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19. Jan. 2024

„Man kann sich ändern“

Gleichstellungsarbeit in Gera wirkt für mehr Gewaltschutz und Verständnis untereinander, für queere Belange, fair verteilte Arbeit und durch Kooperationen

Können gewalttätige Personen von Gewalt ganz loskommen? … „Ja. Man kann sich ändern“ – sagt der Psychologe vom Projekt Orange im Gespräch mit Geras Gleichstellungs­beauftragter Catrin Heinrich und das ist auf der Homepage der Stadt Gera nachzulesen. Dies ist eines der Interviews, das die Gleichstellungs­beauf­tragte (GB) 2023 führte und veröffent­lichte, damit Gewaltbetroffene sich insbesondere über Hilfeangebote in Gera informieren können.  ‚Man kann sich ändern … man kann Dinge ändern‘ … das wollte die GB auch mit der Kam­pagne „handle jetzt“ zusammen mit dem Freistaat und 28 Thüringer Kommunen vermitteln, damit sich Menschen bei häuslicher Gewalt Hilfe holen. „Über Medienbeiträge und Veranstaltungen erreichten wir rund 100.000 Wahrnehmungen thüringenweit für die Botschaft: Es gibt Hilfe, vertraulich und kostenfrei, schaut auf www.handle-jetzt.de mit rund 200 Hilfeangeboten in ganz Thüringen“, so Heinrich. Sie freue sich sehr, dass der Stadtrat mit dem neuen Sozialplan zum Gewaltschutz unter anderem die Fortsetzung von „handle jetzt“ beschlossen hat und dies vom OB und der Dezernentin für Jugend und Soziales stark unterstützt wurde, um Hilfeangebote weiter bekannt zu machen.

Die GB-Öffentlichkeitsarbeit 2023 fokussierte sich außerdem auf Themen wie mehr Verständnis von Mensch zu Mensch oder Arbeitsteilung in Lebensgemeinschaften: Leben diese „automatisch“ traditionelle Rollen bei Kinderbetreuung, Karriere, Sorge für die Eltern – oder ihre „eigene Version“ und damit so, wie es fairer und für die ganz konkrete Situation passender ist.

Auch thematisierte Catrin Heinrich Tabus wie Menstruation. Die „Initiative Hygieneartikel“ mit vier Geraer Schulen und -sprecherinnen sowie dem Amt für Hochbau und Liegenschaften, Amt für Bildung, der Elstertal-Infraprojekt und der Kinder- und Jugendbeauftragten testete Spender mit Binden und Tampons in den Schulen. In Gesprächen ohne Tabu hörten manche zum ersten Mal vom Prämenstruellen Syndrom (PMS) und extremen Perioden­schmer­zen, bei denen 5 – 10 % der Frauen kaum schul- oder arbeitsfähig sind. Durch den Austausch können vor allem Nicht-Betroffene mehr Verständnis für Betroffene entwickeln“, so die GB.

Verständnis füreinander, für verschiedene Lebensformen, für queere Belange auch in der Pflege, für das Thüringer Gleichstellungsgesetz, für Themen rund um Schwangerschaft regte die GB 2023 in öffentlichen Foren, Diskussionen, Veröffentlichun­gen und als Ansprechstelle für Stadt und intern in der Stadtverwaltung an – in der sie ein neues Format zum Start von neuen Beschäftigten mit einem verwaltungsinternen Team gemeinsam entwickelte.

Für 2024 will Catrin Heinrich die Gleichstellungsarbeit für die nächsten Jahre entwerfen. Einfließen sollen Diversitätsansätze unterstützend für die regionale Wirtschaft und weitere Kooperatio­nen auch zur Stärkung von Initiativen zur Gleichbehandlung, so die GB: „Es ist klasse, wie viele Initiativen und Kooperationen 2023 in Gera wirkten. Stellvertretend für alle möchte ich danke sagen den zahlreichen Ämtern und Personen in der Verwaltung, der Thüringer Landesarbeitsgemeinschaft kommunale Gleichstellungs­beauf­tragte und der Landesbeauftragten, dem Verein Queerweg e.V., dem CSD-Verein Gera e.V., den Gewerk­schaftsfrauen, dem Thüringer Medienbildungs­zentrum und weiteren Medien, Schulleitungen und Schülerräten von DieVierte, IGS, Berufsschule Gesundheit, Soziales, Soziale Arbeit und Rutheneum, der Elstertal-Infraprojekt und dem Geraer Netzwerk gegen häusliche Gewalt. Sie und viele weitere zusammen blieben nicht bei wünsch-dir-was, sondern wurden wirksam.“

Kontakt zur Gleichstellungsbeauftragten kann zu folgenden Themen aufgenommen werden:

  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie – z.B. flexible Arbeitszeiten
  • Frauengruppen, Frauenhäuser und –schutzwohnungen
  • Chancengleichheit z. B. bei beruflicher Entwicklung: Wieso sollte ein Mann keine Kinder betreuen und eine Frau mit Mutterpflichten keine Abteilung leiten können?
  • Abbau von Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, bei häuslicher Gewalt, sexualisierter Gewalt und Nachstellen
  • Öffentlichkeitsarbeit, Veranstaltungen oder Fortbildungsmaßnahmen zu Gleichstellungsthemen

Kontaktdaten:

0365 838-1050, gleichstellungsbeauftragte@gera.de, www.gera.de/gleichstellung