Thüringer Bibliothekstag 2026: Gera rückt Bibliotheken als Orte der Begegnung in den Fokus
Gera nutzte die Veranstaltung auch, um die Zukunft seiner eigenen Bibliothek als offenen Begegnungs- und Bildungsort in den Blick zu nehmen.

Gera war am 21. Oktober 2026 Gastgeber des 31. Thüringer Bibliothekstags. Vertreterinnen und Vertreter aus Bibliotheken, Kultur und Politik kamen zusammen, um über aktuelle Herausforderungen und Perspektiven der Bibliotheksarbeit zu diskutieren. Im Mittelpunkt standen die Rolle von Bibliotheken als offene Orte für Bildung, digitale Teilhabe und gesellschaftlichen Austausch sowie die Verleihung des Thüringer Bibliothekspreises 2026. Gastgeberin Gera vertreten durch Dezernentin für Soziales, Jugend und Kultur Sandra Wanzar knüpfte dabei an die Auszeichnung der Stadt- und Regionalbibliothek Gera im Vorjahr an.
Thüringer Bibliothekspreis 2026 verliehen
Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an die Stadtbibliothek Ilmenau. Ausgezeichnet wurde ihr Konzept als offener, konsumfreier Ort für Begegnung und Bildung, das unter anderem Gaming-Angebote und digitale Sprechstunden umfasst. Zwei Förderpreise in Höhe von jeweils 2.500 Euro würdigen weitere Ansätze moderner Bibliotheksarbeit: Die Gemeindebibliothek Georgenthal erhielt einen Preis für ihr Projekt „Generationen-Lesezeit“, das Kinder, Jugendliche und ältere Menschen miteinander verbindet. Die Stadt-, Kreis- und Fahrbibliothek Apolda/Weimarer Land wurde für die barrierearme Neugestaltung ihrer Kinder-, Lern- und Veranstaltungsbereiche ausgezeichnet. Die Preise werden von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Landesverband Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband e. V. getragen. Sie machen sichtbar, wie Bibliotheken mit unterschiedlichen Konzepten auf die Bedürfnisse ihrer Nutzerinnen und Nutzer eingehen und neue Zugänge zu Wissen und Gemeinschaft schaffen.
Gera blickt auf preisgekrönte Bibliotheksarbeit zurück
Für Gera war die Ausrichtung des Bibliothekstags auch eine besondere Anerkennung der eigenen Bibliotheksarbeit. Im Oktober 2025 hatte die Stadt- und Regionalbibliothek Gera den Thüringer Bibliothekspreis erhalten. Gewürdigt wurde insbesondere ihr generationsübergreifendes Konzept, mit dem Menschen unterschiedlicher Altersgruppen angesprochen und zusammengebracht werden. Ein Teil des Preisgeldes in Höhe von 10.000 Euro fließt in die Neugestaltung der Erwachsenenbibliothek. Neue Möbel sowie attraktivere Aufenthalts- und Lernbereiche sollen die räumlichen Voraussetzungen für Lesen, Lernen und Begegnung weiter verbessern.
Die Stadt- und Regionalbibliothek Gera verfügt über rund 130.000 Medien und zahlreiche digitale Angebote. Dazu gehören die Onleihe, PressReader, digitale Beratungsangebote, die Technothek mit 3D-Druck und weiteren digitalen Möglichkeiten sowie die „Bibliothek der Dinge“, in der unter anderem Energiemessgeräte und Sportgeräte ausgeliehen werden können. Die Nutzung unterstreicht die Bedeutung des Hauses für das städtische Leben: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Bibliothek rund 164.000 Besucherinnen und Besucher sowie etwa 660.000 Entleihungen. Rund 11.000 Menschen nahmen an etwa 550 Veranstaltungen teil. Das Programm reicht von Lesungen, Ausstellungen und Workshops über RepairCafé, Handarbeitstreff und Gaming bis hin zu LEGO- und Tüftelangeboten sowie dem „Digitalen Dienstag“.
Bibliotheken sind mehr als Orte zum Ausleihen
Der Bibliothekstag bot Gelegenheit, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Zukunftsfragen zu diskutieren: Wie erreichen Bibliotheken Menschen verschiedener Generationen? Wie lassen sich digitale Angebote und Kompetenzen vermitteln? Welche Räume brauchen Menschen, um gemeinsam zu lernen, zu arbeiten und sich zu begegnen? Dabei rückt das Verständnis der Bibliothek als sogenannter „Dritter Ort“ zunehmend in den Mittelpunkt. Neben dem eigenen Zuhause und dem Arbeitsplatz oder der Schule bieten Bibliotheken einen frei zugänglichen Raum, in dem Menschen unabhängig von Alter und Lebenssituation zusammenkommen können.
Das Programm des Bibliothekstags umfasste neben der Preisverleihung Fachvorträge von Stefan Wally, Frauke Schade und Ragna Körby sowie Möglichkeiten zur Diskussion und zum fachlichen Austausch. Grußworte sprachen unter anderem Prof. Dr. Teichert, Thüringer Staatssekretär für Bildung, Wissenschaft und Kultur, und Dr. Annelie Carslake, Vorsitzende des Landesverbandes Thüringen im Deutschen Bibliotheksverband.
Zukunft der Stadt- und Regionalbibliothek im Kultur- und Kongresszentrum
Auch die langfristige Entwicklung der Geraer Bibliothek war Thema. „Bibliotheken müssen sich stetig weiterentwickeln, um auf die Bedürfnisse einer vielfältigen Stadtgesellschaft eingehen zu können. Dafür brauchen sie nicht nur gute Angebote, sondern auch den Mut, neue Wege zu gehen und unterschiedliche Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Der Thüringer Bibliothekstag in Gera hat gezeigt, wie viele kreative Ideen und engagierte Menschen diese Entwicklung voranbringen. Diesen Austausch möchten wir nutzen, um auch die Zukunft unserer Stadt- und Regionalbibliothek aktiv zu gestalten“, sagt Sandra Wanzar, Dezernentin für Soziales, Jugend und Kultur der Stadt Gera.
Mit der geplanten Sanierung des Kultur- und Kongresszentrums (KuK) steht der Stadt ein bedeutendes innerstädtisches Vorhaben bevor. Nach aktueller Planung soll das Gebäude bis Herbst 2031 umfassend saniert sein und wieder als zentrales Veranstaltungshaus zur Verfügung stehen. Nach heutigem Planungsstand könnten künftig auch die Stadt- und Regionalbibliothek sowie das Stadtarchiv in das Gebäude integriert werden. Die konkrete Ausgestaltung ist Gegenstand der weiteren Planungen. Ziel ist es, das KuK künftig stärker als kulturellen, soziokulturellen und gesellschaftlichen Treffpunkt zu entwickeln. Für Gera verbindet sich damit eine zentrale Zukunftsfrage: Wie können öffentliche Einrichtungen Räume schaffen, die Wissen vermitteln, kulturelle Angebote ermöglichen und das gesellschaftliche Miteinander stärken? Der Thüringer Bibliothekstag zeigte, dass Bibliotheken hierfür wichtige Impulse geben können.