Jury-Entscheidung am Museum für Angewandte Kunst
Am 21. April fand im Museum für Angewandte Kunst in Gera die Jury-Sitzung zum 15. Aenne-Biermann-Preis statt. Insgesamt waren zuvor 548 Bewerbungen eingegangen.

15. Aenne-Biermann-Preis für deutsche Gegenwartsfotografie
Laufzeit: 23. September 2026-14. Februar 2027
Eröffnung: 22. September 2026, 18 Uhr
Pressekonferenz: 22. September 2026, Uhrzeit wird noch bekannt gegeben
Am 21. April fand im Museum für Angewandte Kunst in Gera die Jury-Sitzung zum 15. Aenne-Biermann-Preis statt. Insgesamt waren zuvor 548 Bewerbungen eingegangen.
Aus den 20 Positionen der Shortlist wurden die folgenden Preisträgerinnen und Preisträger ausgewählt:
Kategorie Hauptpreis
Preis: Raisan Hameed (*1991, lebt in Leipzig) – After Image

After Image verbindet ein digitales Archiv aus Google-Street-View-Bildern des Irak mit einem persönlichen Familienarchiv und untersucht dabei insbesondere visuelle Lücken, Störungen und Fragmentierungen: Die verpixelten Gesichter und zerstörten Panoramen im Street-View stehen den Fotografien aus dem Familienarchiv gegenüber, die 2003 im Krieg beschädigt wurden. Sie werden so zu Spuren von Krieg und technologischer Kontrolle, die zeigen, wie Sichtbarkeit erzeugt und zugleich eingeschränkt wird. Die Arbeit versteht die Bilder als „Nachbilder“, in denen Körper nicht mehr als stabile Darstellungen erscheinen, sondern als fragile Spuren, geprägt von Erinnerung, Gewalt und Technologie.
2. Preis: Martin Ruckert (*1992, lebt in Leipzig) – Baryt 2.57

Baryt 2.57 widmet sich den verborgenen Fertigungsprozessen der analogen Fotografie. Die Bildreihe zeigt die sonst unsichtbaren Komponenten – Vorgänge und Materialien – analoger Bilder und gewährt einen Einblick hinter die Kulissen der Bildproduktion. Die Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind geprägt von Abdrücken und Schatten – Spuren einer körperlichen Präsenz, die auf die Arbeit des Fotografen in der Dunkelkammer verweisen. Ruckert arbeitet zudem mit Fotogrammen, die zwischen den abgebildeten Werkzeugen erscheinen und sich unauffällig in die Kompositionen einfügen.
3. Preis: Nora Schwarz (*1991, lebt in Hamburg) – Songs of the Taiga

Songs of the Taiga thematisiert das Verschwinden eines der letzten Ur- und Naturwaldvorkommen Europas durch großflächige Abholzung in Schweden. Die schwedische boreale Taiga ist nicht nur essenziell für die Biodiversität und den Klimaschutz, sie ist auch Heimat der Sámi, der letzten indigenen Gemeinschaft Europas. Die Fotostrecke begleitet Menschen, deren Leben, Arbeit und Kultur auf dem intakten Wald beruhen und die sich zu dessen Schutz einsetzen. Ergänzt wird die Bildreihe von Aufnahmen des Waldes.
Honorable Mention:
Benjamin Friedle (*1999, lebt in Leipzig) – Worte aus Bildern aus Fotos aus Formen

Worte aus Bildern aus Fotos aus Formen untersucht, wie sich durch künstliche Intelligenz die Grenzen zwischen digitaler und realer Bildwelt auflösen und wie Fotografie als allgegenwärtige Sprache unsere Wahrnehmung prägt. In einem Zusammenspiel aus Text, Bild und Objekt thematisiert die Arbeit, wie algorithmische Prozesse, Simulation und Speicherstrukturen zu zentralen Bestandteilen der zeitgenössischen Bildproduktion geworden sind.
Kategorie Amateurpreis
Anika Werk (*2001, lebt in Berlin) – Warum?
Warum? widmet sich in Aufnahmen von Körpern und Bäumen dem Sichtbarmachen von Gefühlswelten, mit dem Ziel, für unausgesprochene Gewalt zu sensibilisieren.
Die Arbeiten der Fotografinnen und Fotografen werden ab dem 23. September 2026 in der Ausstellung am Museum für Angewandte Kunst zu sehen sein.
Jury
Dr. Simone Förster Sammlungsleiterin Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne
Dirk Hoffmann Sachbearbeiter Sammlungen Museum für Angewandte Kunst Gera
Andrea Karle Referentin Kunst und Kultur und stellvertretender Vorstand
Kulturstiftung des Freistaats Thüringen
Holger Peter Saupe Leiter Kunstsammlung Gera
Stefanie Schroeder Preisträgerin 14. Aenne-Biermann-Preis




