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Oldtimer Fleischerbusse von Oberbürgermeister Julian Vonarb in ihrer Heimat Gera begrüßt


Heute (17. Juli) sind sie nach Hause gekommen: die Busse der Geraer Karosserie- und Fahrzeugfabrik für Karosseriereparatur und den Bau von Aufbauten und Anhängern. In dem von Fritz Fleischer gegründeten Unternehmen wurden über ein halbes Jahrhundert – von 1927 bis zur Wiedervereinigung – Fahrzeuge erneuert, umgebaut und entwickelt, unter ihnen die mittlerweile berühmt gewordenen Fleischer-Busse. Anlässlich des 1. Heimweh-Treffens der Busse trafen sich heute neben der Familie Fleischer und ehemaligen Mitarbeiter*innen zahlreiche Liebhaber der Omnibusse und die Oldtimerfreunde Gera zum Empfang. Oberbürgermeister Julian Vonarb würdigte die Pflege der Erinnerung an großartige Ingenieurkunst und gedachte dem Unternehmer Fritz Fleischer als herausragende Persönlichkeit der Stadt: „Es ist schön, dass es auch heute noch – rund drei Jahrzehnte nach der Stilllegung des Unternehmens von Fritz Fleischer – so viele Menschen gibt, welche die Ingenieurkunst, die in diesen Fahrzeugen steckt, wertschätzen und sich daran erfreuen können. Wir blicken auf eine lange Tradition als Industriestadt zurück. Nicht nur in der Textilerzeugung und Elektronik, sondern auch auf dem Gebiet des Maschinen- und Karosseriebaus weist Gera beachtenswerte Erfolge auf. Diese wunderschönen Busse, die heute hier stehen, legen Zeugnis davon ab.“

Das besondere an den Fleischer-Bussen ist die für jene Zeit luxuriöse Ausstattung und hochwertige Verarbeitung. Das war aufgrund der chronischen Materialknappheit zu DDR-Zeiten nur mit großem Aufwand zu schaffen. Fritz Fleischer war in vielen technischen Fragen Pionier. 1927 übernahmen der gebürtige Geraer gemeinsam mit Werner Bergner die Stellmacherei einer ehemaligen Hofwagenfabrik. Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges konzentrierte sich die Firma auf Karosseriereparaturen und den Bau von Sonderfahrzeugen aller Art. Das Unternehmen wurde schnell erfolgreich und expandierte. Ab 1939 war es in Gera-Tinz ansässig. 1947 begannen Fritz Fleischer und sein Ingenieur Martin Seipolt mit der Herstellung von Omnibusaufbauten; es wurden zunächst Einzelanfertigungen für verschiedene Einsatzgebiete produziert. 1958 erhielt Fleischers Firma eine staatliche Beteiligung für den Omnibus-Bau. Damit begann die Produktion des berühmten Omnibustyps S2 in Kleinserie, dessen zweite Generation in seiner Grundform bis 1990 gebaut wurde.

Ein Blick auf die Biographie des Unternehmers und die Unternehmensgeschichte verdeutlicht, dass Fleischer über einen beachtenswerten Tatendrang und beispiellosen Durchhaltewillen verfügte. So beschädigte der Bombenangriff auf Gera in den letzten Kriegstagen 1945 das Fabrikgebäude schwer und Fritz Fleischer selbst wurde lebensgefährlich verletzt. Acht Mitarbeiter starben. Im Juli 1945 wurde die Fabrik durch eine Gasexplosion in der Nachbarschaft restlos zerstört. Doch bereits zwei Monate später nahm Fritz Fleischer den Betrieb wieder auf und spezialisierte sein Unternehmen auf den Aufbau von Karosserien auf vorhandenen Wehrmachtsbeständen der Roten Armee.

Bis zum Verkauf und zur Schließung des Unternehmens 1990 wurden rund 1.000 Busse produziert. „Die Geschichte von Fleischers Unternehmen ist beispielhaft für den Pionier- und Entdeckergeist vieler Geraer Industriellen und Unternehmer in den letzten Jahrhunderten und zeigt auf eindrucksvolle Weise wie experimentierfreudig diese Stadt und ihre Bevölkerung sind. Daran wollen wir anknüpfen: Gera will im Bereich vernetzter und nachhaltiger Mobilität eine Vorreiterrolle einnehmen und sich dauerhaft als Experimentier- und Lösungsraum etablieren, in dem wie in einem Labor neue Technologien, Infrastrukturen und Mobilitätsangebote bis zur Einsatzfähigkeit unter echten Bedingungen getestet werden“, erklärte Vonarb mit Blick in die Zukunft.

Veröffentlichung: 17.07.2021