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Eiszeitliche Knochen aus Gera

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse im Museum für Naturkunde Gera


(Stadt Gera) Am heutigen Montag (25.07.) erfolgte die Rückgabe des im September 2020 an die Universität Köln entliehenen Knochenmaterials eiszeitlicher Tierarten aus der Lindenthaler Hyänenhöhle zurück an das Museum für Naturkunde Gera. Die untersuchten Geraer Knochen lieferten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern unter anderem zahlreiche Informationen über das Alter und die Ernährung von Tierarten wie Wollhaarnashorn, Wisent, Rentier und Pferd. Herr Florian Sauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Köln, berichtete zum Pressetermin anlässlich der Rückgabe der Fundstücke von den bisher erfolgten Untersuchungen und Ergebnissen. Außerdem informierte der Kölner Wissenschaftler über fortführende Studien zur speziellen Rolle der Knochen aus der Lindenthaler Hyänenhöhle sowie zum Gesamtbild des Forschungsprojektes.

Die Lindentaler Hyänenhöhle wurde im Spätherbst 1874 im heutigen Stadtteil Pforten im Kreuzungsbereich der Pfortener Straße und der Robert-Blum-Straße entdeckt. Sie bestand aus zwei Felsspalten und war mit zahlreiche Knochen, Knochensplittern und Zähnen gefüllt. Die Geraer Höhle war vor vielen tausend Jahren ein sogenannter Hyänenhorst, der von Höhlenhyänen zum Fressen der Beute und höchstwahrscheinlich zum Aufziehen der Jungen genutzt wurde. Im Fall der Lindentaler Hyänenhöhle enthielt das Lockermaterial in den Felsspalten Knochenreste von mehr als dreißig eiszeitlichen Tierarten. Auch wurden viele Reste der Höhlenhyänen selbst gefunden, darunter sehr junge, aber auch alte Tiere mit verknöchertem Kiefer und bis auf die Wurzel abgenutzten Zähnen.

v.l.n.r.: Frank Hrouda (Museumspädagoge im Museum für Naturkunde Gera), Dr. Andreas Gerth (kommissarischer Leiter des Museums für Naturkunde Gera) & Dr. Florian Sauer (wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Köln) (Stadt Gera) Die Kölner Forschenden untersuchen gemeinsam mit Leiter Professor Jürgen Richter die Menschheits- und Umweltgeschichte während der Entstehung der anatomisch modernen Menschen vor 190.000 Jahren in Afrika. Außerdem analysiert das Team die dazugehörige Einwanderung nach Europa, vor allem die dort stattgefundenen Ausbreitungs- und Rückzugsbewegungen prähistorischer Populationen. Aus diesem Grund war auch das Interesse an Knochenmaterial vom typischen Jagdwild des Neandertalers für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler groß.

Durch den hohen Proteinanteil in den Knochen und Zähnen aus der Fundstelle in Gera konnte unter anderem eine erfolgreiche Altersbestimmung mittels Radiocarbondatierung im Curt-Engelhorn-Zentrum für Archäometrie gGmbH in Mannheim durchgeführt werden. Im Ergebnis wurde das Alter von sechs Fundstücken recht präzise festgestellt. Beispielsweise wurden zwei Proben vom Pferd mit jeweils 46.000 bis 44.000 und 41.000 bis 40.000 Jahren vor heute datiert. Noch etwas älter ist das Ergebnis der Datierung eines Wollhaarnashornknochens mit 47.000 bis 46.000 Jahren vor heute.

Im Jahr 2024 ist das 150-jährige Jubiläum der Entdeckung der Lindenthaler Hyänenhöhle. Dies wird im Rahmen einer Sonderausstellung gewürdigt. Dabei wird auch das Knochen- und Zahnmaterial der eiszeitlichen Tiere aus der Lindenthaler Hyänenhöhle präsentiert.


Veröffentlichung: 25.07.2022