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2026

Januar 2026: Der Delikat-Laden

Januar 2026: Der Delikat-Laden

„Ham wa nich“ wurde zum geflügelten Satz in der DDR hinsichtlich der Versorgung mit Nahrungsmitteln und Konsumgütern. In scheinbarem Gegensatz dazu war der Pro-Kopf-Verbrauch an Nahrungsmitteln in der DDR weltweit einer der höchsten. Tatsache ist: Es gab genug zu essen, genug Bekleidung, genug Waren des täglichen Bedarfs. Aber es gab nicht von allem alles. Mitunter war die Auswahl auf wenige Produkte beschränkt. Begehrte Artikel und Importwaren, insbesondere aus dem nichtsozialistischen Ausland, waren oft nur in begrenzter Anzahl erhältlich und daher in der Regel schnell ausverkauft.

Hinzu kam die Preispolitik der DDR, die jahrzehntelang rigoros an gleichbleibenden Grundpreisen festhielt. Inflation durfte es im Sozialismus nicht geben. Teurer werdende Importe wie Kaffee oder Obst mussten daher immer stärker subventioniert werden und standen oftmals nicht in genügender Menge zur Verfügung.

Steigende Löhne dienten andererseits als wichtiges Aushängeschild für eine scheinbar erfolgreiche staatliche Sozialpolitik. Die Kaufkraft wuchs damit schneller als das Warenangebot. Dem dadurch entstandenen Überhang an Geld versuchte man ab 1977 mit der Einrichtung sogenannter Delikat- und Exquisit-Läden zu begegnen. Hier gab es vieles, was das Herz begehrte, erstklassige Erzeugnisse aus heimischer Produktion und edle Importwaren. Andererseits waren auch die Preise exquisit. Dennoch wurden die Geschäfte von der Bevölkerung gern angenommen.

Auch in Gera öffneten nach und nach mehrere Delikat-Läden. Der älteste und bekannteste dürfte das Geschäft am Platz der Republik gewesen sein. Die Verkaufseinrichtung wurde 1964 als erste Geraer Selbstbedienungs-Kaufhalle „Tempo“ eröffnet und ab 1978 als Delikat-Feinkost-Geschäft betrieben. Ende der 1980er Jahre gab es in Gera immerhin sieben Delikat-Läden, darunter auch eine Verkaufseinrichtung in der Rudolstädter Straße in Gera-Lusan sowie ein Spezialgeschäft für Gewürze in der Johannisstraße und eines für Wurst- und Fleischwaren in der Leipziger Straße.

Während die Delikat-Läden überwiegend Nahrungs- und Genussmittel anboten, waren die Exquisit-Geschäfte für qualitätvolle aber hochpreisige Modeartikel und Kosmetik zuständig. Einige hundert Mark konnte eine elegante Jacke durchaus kosten – eine Summe, die für viele Bürger einen halben Monatslohn darstellte. Im Stadtzentrum befanden sich unter anderem ein Freizeit-Exquisit in der Breitscheidstraße, ein Wäsche-Exquisit auf dem Markt und ein Exquisit für Damen- und Herrenmode in der Straße der Republik (heute Heinrichstraße).

Das Thema Einkaufen findet sich auch in der aktuellen Sonderausstellung des Stadtmuseums Gera, die unter dem Titel „Das waren die 80er! Gera im letzten Jahrzehnt der DDR“ zu einer unterhaltsamen Rundreise durch das ereignisreiche Jahrzehnt einlädt.