deutsche Version dieser Seite deutsch | english version of this page english | Schriftgröße: - A A + | GeoPortal Stadtplan anzeigen
Logo Bender Interaktiver Stadtplan
Suche

Historie Cretzschwitz/Söllmnitz

(Autor: Frau Mosch, Vorsitzende des Heimatvereins „Heimatfreunde Cretzschwitz e.V.“)

(Cretzschwitz aus der Luft gesehen; Foto: S. Mosch) Cretzschwitz

Im Jahr 1121 erfolgte die erste urkundliche Erwäh-nung als Gresewitz, in dem das Kloster Bosau seinen Besitz hatte. 1146 wird der Ort als Crescuwice bezeichnet. Der Mittelpunkt war in der damaligen Zeit das Rittergut, welches bis zum Jahr 1381 der Familie von Selmnenitze und danach der Familie von Schauroth gehörte.
1533 war Kretschwitz, danach Kretzwitz und im Volksmund „Kreschwitz“ genannt, ein nach Dorna in Kirche und Schule gerichteter Ort, meist von Wald umgeben. Ein kleines, freundliches eingebuchtetes Dörfchen der Hochebene, 1 Stunde nördlich von Dorna und ¼ Stunde oberhalb Söllmnitz, am Rießbach und am Zusammenstoße zweier Gründchen, zwischen bewaldeten Höhen, neben 6 Teichen von Ost nach West gebaut und in der Dorfmitte 750 Fuß hochgelegen (mittelalterliche Beschreibung). Bis 1888 war es ein Bauerndorf mit Rittergut zuletzt im Besitz derer von Brandenstein auf Hain.

1888 erfolgte die Gründung des Betriebes „Reussengrube“, danach unter „Reussengrube Erdfarben- und Verblendsteinfabrik Gera/Reuss AG“ bekannt.

(Söllmnitz vom Stausee aus gesehen, Foto: U. Weithaas) Söllmnitz

1900 begann der Bau der Wuitz-Mumsdorfer Eisenbahn mit Werkanschlussgleis nach Cretzschwitz. Die Einstellung böhmischer Arbeitskräfte und eine allgemeine Zuwanderung von Arbeitern in den Ziegeleibetrieb brachte den Wandel vom Bauerndorf zum „Industriebereich“.

1946 wurde die Reussengrube zwangsenteignet und es begann die Demontage der Maschinen und 1948 wurde die „VEB Reussengrube“ gegründet.

1953 erfolgte die Gründung der LPG Typ 1 später Typ 3 mit Söllmnitz und Wernsdorf, anschließend die Teilung in die Bereiche Tier- und Pflanzenproduktion.

1957 wurde die Schule geschlossen; Söllmnitz bzw. Brahmenau sind jetzt die Schulorte und der Kindergarten wird im ehemaligen Schulgebäude untergebracht.

1959/60 wurden 5 Mehrfamilienhäusern für Arbeiterfamilien errichtet.

Mit der Wiedervereinigung erfolgt in allen Bereichen eine große Umstrukturierung und das bis dahin bekannte Leben im Dorf wird neuen Maßstäben angepasst.

Ab 1992 erfolgt der Neubau von 8 Eigenheimen und Modernisierung bestehender Gebäude.

Im Mai 2003 gründete sich der Heimatverein „Heimatfreunde Cretzschwitz e.V.“. Anliegen des Vereins ist die Förderung dörflicher Traditionen, die Durchführung allgemeinnütziger Veranstaltungen, die Erstellung der Ortschronik, Gestaltung und Pflege öffentlicher Flächen sowie die Instandsetzung und Pflege öffentlicher Denkmäler.
Söllmnitz wurde 1121 urkundlich das erste Mal als Selmitz erwähnt. Es wurde verschieden gesprochen und geschieben. 1121 sagte man Selmitz, 1146 Selmse, 1333 Selmenitz. Im Volksmund sagt man heute noch „Sellmser“.
Söllmnitz entstand am Rothenbach - heute Stausee - aus zwei Häusergruppen und drei Vorwerken. Die dritte dazugehörende Häusergruppe war Lauenhain.

Söllmnitz ist Stammsitz eines weit verzweigten Rittergeschlechts. Vom 13. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts gehörte es einem aus Meißen stammenden Geschlechtes, die den Namen „Herren von Sellmenitz“ annahmen.

Der Name Söllmnitz wird gedeutet: „Im oder hinter dem Steinbruch“. Dies ist nachzulesen in „Unserer Zeit“ von E.P. Kretschmer. Es wäre demnach eine Sorbensiedlung gewesen.

Ende des 13. Jahrhunderts legten Conrad und Sauder von Selmenitz aus besonderer christlicher Andacht den Grundstein zur damaligen Kirche. Die Herren von Sellmnitz erweiterten die von der Urpfarrei Dorna versorgte Söllmnitzer Kapelle zur Pfarrkirche. Die Pfarrei Söllmnitz soll bis ins erste Jahrzehnt nach der Reformation bestanden haben. Fast 400 Jahre, bis 1927, wurde die Gemeinde vom Pfarramt in Hirschfeld versorgt und seit dieser Zeit vom Pfarramt Pölzig.

Die jetzige Kirche ist ein Erweiterungsbau aus der Zeit der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert. Der Turm ist jüngeren Datums. Alle Veränderungen, die die Grundherren in der Zeit vom ausgehenden 17. bis 19. Jahrhundert vornahmen, betrafen zumeist die Innenausstattung. Der Turm ist ein auf der Dachmitte aufgesetzter Dachreiter mit hohem spitzem Helm. Leider hat sich der Zustand der Kirche in den letzten Jahren gravierend verschlechtert und bedarf einer ganz dringenden Sanierung.

Eine Witwe des Geschlechts derer von Selmenitz stand mit Martin Luther in Briefkontakt und erhielt von diesem 1523 im Kloster St. Georg heimlich das heilige Abendmahl. Um 1858 starb das Geschlecht von Selmenitz aus.

Seit Anfang 1600 waren eine Brauerei und eine Brennerei in Betrieb, die einen sehr guten Ruf hatten. Wein- und Hopfenanbau waren damals ein Hauptertrag, die Flurnamen sind bis heute erhalten geblieben.

Söllmnitz entwickelte sich nach der Wende rasch zu einem attraktiven und schönen Dorf.

1992 erfolgte der erste Spatenstich für das Wohngebiet „Am Weinberg“. Es entstanden hier 42 Einfamilien- und Doppelhäuser an einem leichten Südhang am Ortsrand von Söllmnitz.

Söllmnitz nutzte die Dorferneuerung, das Programm zur Verbesserung der ländlichen Infra-struktur, um einen Teil der Straßen und die Wasserver- und Abwasserentsorgung zu sanieren.

Mit Bekanntwerden der vorbereitenden Planungen für einen Windenergiepark auf der Hoch-ebene von Söllmnitz im Jahr 1996 begann der Kampf eines Großteils der Einwohner, insbesondere aus dem neuen Wohngebiet, die am meisten die Auswirkungen der zehn Windräder zu spüren bekommen hätten. Sie schlossen sich in einer Bürgerinitiative zusammen und traten gemeinsam mit Unterstützung des Ortschaftsrates gegen dieses Projekt an. Im Sommer 1998 wurden die Planungen entgültig eingestellt.


(Lauenhain Ortseingang; Foto: S. Starke) Lauenhain

Es wurde erstmals urkund-lich 1333 erwähnt.

Es bestand aus einem Hauptvorwerk und war einziger Zugang zum Rittergut. Dieses lag umgeben von großen Teichen und Sumpfgebieten auf einem lehmhaltigen mit trinkbarem Wasser angereicherten Untergrund. Es stand geschützt durch den Wald, der an das Gut angrenzte.

Es gilt als sicher, dass sich der Name von Lauenhain von einem Ritter oder einer anderen Gründerfamilie (Untergrund) herrührt, welcher einen Löwen in seinem Schild trug. Die Wortbezeichnung „Hain“ bedeutet ein geschützter, umzäunter Ort. Lauenhain gehörte ebenso wie Söllmnitz bis 1527 zur Parochie Dorna.

Heute noch ist Lauenhain eine kleine in sich geschlossene Gemeinschaft.




Wernsdorf

1364 erstmals urkundlich erwähnt. Es war ein großzügig angelegter Ort, zur damaligen Zeit.

Wernsdorf war seit 1839 der Schulstandort auch für die Kinder von Söllmnitz. Bis dahin mussten die Kinder nach Hirschfeld in die Schule gehen. Die Schule wurde 1971 geschlossen und die Kinder besuchten anschließend in Brahmenau die Schule.

Bis 1979 war Wernsdorf eine eigenständige Gemeinde und wurde dann in die Gemeinde Söllm-nitz eingemeindet.

Nach unterschiedlichen Nutzungen wurde das ehemalige Schulgebäude Ende der 80ziger Anfang der 90ziger Jahre als Jugendclub genutzt. Die Jugendlichen haben mit viel Eigeninitiative die Räume selbst saniert und hergerichtet. Das Gebäude selbst wurde durch den Eigenbetrieb ZGGW der Stadt Gera teilsaniert.

Auf dem Steinberg mit 308 m über NN befindet sich heute die zentrale Brunnenanlage für die gesamte Ortschaft.


(Traditionseisenbahn; Foto: S. Mosch) Die Wuitz- Mumsdorfer Eisenbahn; (Autor: Herr Weithaas, Frau Starke, Ortsteilbürgermeisterin)

Anfang 1900 begann in Söllmnitz der Tonabbau für das ehemalige Dachziegelwerk A.G. Cretzschwitz.

Am 6. Juli 1900 erfolgte die Gründung der Gera-Meuselwitz-Wuitzer Eisenbahn AG (GMWE) und Söllmnitz erhielt 1901 einen Bahnhof. Die Bedeutung des Bahnhofs Söllmnitz lag hauptsächlich in der Funktion eines Trennungsbahnhofs für die hier abzweigende Strecke zur Dachziegelfabrik Reußengrube Cretzschwitz. Im Bahnhof Söllmnitz konnten Zugkreuzungen stattfinden. Die Einfahrten waren durch Trapeztafeln gesichert. Außer den 3 Durchfahrgleisen besaß der Bahnhof ab 1921 ein Anschlussgleis, welches der Reußengrube gehörte und sich neben der Hochrampe befand.
Durch ein verheerendes Hochwasser am 3. Mai 1969, im gesamten nördlichen Raum Geras, wurden die gesamten Gleisanlagen sowie die Station Gera-Pforten verwüstet.

Eine Neuindienststellung kam aus wirtschaftlicher Sicht nicht in Frage, da die Stilllegung für 1970 sowieso geplant war. Damit wurde auch der Personenverkehr von und nach Gera eingestellt.

Ab dem 1. Mai 1969 übernahm der Kraftverkehr die Beförderung von und nach Gera.

Am 19. Mai 1969 verlässt der entgültig letzte Zug Gera-Pforten und überführt die letzten Fahrzeuge nach Wuitz-Mumsdorf zur Verschrottung.

Das Bahnhofsgebäude wurde durch NAW-Einsatz der Bürger von Söllmnitz in ein Kulturhaus umgebaut. Die Einweihung fand 1976 statt und ab diesem Zeitpunkt bildete es ein gastronomisches, kulturelles und sportliches Zentrum in der Gemeinde.

Am 13. Mai 1977 wurde eine Dampflokomotive der Baureihe 99 555 und zwei Reisezugwagen aus dem Jahre 1922, als Wahrzeichen und Erinnerung an die Eisenbahngeschichte des Ortes, vor dem Kulturhaus aufgestellt. 1993 schloss die Gaststätte und fand seit dem keinen Betreiber.

Der Ortsteilrat entwickelte im letzten Jahr gemeinsam mit dem Eigenbetrieb ZGGW, der Freiwilligen Feuerwehr, dem Feuerwehrverein und weiteren Vereinen von Söllmnitz ein neues Konzept, das ehemalige Kulturhaus zu sanieren und wiederzubeleben.

Leider mussten sich die Söllmnitzer Bürger am 24. August 2002 von der Traditionseisenbahn und den beiden Personenwagen wieder trennen. Die Lokomotive und die beiden Wagen waren in einem solch schlechten Zustand, der eine fachgerechte und vor allem teure Instandsetzung notwendig machte. Alle Bemühungen zur Gründung eines Vereins zum Erhalt und die Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel waren ergebnislos verlaufen.

So entschloss sich der Ortsteilratrat schweren Herzens die Traditionseisenbahn und die beiden Personenwagen an den Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahn e.V. Oybin zu übereignen. Der Verein stellt sich der großen Aufgabe die Lokomotive und die beiden Personenwagen wieder herzurichten und fahrbereit zu machen.