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Sonderausstellung: Kurt Günther - Zwischen Dur und Moll.

Werke des Meisters der Neuen Sachlichkeit aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera - vom 6. Dezember 2019 bis 8. März 2020 in der Orangerie


Kurt Günther Selbstbildnis mit Fliege,1925 Öl auf Leinwand 66,0 x 51,0 cm Die Kunstsammlung Gera präsentiert ab 6. Dezember 2019 in der Orangerie die Ausstellung: Kurt Günther - Zwischen Dur und Moll. Werke des Meisters der Neuen Sachlichkeit aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera

Der 1893 in Gera geborene Kurt Günther ist neben Otto Dix der bedeutendste Vertreter des sozialkritischen Realismus und der Neuen Sachlichkeit in Thüringen. Seine Arbeiten changieren „zwischen Dur und Moll, Taghelle und Nächtlichkeit, zwischen Unschuld und Raffinement, Grauen und Bewunderung“, so der zeitgenössische Kunstkritiker Franz Roh 1928.

Tatsächlich hat sich das Werk Günthers aus einer Nähe zum aggressiven Verismus Dixschen Formats zu einem eher abgeklärten internationalen Neoklassizismus entwickelt, ohne beide Extreme je ganz intendiert und erreicht zu haben. In der Wertschätzung Franz Rohs rangiert Kurt Günther neben - nicht nach - Otto Dix: „Sie stellen beide den einzig wichtigen Beitrag Thüringens zur Malerei des neuen Verismus dar.“

Als Sohn des Besitzers einer renommierten lithographischen Anstalt schien Kurt Günthers Weg vorgezeichnet zu sein. Um „Entwerfer für Lithographie“ zu werden, studierte er in Leipzig und Dresden. 1914 wurde er zum Militärdienst einberufen. Wegen einer schweren Lungenerkrankung vorzeitig entlassen, begab er sich nach einem Heimataufenthalt Anfang 1919 zur Genesung nach Davos, wo er Ernst Ludwig Kirchner kennenlernte.

Ende 1919 kehrte er in den Dresdner Künstlerkreis um Otto Dix, Otto Griebel und Conrad Felixmüller zurück und gelangte in die Einflusssphäre der anfänglich dem aktivistischen Expressionismus verpflichteten Dresdner Sezession 1919. Die in diesem Kreise gepflegte expressionistische Formensprache wurde recht bald durch aufrüttelnde sozialkritische Darstellungen, die vor allem das Proletarier- und Rotlichtmilieu wiedergaben, abgelöst. Mit der Veränderung der Bildmotive erfolgte eine Wandlung der Bildsprache: ein neuer Realismus hielt Einzug im Schaffen der Künstler.

Nach seiner Heirat mit der Kunstgewerbestudentin und Prager Bankierstochter Viola Schulhoff, die auch Otto Dix verehrt hatte, verließ er Dresden und ging nach Prag und Bad Reichenhall. 1924 kehrte er nach der Ehescheidung in die vitale und kulturell angeregte Atmosphäre der Großstadt Gera zurück.
Hier entwickelte er in seinen Porträt- und Frauendarstellungen eine eigenwillig erotische Variante des Verismus. Günthers neusachliche Arbeiten aus den 1920er Jahren stellen zweifellos die kreativste und bedeutendste Phase in seinem Werk dar. Mit ihnen lieferte er einen nicht zu unterschätzenden Beitrag zur Etablierung der Neusachlichen Kunstrichtung.

Nach zwei Aufenthalten in Paris 1931 erwarb Günther ein Gehöft in Kaltenborn nahe Gera und zog sich dorthin in die dörfliche Isolation zurück. Kurze Zeit darauf lernte er bei dem Architekten Thilo Schoder Maria Fock kennen, die er 1932 heiratete. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurden auch Kurt Günthers Werke aus verschiedenen Museen entfernt und auf den großen Feme-Schauen der Nationalsozialisten als Entartete Kunst diffamiert. Wie auch Otto Dix zog sich Günther in die innere Immigration zurück, es entstanden nunmehr vor allem Landschaften und Porträts.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Günther von der Landesregierung Thüringen zum Professor ernannt. Geplagt von Krankheiten und fernab der großen Kunstzentren fehlten ihm aber für einen erfolgreichen Neuanfang Anregung und Motivation, während Otto Dix sein bemerkenswertes Alterswerk schuf. Während der einstige „Bürgerschreck“ Dix deutschlandweit anerkannt wurde, entwickelte sich Günther zu einem geschätzten Maler in seiner Heimat.

Die Kunstsammlung Gera hat es sich zum Ziel gesetzt, Kurt Günthers Werk zu würdigen und dazu beizutragen, dass ihm ein angemessener Platz in der Kunstgeschichte zugewiesen wird. Mit dieser Ausstellung präsentiert sie 110 Exponate - 20 Gemälde, 70 Aquarelle, Zeichnungen und 20 Druckgrafiken - aus dem eigenen umfangreichen Sammlungsbestand, ergänzt durch ausgewählte private Leihgaben aus dem Nachlass des Künstlers. Neben zentralen neusachlichen Arbeiten, die von einfühlsamen Porträts bis zu kühnen Aktdarstellungen reichen, werden Werke aus allen Schaffensphasen von frühen akademischen Arbeiten bis zum Alterswerk gezeigt.

Kurt Günther Mondnacht,1935 Tempera und Öl auf Holz 96,3 x 70,5 cm Kurt Günther - Biographie

1893
Am 1. Dezember in Gera als dritter Sohn des Lithographen Ernst Traugott Günther und seiner Frau Anna Ottilie geboren.

1900 - 1909
Besuch des Geraer Realgymnasiums.

1909 -1910
Lithographenausbildung in der Firma seines Vaters. Schüler im Zeichenunterricht von Paul Neidhardt

1911 - 1914
Besuch der Akademie für Graphische Künste Leipzig. 1913 Besuch der Dresdner Kunstgewerbeschule und ab 1914 Studium an der Kunstakademie in Dresden.

1914 - 1917
Militärdienst. Schwere Lungenerkrankung. Rückkehr nach Gera.
1918 Genesung und kurzzeitiger Aufenthalt in Dresden.

1919 - 1920
Sanatoriumsaufenthalt in Davos (Schweiz). Stilllegung eines Lungenflügels. Bekanntschaft mit Ernst Ludwig Kirchner und Karl Stirner. Erste expressionistische Holzschnitte und Gouachen.

1920 - 1921
Fortsetzung des Studiums an der Kunstakademie in Dresden. Meisterschüler von Otto Gussmann. Mitglied der Dresdner Dada-Gruppe um Otto Griebel, Otto Dix und dem Komponist Erwin Schulhoff. 1920 Dada-Phase

1921 - 1924
Aufenthalt in Prag und Bad Reichenhall. Ehe mit der Malerin Viola Schulhoff.

1924 - 1929
Rückkehr nach Gera. Mitglied des Künstlerbundes Thüringen. Zeit der Porträts und Frauendarstellungen im Stil der Neuen Sachlichkeit. Aquarellphase und Ausprägung seines erotischen Verismus. 1928 erste Einzelausstellung in der renommierten Galerie Neumann und Nierendorf Berlin.

1930 - 1931
Zweimaliger Aufenthalt in Paris. Aktstudien an der Académie de la Grande Chaumière. Beginn einer stillen und sinnlichen Phase seines Schaffens.

1932 - 1944
Übersiedlung nach Kaltenborn, einem Dorf in der Nähe von Gera. Ehe mit seiner zweiten Frau Maria. 1934, 1939, und 1942 Geburt der Kinder Gudrun, Roswitha und Jörg. 1933 Durchsuchung des Ateliers durch die Gestapo. 1937 Diffamierung als "Entarteter Künstler". 10 Werke werden aus der Sammlung des Museums entfernt. 1940 im Porträt Orientierung an altdeutscher Zeichenkunst von Dürer, Holbein d. J. und Cranach. Hinwendung zur Landschaftsmalerei. 1944 zum Volkssturm eingezogen.

1945 - 1953
Rückkehr nach Kaltenborn. Tätigkeit als Volksschullehrer. 1946 Ernennung zum Professor durch die Landesregierung Thüringen. 1948 Anzeichen von Depressionen. 1952 wechselnder Wohnsitz in Gera und Kaltenborn. 1953 Verschlechterung seiner physischen und psychischen Verfassung.

1955
Am 12. Februar in der Psychiatrischen Klinik Stadtroda verstorben.

Besucheranschrift
Kunstsammlung Gera, Orangerieplatz 1, 07548 Gera

Kontaktdaten
Telefon: +49(0)365 838 42 50,
Telefax: +49(0)365 838 42 55
E-Mail: kunstsammlung@gera.de
Internet: www.gera.de

Öffnungszeiten
Mittwoch bis Sonntag, Feiertag 12 – 17 Uhr
24.12.2019 / 30.12.2019 / 31.12.2019 geschlossen
01.01.2020 12 – 17 Uhr


Veröffentlichung: 06.12.2019