 2. Oktober ist eine Präsentation und Gespräch gemeinsam mit dem OB für die Presse, Vereine und Initiativen in Gera zur Vorbereitung 2020 geplant.

Hintergrund:

1. konkrete Probleme in Gera durch Klimawandel

Raupenplage:
- Wir bekämpften erst im Juni eine große Raupenplage des Schwammspinners in südlichen Bezirken der Stadt,
- massenhafte Vermehrung von Millionen Raupen, welche sämtliche Pflanzen, besonders Eichen kahlfraßen, die sich unter der zusätzlichen Hitze und Trockenheit nur schwer erholen können
- Zumutung für die Bürger, Gestank, Ästhetik, wirtschaftliche Schäden in Gärten
- kein Absterben der Eier des Schwammspinners im Winter, da zu milde Temperaturen
- keine Bekämpfung mit Pestiziden möglich, da Umwelt- und Gesundheits-Gefährdung

Problematik Stadtgrün/Baumsterben
- schlechter Zustand der Stadtbäume
- Baumsterben in Wäldern: erst Fichten, Kiefern, jetzt sogar sehr stark auch Buchen durch Hitzebelastung, durchgetrocknete Böden, Baumschädlinge/Krankheiten wie Borkenkäfer (sehr starke Vermehrung durch verlängerte Vegetationsperioden
- Herr Mittenzwey, unser Fachdienstleiter Stadtgrün, hat zwar 1000 Setzlinge für den Wald organisiert, aber leider geht es dennoch vielen Bäumen schlecht bzw. sterben diese ab, weil ihnen schlicht das Wasser fehlt
- Problem der Artenauswahl bei Stadtbaum-Neupflanzungen
sommerliche Hitzebelastung
- gerade in einer Stadt mit hohem Altersdurchschnitt sind wir auf viel Stadtgrün angewiesen, damit Hochbetagte, aber vor allem auch kleine Kinder extreme Temperaturen im Sommer auch zukünftig gut überstehen

Starkregen
- 12. Juni 2019: Starkregen und Hagel zerstören Wünschendorfer Märchenwald
- weitere wirtschaftliche Schäden in der Bevölkerung (z.B. Schäden an Autos und Häusern)

Stürme
- Jan. 2018 Sturmtief Friedericke verursachte große Schäden zum Beispiel hier im Tierpark, aber auch im Forst

Hochwasser 2013:
- 2. Juni 2013 hat sich in das Gedächtnis der gesamten Region eingebrannt: an diesem Tag begann das Hochwasser in Gera, das große Teile der Stadt geflutet hat
- am Pegel Gera-Langenberg war der Wasserstand 3,90 Meter zu sonst üblichen 50 cm (570 Kubikmeter im Vergleich zu 16 Kubikmeter je Sekunde mittleres Durchlaufvolumen)
- es hat den Menschen die große Abhängigkeit von der Natur sehr deutlich vor Augen geführt:
o alte Menschen saßen in ihren Häusern fest
o jüngere Menschen schleppten Schlamm aus den Kellern, als das Hochwasser vorbei war
o Schäden waren groß und es hat viele Jahre gedauert, sie zu bewältigen
- Schäden in ganz Thüringen: ca. 500 Mio. €

2. Wo sehen Sie dabei die dringendsten Handlungsbedarfe?

- direkter Katastrophenschutz an Leib und Leben, Schutz der Bürger vor Umweltgefahren, gut aufgestellte Notfall- und Katastrophenpläne (Gründung Wasserwehr, gut ausgestattete Feuerwehren, etc.)
- Öffentlichkeitsarbeit und Bewusstseinsschaffung als nicht-investive Maßnahme nach innen in die Verwaltung und nach außen an die Bürger:
Menschen müssen sich der Problematiken und Gefahren des
Klimawandels bewusst werden und entsprechend handeln und vorsorgen
- Einbeziehung der Klimafolgenanpassung in städtische raumplanerische Prozesse (von der Regionalplanung, Landschaftsplanung bis hinunter zu B-Planung)
- Flächenentsieglung in der Stadt (z.B. Straßenbahngleise, Plätze, Brachflächen um Oberflächenabfluss von Niederschlagswasser zu verringern, Kaltluftleitbahnen zur Abkühlung der überhitzten Innenstadt

3. Welche Anpassungen wurden bei Ihnen bereits vorgenommen in Hinblick auf den Klimawandel?

- Hochwasserschutz: Land verbaut ca. 35 Mio. € an der Weißen Elster
- Am 8.8.19 wurde erst ein neuer Teilabschnitt der Hochwasserschutzmauern durch Ministerin Siegesmund im Rahmen ihrer Sommertour eingeweiht (HWS-Mauer, Am Gries in Untermhaus, linksseitig der Elster)
- Vergrößerung der Überflutungsflächen der Gewässer: Regelungen in den Hochwasserschutzgesetzen hilfreich, aber für Kommunen ist der Flächenkauf bei Gewässern 2. Ordnung nicht einfach, am Gewässer 1.Ordnung (Weiße Elster) läuft es gut
- einige öffentlichkeitswirksame Projekte gestartet, die Bewusstsein für die Klimakrise schaffen sollen, z.B.: - frei verfügbare innerstädtische Echtzeit-Klimadaten über das Geoportal einsehbar (Netzwerk von Klimasensoren wird über die Freifunkkommune Gera-Greiz aufgebaut und durch die Verwaltung unterstützt)
- temperaturabhängige Eintrittspreise im Tierpark (steigt die Temperatur in der Innenstadt über 30 °C („heißer Tag“) sinken die Preise im Tierpark (Erholungseffekt, kühler Aufenthaltsort, Bewusstseinsschaffung) –
- Einstellung eines Klimaschutzmanagers, der solche Themen in Zukunft in der Stadt adressieren soll, sowohl in der Öffentlichkeitsarbeit wie auch in der Umsetzung

4. Welche politischen Rahmenbedingungen und welche Partner bräuchte es, um den angesprochenen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen?

- enge Zusammenarbeit zwischen dem Bund/Land und den Kommunen
- gesetzliche Regelungen und Grundsatzentscheidungen:
- Schärfung und Konkretisierung des Thüringer Klimagesetzes und Hinterlegung mit gut nutzbaren finanziellen Instrumenten
- konkrete städtische Vorgaben zum Beispiel im Bereich Bau und Flächenplanung, wie auch im Bereich Stadtgrün
- Haushaltssichernde Kommune, fehlende finanzielle Mittel: einfache und übersichtliche Förderprogramme ohne große Eigenmittelaufwendungen


Veröffentlichung: 23.09.2019