Zwischen Hirtenlied und Abenteuerlust

Eine Ausstellung der Kunstsammlung Gera im Museum für Angewandte Kunst
Von romantischen Landschaften, dramatischen Seestücken und idyllischen Alltagsszenen reichte die Bandbreite der vom Unternehmer Hans Wilhelm Behrens (1879 Braunschweig - 1938 Gera) für seine Geraer Villa erworbenen Gemälde. Ebenso gehörten Druckgrafiken, Zeichnungen, Aquarelle und Porzellane zu seinen Ankäufen. Schwerpunkt waren Werke der Düsseldorfer und Münchner Malerschule. Die Sammlung, die jenseits der Klassischen Moderne angesiedelt ist, gehört heute zu den wenigen noch vorhandenen privaten Kunstsammlungen eines aufstrebenden Bürgertums in Gera um die Jahrhundertwende.
Die Ausstellung ermöglicht einen umfassenden Einblick in eine Privatkollektion mit einer ereignisreichen Sammlungsgeschichte.

Hans Wilhelm Behren und Anna Weise
Es ist eine typische Biographie der Zeit des ausgehenden 19. Jahrhunderts, die geprägt war von einem großen Wandel in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. 1879 in Braunschweig geboren verschlug es Behrens 1903 in die florierende Industrie- und Textilstadt Gera. Er investierte im hiesigen Kohlenhandel und hielt die Hälfte des Aktienkapitals der Gera-Meuselwitz-Wuitz-Mumsdorfer Eisenbahn. Sein beachtliches Vermögen sowie alle Kunstgegenstände erbte bei seinem Tod 1938 seine Angestellte Anna Weise. Mit Beharrlichkeit und Fleiß führte sie die Geschäfte. An der Fortführung oder Erweiterung der Sammlungstätigkeit hatte sie keinerlei Interesse. Ihre Sorgfalt richtete sie hingegen auf das Verwahren der Gegenstände. Über ein Jahrzehnt behütete Anna Weise die Kunstsammlung bis zu deren Enteignung 1953.

Die Sammlung
Schwerpunkt der Sammlung sind 32 Gemälde und 18 Grafiken die in herausragender Weise die Kunst des 19. Jahrhunderts repräsentieren. Darüber hinaus gehören Porzellane verschiedener Manufakturen wie Meißen und Frankenthal sowie diverse Keramikobjekte dazu. Die als repräsentative Villenausstattung angelegte Sammlung ist in ihrem Erscheinungsbild sehr homogen. Hauptaugenmerk galt der deutschen-akademischen Kunstströmung um 1900 mit ihrem strengen handwerklich-technischen Regelwerk. Besonders bevorzugt waren idealisierte Darstellungen literarischer, mythologischer und historischer Themen. Aktuelle Kunsttendenzen, avantgardistische Strömungen und neue Ausdrucksformen der ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts blieben vollkommen unberücksichtigt.
Weder zu Intention noch zum Anlass der Sammeltätigkeit gibt es Angaben. Zum Namensgeber Hans Wilhelm Behrens existieren nur wenige Hinweise.
Unter anderem sind vertreten: Oswald und Andreas Achenbach, Ludwig Angerer, Heinrich Bürkel, Franz von Defregger, Eduard von Grützner, Hugo Paul Harrer, Eugène Isabey, Max Klinger, Franz von Lenbach, Christian Mali, Antonio Rotta, Carl Spitzweg, Hans Thoma

Die Sammlungsgeschichte
1953 wurde die Sammlung beschlagnahmt und in Volkseigentum überführt. 2010 wurden im Rahmen des Restitutionsverfahrens alle Kunstwerke an die rechtmäßige Eigentümerin, die in München ansässige Behrens-Weise-Stiftung, zurückübertragen.
Ein Jahr später konnten sie mit Mitteln des Freistaates Thüringen für die Geraer Museen dauerhaft erworben werden und gehören heute zum integralen Bestandteil verschiedener Sonderausstellungen. Innerhalb der Museumssammlung stellen sie eine bedeutende Erweiterung von wichtigen künstlerischen Positionen der Zeit um die Jahrhundertwende dar.
Laufzeit
29. April - 23. August 2026
Führungen durch die Ausstellung
Öffentliche Führungen
Jeweils Samstag, 14.00 Uhr
20. Juni, 18. Juli, 8. August 2026
Öffentliche Kurzführungen
Jeweils Mittwoh, 12.30 Uhr
13. Mai, 10. Juni, 8. Juli, 12. August 2026