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Historie Langenberg

(Autor: Herr Geiling, Herr F. Lahn, Ortsteilbürgermeister )

Langenberg blickt auf eine wechselvolle und fast tausendjährige Geschichte zurück.

Entstanden unter dem Schutz der Burg auf dem Hausberg hat sich der Ort als deutsche Siedlung schnell entwickelt. Der Name des Ortes kommt nicht von „langen Berg“ sondern wird durch E-P. Kretschmer als „schützender befestigter Ort – der langen Burg“, entsprechend dem auffallend schmalen und langgezogenen Grundriss der oberen Burg gedeutet.

Die Entstehung und der Niedergang der Burg liegt wie so oft im Dunkeln der Geschichte. Die einen vermuten dort bereits im 9./10. Jahrhundert eine befestigte Militärstation, aus der dann im 11. Jahrhundert eine in Stein errichtete Burg, das „feste Haus“, entstand. Die verschiedenen Meinungen werden genährt durch fehlende Urkunden der Entstehungszeit. Zwar wird in einer Urkunde von 1060 erstmals Langenberg erwähnt, aber leider ist diese Urkunde erst im 13. Jahrhundert entstanden und folglich bestehen ernste Bedenken an deren Echtheit. Mit dem nachträglichen Verfassen der Urkunde wollte das Bistum Naumburg seine berechtigten oder gewünschten Besitzansprüche auf Langenberg unterstreichen.

Das „Burgwardum Langenberch“ hatte eine bestimmte Anzahl von „Burgmannen“. Den Mittelpunkt bildete die Burg, dazu gehörte ein Vorwerk, die sogenannte „untere Burg“ und nach der Burg wurde auch die Pflege genannt.

In einer Urkunde von 1196 wird u.a. ein Burgmann namens Thimo de Langenberc genannt und im Jahre 1238 erstmals in der Urkunde des Markgraf Heinrich von Meißen das „Castrum Langenberg“ mit Gerichtsbann und Zubehör aufgeführt.

Das „obere Haus“, die Burg, wurde im 15. Jahrhundert zerstört, verfiel und diente fortan der Bevölkerung und dem Landesherren als willkommener Steinbruch für die Errichtung neuer Bauwerke, u.a. auch für das „Tinzer Schloss“.

Langenberg war wohl in den vergangenen Jahrhunderten ein begehrter Ort. Es wurde verschenkt, verpachtet, verkauft, verpfändet, vereinnahmt und seinetwegen sogar eine falsche Urkunde erstellt. Damit war 1502 endgültig Schluss und Heinricht der Ältere von Gera kauft die Pflege und musste 15 Jahre später zum Kaufpreis von 40 000 Goldgulden weitere 4 000 dazu legen.

Die Selbständigkeit und die Rechte, wie eigener Gerichtsbezirk, waren auf ewig futsch. Als Ausgleich erhielt Langenberg 1505 einige städtische Privilegien zugestanden, wie eine freie Schenkwirtschaft und „freies“ Baurecht für jedes Haus.

Das ist zugleich das erste bekannte urkundliche Ortsrecht Langenbergs. Ein Burgort war zugleich auch immer Marktort. Dieser Umstand wurde 1643 legalisiert, als der Landesherr urkundlich das Marktprivileg erteilte. So ein Ort benötigt schließlich auch ein Rathaus. Hat es um 1500 schon bestanden, war der Bau durch den Dreißigjährigen Krieg nicht vollendet oder gar zerstört worden? Keiner kann die Frage beantworten. Nach diesem endlosen Krieg, mit dem ein wirtschaftlicher Tiefstand einherging, soll man 1647 begonnen haben, das Rathaus zu bauen. Zu dieser Zeit hatte Langenberg noch 74 Familien mit 333 Seelen, die das Geld für den Bau aufbringen mussten.

Deshalb war der Bau einfach, schlicht, ohne Schmuck und Zierde; trotzdem waren die Langenberger stolz auf ihr Rathaus. Die Jahreszahl 1647 steht jedoch im Widerspruch zu dem Ortssiegel mit der Jahreszahl 1645, mit der Inschrift Marchfleck Langenberg – und der Abbildung des Rathauses mit Turm. Außerdem wird 1505 schon der Weinkeller im Rathaus erwähnt.

Die älteste Kirche im Ort war die kleine Burgkapelle oder Jakobskapelle. Vermutlich wurde sie zusammen mit der Burg und dem Vorwerk 1430 durch die Hussitenstreifzüge zerstört und im 15. Jahrhundert wieder aufgebaut. Später wurde sie zweckentfremdet genutzt und 1920 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

(Pfarrkirche zu den 14 Nothelfern; Foto: S. Willuweit) Der älteste Teil der Pfarrkirche des Ortes ist romanisch und hat im 13. Jahrhundert bereits bestanden.

Es folgten An- und Erweiterungsbauten. Der achteckige Turm stammt aus dem Jahr 1502 und 1754 erhielt die Kirche ihre heutige Gestalt. Der künstlerisch wertvolle Schnitzaltar stammt aus dem Jahr 1486 und zeigt figürlich die 14 heiligen Nothelfer. Ihnen ist auch die Kirche selbst geweiht.
Neben der Kirche befindet sich das bereits 1323 nachgewiesene Pfarrhaus. Auch dieses wurde mehrfach um-, an- und neugebaut. Das jetzige Gebäude stammt aus dem Jahr 1839. Das Hospital war ein weiteres kirchliches Gebäude. Bereits 1534 erwähnt, ist es aber sichtlich älter. Vermutlich eine Stiftung und es befand sich als Siechenhaus außerhalb des Ortes vor dem Stadttor unmittelbar vor der Schule.

Eine Schule hatte Langenberg bereits vor 1505, aber erst nach der Reformation 1533 ist der Lehrer namentlich erfasst. Zuvor hatte auch hier der Kirchner die Geschäfte des Lehrers inne.

Bis 1839 hat jeweils ein Lehrer die Kinder von Langenberg und Stublach unterrichtet. Danach erfolgte die Einstellung eines zweiten Lehrers, da die Schülerzahl bereits 205 betrug.
Erwähnt werden muss hier noch, dass Stublach seit ältesten Zeiten nach Langenberg „kirchte, begrub und schulte“. Zur Parochie (Kirchspiel) gehörten weiterhin Pohlitz und Heinrichshall.

Von 1615 bis 1617 wurde ein neues Schulhaus an Stelle des alten Gebäudes errichtet. Das Haus hatte noch ein Strohdach. 1838 wurde dann ein neues Schulgebäude und 1887/88 eine zweite Schule gebaut, die 1907 erweitert wurde. Durch den Wohnungsneubau bedingt, war die Kapazität erneut schnell ausgeschöpft und deshalb wurde 1966/68 eine neue Schule realisiert. Mittlerweile betrug die Schülerzahl 1040 und diese wurden durch 48 Lehrer in 35 Klassen unterrichtet.

Als weitere öffentliche Gebäude gab es das Gemeindehaus, früher Hirtenhaus und die bereits 1505 urkundlich erwähnte Baderei.

Langenberg hatte unter jedem Krieg zu leiden. Es gab fortlaufend Einquartierungen, Durchmärsche, Plünderungen und Brandschatzungen. Auch die Pest machte um den Ort keinen Bogen und 1633 werden sogar 120 Opfer genannt.

Eine gewisse Berühmtheit erhielt der Ort durch den Frontanz. Versammelt wurde zu Pfingsten das Volk aus Nah und Fern, denn hier wurde Recht gesprochen in alter überkommener und wohlgepflegter Form und Redeweise. Weiter wurden Gesetze, Verordnungen, die Ortssatzung vorgelesen, Bürgeraufnahmen erfolgten und auch der Frontanz fand statt. Es war aber ein Tanz der getanzt werden musste von Tanzpflichtigen, die aus den Ort und den umliegenden Dörfern auf dem Marktplatz zu Langenberg zu erscheinen hatten.
Drei weitere Markttage gab es in Langenberg, und zwar den Rossmarkt im Februar und die Warenmärkte (Pfingst- und Kirmesmarkt) im Mai und November.

An Handwerk finden wir die Tuch- und Leinenweberei, deren Anfänge ins 15. Jahrhundert zurück reichen. Obwohl Innungen nur in der Stadt Gera zugelassen waren, gab es für Langenberg eine Sonderregelung. Hier waren so Innungen der Böttcher, der Zeugmacher und Schneider angesiedelt. Bier wurde auch gebraut und die Langenberger beriefen sich hierbei auf ihre Brau- und Schenkrechte von 1505. Das hiesige Bier war gefragt und den Geraern oft ein Dorn im Auge.

Diese wollten die lästige Konkurrenz loswerden und lösten somit eine erbittert geführte Fehde aus, die sich über 125 Jahre hinziehen sollte. Sogar der Pfarrer von Langenberg braute.

Die ärgste Wegestrecke auf der alten Handelsstraße nach Leipzig war der Langenberger Vorspannberg. Die Fuhrwerke mussten hier eine Steigung von 13 % überwinden. Dies gelang den schweren Fuhrwerken nicht ohne Vorspannen weiterer Pferde. Diesen Umstand nutzten die hiesigen Pferdebesitzer, leisteten Vorspannhilfe und kassierten.

Feuerbrünste waren auch in Langenberg und Stublach zu verzeichnen. So brannten 1592 insgesamt 47 Häuser sowie die Pfarrerei nieder und 1755 am Markt 32 Häuser. Stublach brannte 1686 völlig ab und neben einer Vielzahl anderer Brände gab es zwischen 1787 und 1802 hier eine Brandserie. Im Jahr 1909 lieferte die 1908 erbaute Gasanstalt in der Auenstraße ihr erstes Gas. Die Gemeinde Langenberg kaufte 1920 die Anstalt auf und 1931 wurde der Betrieb eingestellt.

Die Wasserversorgung von Langenberg wurde jahrhundertelang durch die im Rehgrund zu Tage tretenden Quellen über Holzleitungen gesichert und diese ergossen sich in „sechs Stichwasser“, Röhrbottiche aus Stein und Holz.

Der Bedarf stieg um 1900 und deshalb mussten neue Quellen erschlossen werden. Es wurde dann 1912/13 eine Leitung von Rüdersdorf nach Langenberg verlegt und auf dem Hausberg ein Hochbehälter damit gespeist.

Dem Wasser zugetan und auf deren Heilkraft schwörend, ließ sich 1834 in Langenberg
Herr Dr. Blau nieder und gründete einen Kurbetrieb.

Er hätte es bald geschafft, aus dem Ort einen Badeort zu machen. Unwissenheit und Anfeindung aus den Reihen der Geraer Ärzteschaft verleideten ihm seine Tätigkeit und er verließ Langenberg. Für seine Kurpatienten hatte er am Hausberg als Aussichtspunkt, als Pavillon, die kleine hölzerne so genannte „Blauburg“ errichtet.

Mit Langenberg ist eng das Wirken von Christoph Gottlieb Steinbeck (1766 – 1818) verbunden. Er gründete 1795 die erste Geraer Zeitung, die „Aufrichtig deutsche Volkszeitung“. Pfarrer Bauer schreibt: „Nicht nur Licht, auch eine wohltuende Wärme ist von Langenberg ausgegangen“. Steinbeck ist nicht nur der Vater der Geraer Zeitung, sondern auch der Erfinder der Zugöfen, des so genannten Steinbeck’schen Sparofens. Er hat sich als Volksaufklärer weitere Anerkennung erworben. Kalender hatten damals auf die Menschen großen Einfluss und deshalb gab er 1792 ein Kalenderbüchlein mit dem Titel „Der aufrichtige Kalendermann“ heraus. Der Erfolg war überwältigend. Es folgten der „Chronologische Hauskalender“ und Arbeiten zur Brandverhütung und –bekämpfung, wie der „Feuerkatechismus für die niederen Schulen“ und andere Schriften.

Im stürmischen Revolutionsjahr 1848 sorgte der Landkammerrat C. L . Krause und die von ihm mitverfassten „Langenberger Beschlüsse“ für große Aufregung im kleinen Fürstentum.

Aus Langenberg stammt auch der 1893 geborene, über die Stadtgrenzen hinaus bekannte Laienforscher Bruno Brause. Er war ein begeisteter Anhänger der Naturwissenschaften, und in seinen Arbeiten widmete er sich u.a. auch der genauen Vermessung der Burganlage auf dem Hausberg.

Neben dem Handwerk, der Landwirtschaft, dem Weinanbau, dem Obstbau und den Gärtnereibetrieben gab es Kalkbrennöfen, auch Versuche durch Glenck zur Salzgewinnung. Die ersten Bohrungen erfolgten bereits 1822.

Auch Langenberg wurde von der Ende des 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung erfasst.

Bekannte Industriebetriebe wie die Firma „Erste Reußische Klaviaturenfabrik Raaz“, die Mechanische Weberei Gey, die Porzellanfabrik Pufe, das Sägewerk Wilhelm und Otto Spaethe, das Kalkwerk Karl Nitzsche, später Fa. Spaethe, die Großschlächterei und Fleischverarbeitung Frank, später Walter, die Brauerei Kanis und weitere mittlere Betriebe der Holz- und Textilienverarbeitung bzw. Baugewerbe, schießen wie Pilze aus der Erde und bestimmten fortan das Bild des Ortes.

Die Ansiedlung wurde begünstigt durch die 1858 eingeweihte Eisenbahnstrecke Gera-Zeitz und den dann 1893 seiner Bestimmung übergebenen Langenberger Bahnhof.

Am 1. April 1920 wurde Stublach eingemeindet und 1933 erhält Langenberg Stadtrecht.

Nicht unerwähnt bleiben soll, dass 1926 auf Tinzer und Langenberger Flur der Flugplatz Gera eingeweiht worden war. Kurios der Umstand, dass das Empfangsgebäude mit Flughafenrestaurant und die Flughalle auf Langenberger Flur lagen.

Wie überall ist 1945 auch hier ein schwerer Neubeginn. Die Stadt hat die 5000 Einwohnergrenze längst überschritten und zusätzlich haben 1134 evakuierte Vertriebene vorübergehenden Aufenthalt hier gefunden. Wohnungsnot ist angesagt.

Die Stadt Gera will wachsen und denkt deshalb an Eingemeindungen. Ein Kandidat ist Langenberg. Die Verhandlungen beginnen, Versprechungen und am 1. Juli 1950 das Ende des kurzen Intermezzos als Stadt Langenberg.
Am 01.Juli 1950 wird Langenberg in die Stadt Gera eingemeindet.

Aus den Privatbetrieben werden nach 1945 nun volkseigene Betriebe. In den folgenden Jahren finden wir hier die Klaviaturenfabrik Langenberg, das Betonwerk, das Plattenwerk, Fleischverarbeitung, Altstoffhandel „Sero“, eine Gärtnerische Produktionsgenossenschaft, Klärwerk, das Gerawerk, die Betriebsberufsschule der Energieversorgung u.a..

Zwischen 1963 und 1966 werden die Wohngebiete in der DDR-typischen 4-geschossigen Bauweise, die Reimannstraße und die Gebind, errichtet. Es folgten eine große kombinierte Kindereinrichtung, ein großer Schulneubau und 1969 eröffnete die Konsum-Kaufhalle.

Die Wende verändert total den Industriestandort Langenberg. Reprivatisierung erfolgt, mancher Betrieb wird übernommen, viele nicht, neue Betriebe/Unternehmen entstehen. Arbeitsplätze werden rar. Die Plattenbauten werden umfassend saniert, neue Wohnanlagen und Häuser entstehen, Straßen werden gebaut.

(rekontruierte Rathausspitze in der Zeitzer Straße; Foto: S. Willuweit) Der Abbruch des Langenberger Rathauses wird im Dezember 1989 in letzter Minute gestoppt. Angedacht war der Umbau in ein Bürgerhaus. Die Zeit vergeht, nichts geschieht, die Immobilie verfällt und dann plötzlich der Abbruch des wohl fast 500 Jahre alten Gebäudes.
Heute sind eine Vielzahl von Vereinen angesiedelt. Einer davon „Schöner leben in Langenberg“ wurde 1994 gegründet und aus ihm wurde 1997 der „Heimatverein Langenberg e.V.“. Zu seinem Programm gehört der Ausbau der Wanderwege, Aufstellen von Bänken und Tischen, Wegweisern, Orientierungstafeln, Pflege der Heimatgeschichte u.a. mehr.

Die 1822 gegründete privilegierte Schützengesellschaft Langenberg e.V. wurde 1995 neu gegründet und im gleichen Jahr erhielt Langenberg die Ortschaftsverfassung. Franz Lahn wurde zum Ortsbürgermeister gewählt und der Ortschaftsrat gebildet.

Der Ort hat sich im 19. und 20. Jahrhundert grundlegend verändert. Dies geschah durch den Bau der Eisenbahn, der Autobahn, der Elsterregulierung und durch viele andere oft schmerzhafte Eingriffe. Langenberg hat aber trotzdem seinen Reiz behalten.

In den letzten Jahren hat sich das Ortsbild erneut positiv verändert. Schmucke Häuser, Wohnanlagen u.v.a.m. sind neu auf der 8,18 km2 großen Fläche von Langenberg entstanden.

Viel gäbe es noch über den Ort und seine 4577 Einwohner, über die alten und neue Vereine, über die großen sportlichen Traditionen zu berichten, aber leider lässt dies der vorgegebene Rahmen nicht zu.