Wenn die Feuerwehr nicht durchkommt – Gera prüft seine Rettungswege
Berufsfeuerwehr, Freiwillige Feuerwehr Mitte und Ordnungsamt waren im Dezember im Stadtgebiet unterwegs, um zu testen, ob Einsatzfahrzeuge im Ernstfall ungehindert durchkommen.

Im Mittelpunkt standen diesmal neuralgische Punkte in Untermhaus, dem Ostviertel und in Lusan. Ziel der Befahrung war es zu prüfen, ob parkende Fahrzeuge so abgestellt sind, dass Löschfahrzeuge, Rettungswagen und insbesondere die Drehleiter ohne Rangiermanöver passieren können. Denn im Notfall entscheiden Sekunden – in Thüringen muss Hilfe innerhalb von zehn Minuten vor Ort sein.
Fünf-Meter-Regel und enge Wendehämmer
Besonderes Augenmerk legten die Einsatzkräfte auf Kreuzungsbereiche. Fünf Meter Abstand vom Scheitelpunkt der Kreuzung sind verpflichtend – vielen bekannt, im Alltag aber oft ignoriert. Für Drehleitern, die über drei Meter breit sind, sind solche Freiräume unverzichtbar. Auch die Wendehämmer in Lusan wurden überprüft. Sie dienen dazu, dass große Fahrzeuge – vom Löschfahrzeug über den Winterdienst bis zur Müllabfuhr – sicher wenden können. Werden sie zugeparkt, bleibt Einsatzkräften im Ernstfall nur der riskante Rückwärtsgang mit erheblichem Zeitverlust des Einsatzes.
Verstöße – und überraschende Erkenntnisse
Ganz ohne Beanstandungen blieb die Kontrolle nicht: Mehrere Fahrzeuge standen zu nah an Kreuzungen oder verengten die Straßen deutlich. Das Ordnungsamt ahndete die Verstöße mit einem Verwarngeld von 10 Euro und suchte, wo möglich, die Halterinnen und Halter auf. Vor Ort wurde gezeigt, wie knapp ein Feuerwehrfahrzeug an falsch geparkten Autos vorbeikommt. Viele waren überrascht, wie wuchtig eine Drehleiter ist – und wie wenig Spielraum bleibt, wenn beide Straßenseiten zugeparkt sind. Die meisten reagierten verständnisvoll und setzten ihre Fahrzeuge sofort um. Oft fiel der Satz: „Das war mir so gar nicht bewusst.“ An einer Engstelle musste die Drehleiter mehrfach rangieren, um eine Engstelle zu passieren – fast vier Minuten Verzögerung. Vier Minuten, die bei Wohnungsbränden über Leben und Tod entscheiden können. Gerade bei Wohnungsbränden – wie sie Gera in den vergangenen Monaten immer wieder erlebt hat – bleibt oft nur ein sehr kleines Zeitfenster, um Menschen aus verrauchten Wohnungen zu retten oder ihnen den Fluchtweg über die Drehleiter zu ermöglichen.
Ein strukturelles Problem – weit über Gera hinaus
Zugeparkte Straßen belasten Feuerwehren inzwischen vielerorts. Mehr Autos, größere Fahrzeuge und enge Stadtstrukturen verschärfen die Situation. Auch in Gera werden Rettungseinsätze immer häufiger durch falsch abgestellte Fahrzeuge behindert. Die Stadt weist bei Veranstaltungen und baulichen Maßnahmen deshalb regelmäßig auf freizuhaltende Rettungswege hin und versucht, Parkraum und Sicherheit miteinander zu vereinbaren.
Verständnis ja – aber nicht auf Kosten der Sicherheit
Trotz angespannter Parkplatzsituation hielten sich viele an die Regeln – das zeigen die vergleichsweise wenigen Verstöße und die positiven Gespräche vor Ort während dieser Übung. Dennoch bleibt die Haltung von Feuerwehr und Ordnungsamt klar: Verständnis für Parkplatznot endet dort, wo Rettungswege blockiert werden. Wer falsch parkt, gefährdet im Ernstfall Menschenleben.
Feuerwehr und Ordnungsamt kündigen an, solche Befahrungen weiterhin regelmäßig durchzuführen – nicht als „Knöllchen-Tour“, sondern als Mischung aus Kontrolle und Aufklärung. Ziel ist es, das Bewusstsein für freie Rettungswege zu schärfen.



















