Bravo, Gera!
Ausstellung eröffnet Internationales BallettFestival

Wenn heute (8. Mai 2026) das Internationale BallettFestival Gera26 beginnt, richtet sich der Blick der internationalen Tanzszene für zwei Wochen auf Gera. Den Auftakt bildet eine Ausstellung, die an die Ursprünge dieser außergewöhnlichen Tanztradition erinnert – und damit zugleich den Bogen in die Gegenwart spannt.
Unter dem Titel „Bravo, Gera!“ zeigt die Kunstsammlung Gera in der Orangerie eine Ausstellung zum 100-jährigen tänzerischen Aufbruch in der Stadt. Sie erinnert an jene Spielzeit 1925/26, in der die Tänzerin und Choreografin Yvonne Georgi erstmals eine Tanzgruppe am damaligen Reußischen Theater leitete – ein Schritt, der die Entwicklung der Tanzsparte in Gera entscheidend prägte.
Mit der Verpflichtung Georgis gelang dem damaligen Generalintendanten Walter Bruno Iltz gemeinsam mit seinem Dramaturgen Erbprinz Heinrich XLV. Reuß j. L. ein bemerkenswerter Coup. Die junge Choreografin schuf zu zeitgenössischer Musik avantgardistische Choreografien, die nicht nur in Gera für Begeisterung sorgten. Auch bei Gastspielen in Leipzig und Berlin erregten ihre Arbeiten große Aufmerksamkeit. Der Berliner Börsen-Courier schrieb am 2. März 1926 anerkennend, dass das Reußische Theater „hier neben dem russischen getrost marschieren kann“ – und schloss mit den Worten: „Bravo, Gera!“
Anhand von Originaldokumenten, Fotografien und weiteren Exponaten lässt die Ausstellung die kulturelle Aufbruchsstimmung der 1920er Jahre wieder lebendig werden. Sie erzählt von einer Zeit der künstlerischen Experimente, von Visionen, Erfolgen und auch von Skandalen – und stellt jene Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die diese Epoche geprägt haben. Im Zentrum steht dabei Yvonne Georgi, deren mutige Abkehr von den Konventionen des klassischen Bühnentanzes einen neuen Weg für den Tanz in Gera eröffnete.
„Die Ausstellung macht sichtbar, wie tief die Tanzkunst in der Kulturgeschichte unserer Stadt verwurzelt ist“, betont Felix Eckerle, Leiter des Geraer Kulturamtes. „Sie zeigt, dass der Mut zur künstlerischen Innovation schon vor hundert Jahren Teil der kulturellen DNA Geras war – und dass das Internationale BallettFestival diese Tradition heute auf beeindruckende Weise weiterführt.“
Gemeinsam mit Holger Peter Saupe, Leiter der Kunstsammlung Gera, den wissenschaftlichen Mitarbeitenden Dr. Claudia Schönjahn und Matthias Wagner, Festivalleiter Norbert Skowronek vom Theater Altenburg Gera sowie dem Theaterwissenschaftler Prof. Dr. Ralf Stabel hat er die Ausstellung kuratiert.
Vom 8. bis 21. Mai 2026 knüpft das Internationale BallettFestival Gera26 genau an diese Tradition an. Das Festival vereint Aufführungen des in Gera beheimateten Thüringer Staatsballetts mit hochkarätigen internationalen Gastspielen, die dramaturgisch aufeinander abgestimmt sind und den tänzerischen Aufbruch sowie die einhundertjährige Entwicklung der Tanzkunst in Gera miteinander verbindet: So steht das Bundesjugendballett John Neumeier für ein Ensemble sehr junger Tänzerinnen und Tänzer – ähnlich jener Truppe, die Yvonne Georgi in der Spielzeit 1925/26 leitete. Georgi verkörperte damals den modernen deutschen Tanz, für den heute die zeitgenössische Company Sasha Waltz & Guests weltweit gefeiert wird. Hanns Renjeff, der sich später Jan Veen nannte, ging nach Boston und gründete dort die Tanzfakultät des Boston Conservatory, aus der später das Boston Dance Theater hervorging. Und der heutige Co-Intendant des Aalto Ballett Essen, Armen Hakobyan, erlebte zu Beginn seiner Karriere in den Jahren 2000 bis 2003 am Theater Gera seinen persönlichen tänzerischen Aufbruch.
Auch das Thüringer Staatsballett selbst präsentiert zentrale Werke seines Repertoires: den Klassiker „Romeo und Julia“ sowie den Doppelabend „Jeu de Cartes / Pulcinella“. Einen besonderen Bezug zur Tanzgeschichte der Stadt stellt die Rekonstruktion von Yvonne Georgis Choreografie „Glück, Tod und Traum“ her – eine spartenübergreifende Produktion mit Tanz, Musik und Schauspiel. Zwei Philharmonische Konzerte lassen zudem jene Musik erklingen, die bereits Georgi und ihre Tanzgruppe vor hundert Jahren vertanzten.
Ergänzt wird das Festivalprogramm durch eine Ballett-Gala, Workshops, Filmvorführungen und thematische Foren mit internationalen Gästen aus der Tanzszene. Gemeinsam mit der Ausstellung in der Orangerie entsteht so ein facettenreicher Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Tanzkunst in Gera.
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Bravo Gera! 100 Jahre tänzerischer Aufbruch
08.05.2026 – 30.08. 2026
Orangerie
Ballettfestival Gera26
08.05.2026 – 21.05.2026
Theater Altenburg-Gera


