deutsche Version dieser Seite deutsch | english version of this page english | Schriftgröße: - A A + | GeoPortal Stadtplan anzeigen
Logo Bender Interaktiver Stadtplan
Suche


„Dix-verblümt“ und wiederentdeckte Plastiken

Weiteres Projekt zur Entente Florale lässt Geraer Stadtteil Untermhaus erblühen

Noch farbenprächtiger präsentiert sich künftig Geras Stadtteil Untermhaus. „Dix-verblümt“ heißt eines der Projekte, mit dem Gera bei der diesjährigen Entente Florale punkten und in der Otto-Dix-Stadt eine weitere „grüne Lunge“ gestalten will. „Mit dem Titel knüpfen wir bewusst an die erfolgreiche Ausstellung ‚Dix-unverblümt‘ im Jahr der Bundesgartenschau 2007 an. Wir setzen die Schau sozusagen mit gärtnerischen Mitteln fort“, sagte Geras Baudezernent Ramon Miller am 27. April. Im direkt am Ufer der Weißen Elster gelegenen Hofgut gab er den Start zu diesem Vorhaben.


Der Maler und Geraer Ehrenbürger Otto Dix wurde 1891 in Untermhaus geboren. Mit Pflanzungen im Bereich seines Geburtshauses soll dieses Projekt der Entente Florale auf den Meister der Neuen Sachlichkeit und des Expressionismus als Imageträger für die Stadt Gera hingewiesen werden. In Vorbereitung von „Dix-verblümt“ habe man den Katalog der Ausstellung nach Pflanzen und Blumen durchforstet, die Dix besonders gern gemalt und gezeichnet habe, ergänzte Andrea Willmaser vom städtischen Büro „Gera blüht auf“. Das seien eine bestimmte rote Rose, eine schwarze Malve, eine besondere Schwertlilie und Mohn (Papaver).

Sie dominieren in verschiedenen Konstellationen drei Pflanzungen. 65 rote Rosen und 40 schwarze Malven – in Dix‘ Werken stehen sie symbolisch für Eros und Tod – wurden im Garten des Dix-Hauses gepflanzt. Dieser selbst wurde parallel dazu in die „Kur“ genommen, durchgearbeitet und Bänke zum Verweilen aufgestellt. Derzeit kümmern sich die Mitarbeiter des Museums um den nur 65 m² großen Garten, dessen Gedeihen man künftig gern in die Hände von Pflegepaten legen würde.

„Papaver-Palaver“ gibt es am Südrand des Biermannplatzes an der Grenze zur Küchengartenallee. Für das Bild wurden Mohn und Sonnenblumen ausgesät. Dass dies realisiert werden konnte, ist zum einen dem Betrieb „Elsteraue“ zu danken, der eine Fräse bereitstellte, zum anderen dem Integrationsbetrieb des Lebenshilfe e.V., dessen Mitarbeiter die Erde umgebrochen und den von der Rieger-Hoffmann GmbH aus Blaufelden gespendeten Blumensamen in die Erde gebracht haben. Auch der Irisgarten im Hofwiesenpark profitiert von „Dix-verblümt“. Dort wurden die vorhandenen Pflanzen um je 30 weiße und dunkelviolette Iris germanica ergänzt.


In dieses Entente-Florale-Projekt einbezogen ist auch das Hofgut selbst. Wo zur Buga 2007 Goethe-Pflanzen dominierten, nimmt derzeit ein Eros-Garten Gestalt an. Dort werden, kombiniert mit vorhandenen Pflanzen, mehr als 80 Rosen und 50 Lavendel – von Fettnäpfchen-Chefin Eva-Maria Fastenau bei zahlreichen Spendern organisiert – erblühen, werden die Staketen an der Mauer ergänzt sowie mit Brom- und Himbeeren gepflanzt, entsteht ein Kräutergarten. Dort finden aber auch seit der Wende im Bauhof eingelagerte Skulpturen ein neues Domizil. Die aus Marmor und Sandstein geschaffenen Plastiken, deren Autoren zumeist nicht mehr bekannt sind, ranken sich alle um das Thema „Eros“. Dazu gehören ein Frauenakt und ein „Kleines Paar“, das Relief eines liegenden Paares und der „Apfel“. Später soll noch eine Wasserschale hinzukommen.

In einem anderen Teil des Innenhofes finden die Besucher aber eine ganz andere Figur – Lenin. „Er wird bewusst in diesem Zusammenhang wieder aufgestellt – nicht als Objekt einer ideologischen Zur-Schau-Stellung, sondern als Präsentation eines beachtenswerten künstlerischen Werkes in einer von Kultur und Kunst und nicht von einem ideologischen Machtanspruch geprägten Umfeld im Hofgut“, begründete Ramon Miller diese ungewöhnliche Konstellation. In Gegensatz zu anderen Lenin-Statuen in der DDR sei der von dem Berliner Bildhauer Gerhardt Thieme geschaffene und 1972 von der Stadt Gera angekaufte Lenin „nicht in einer pompösen Staatsgründerpose, sondern als nachdenklicher Mensch dargestellt“.

Fotos:
1. Baudezernent Ramon Miller (l.) und der Künstler Windreid Wunderlich vor einer der Plastiken im Hofgut, deren Schöpfer nicht bekannt ist.
2. Auch die Leninstatue fand im Hofgut einen Platz. Die Kabarettisten des "Geraer Fettnäppchen", die auch dort ein Domizil haben, zogen ihm eine "rote Socke" an.


Veröffentlichung: 27.04.2009