August 2026: Gemälde "Galantes Fest"

Welch eine Idylle – an einem sonnigen Sommertag sitzen zwei junge Paare, gekleidet in glänzende Seide, die in zarten Pastelltönen schimmert, auf dem Gras am Rande eines lauschigen Parks. Beide Pärchen singen und musizieren jeweils miteinander und schmachten sich dabei gegenseitig an. Ein Flötenspieler begleitet sie, während sich zwei weitere, miteinander plaudernde Damen der Gruppe nähern.
Die hellen Farben, die leichthändige, fast flüchtige Pinselführung sowie die lockere, asymmetrische Anordnung der Figuren und die fließenden Übergänge zwischen den Gruppierungen erwecken den Eindruck von Unbeschwertheit.
Die Szene spielt sich in einer idealisierten Landschaft ab – eine mit Vasen bestandene Parkmauer führt den Blick des Betrachters in die Ferne, die in leichtem Dunst liegt. Links im Hintergrund ragt hinter Bäumen ein Palais heraus. Neben einer klassischen Skulptur im Vordergrund bemerkt man auf der rechten Seite eine Säulenreihe mit ionischen Kapitellen, beides seinerzeit beliebte dekorative Zitate der Antike.
Die Darstellung ist ein typisches Beispiel für die Malerei des Rokoko zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu der monumentalen und prunkvollen Kunst des Barock, die zum Ausdruck absolutistischer Herrschaftsansprüche diente, wirkt das darauffolgende Zeitalter des Rokoko leicht, elegant und verspielt. Wer es sich leisten konnte, zog sich in dieser Epoche voller politischer und gesellschaftlicher Umbrüche in eine eigene Welt zurück, die von Eleganz, Raffinesse und Verspieltheit geprägt war. Ein Ausdruck dieser Weltflucht ist die Bildgattung der sogenannten „Fêtes galantes“ (galante Feste), die vornehme Gesellschaften bei Musik, Tanz und (Liebes)Spiel inmitten idyllischer Landschaften zum Thema hat.
Einer der ersten und wichtigsten Künstler, der auf diese Weise aristokratischen Vergnügungen im Freien als eigenes Bildthema wählte, war Jean-Antoine Watteau. Mit seinen Darstellungen galanter Szenen, die den größten Teil seines Gesamtschaffens ausmachen, prägte er nicht allein die Kunst, sondern auch die Mode seiner Zeit.
Das Gemälde „Galantes Fest“ aus dem Bestand der Kunstsammlung Gera ist ebenfalls diesem Genre zugehörig. Seit 1960 in städtischem Eigentum, war es in einem recht bedauernswerten Zustand, die Leinwand deformiert, die Oberfläche stark verschmutzt. Dank einer kürzlich vorgenommenen Restaurierung erstrahlen die brillanten Farben wieder in ihrem alten Glanz. Doch diese Restaurierung brachte noch mehr zu Tage: Bei der Reinigung der Oberfläche legte die Restauratorin eine bisher verborgene Beschriftung frei: die zwar nicht Watteau lautet, aber immerhin mit W signiert ist! Der unbekannte Maler steht jedenfalls im besten Sinne in der Tradition des großen Malers der galanten Szenerien.
Bis zum 18. Oktober 2026 ist das Gemälde „Galantes Fest“, zusammen mit weiteren Werken, in der Ausstellung „feste feiern! Eine bunte Werkauswahl aus der Kunstsammlung Gera“ im Otto-Dix-Haus zu bestaunen.
Otto-Dix-Haus, Otto-Dix-Haus, Mohrenplatz 4, 07548 Gera
Öffnungszeiten: Di – So, Fei 11 – 17 Uhr
[Text: Claudia Schönjahn]